Linz (OTS) – Jede dritte bienenfreundliche Pflanze aus Gartencentern,
Blumenläden,
Baumärkten, Supermärkten oder Möbelhäusern ist mit für Bienen
hochgiftigen Pestiziden belastet. Das ist das Ergebnis einer AK-
Analyse von 30 Pflanzen, die als „bienenfreundlich“ ausgewiesen sind.
Nur auf sieben Pflanzen wurde kein Pestizid gefunden.
Die Arbeiterkammer Oberösterreich hat gemeinsam mit der
Umweltorganisation Global 2000 insgesamt 30 Pflanzen auf Pestizide
getestet, die entweder sichtbar mit einem Label „bienenfreundlich“
oder „insektenfreundlich“ gekennzeichnet waren, vom Verkaufspersonal
als für Bienen wertvoll empfohlen wurden oder allgemein als attraktiv
für Bienen bekannt sind.
Konkret waren 22 Pflanzen aus dem Test als „bienenfreundlich“
gekennzeichnet, zwei wurden als solche empfohlen.
Etwa ein Drittel der Pflanzen für Bienen hochgiftig
Auf neun Proben waren Pestizide nachweisbar, die besonders für Bienen
als hochgiftig gelten. Vier dieser Proben enthielten außerdem mehr
als ein bienengiftiges Pestizid. Insgesamt wurden auf 23 Pflanzen in
Summe 41 verschiedene Pestizide festgestellt, wobei im Labor die
besonders giftigen Insektizide Acetamiprid, Chlorpyrifos,
Deltamethrin, Flupyradifurone, Lambda-Cyhalothrin, Pirimicarb und
Spinosad auf neun Pflanzen gefunden wurden.
Einzelne Pestizide in EU nicht zugelassen
Auf drei Pflanzen wurden außerdem Pestizide nachgewiesen, die in der
EU nicht zugelassen sind. Hergestellt werden diese Pestizide
allerdings meist von europäischen Unternehmen, die dann an
Drittländer weiterverkauft werden. Dort sind Mensch und Umwelt den
gefährlichen Stoffen ausgesetzt, um danach die fertigen Pflanzen
zurück in die Europäische Union zu importieren. Das ist ein
problematischer Doppelstandard, dem die EU aus Sicht der
Arbeiterkammer Oberösterreich endlich ein Ende setzen muss.
Preis macht keinen Unterschied
Keine Rückschlüsse auf den Pestizid-Einsatz lässt der Verkaufspreis
zu. Ob eine Pflanze besonders günstig oder teuer ist, gibt keine
Auskunft über die Anzahl der Pestizide, die gefunden wurden, wie der
Vergleich der getesteten Lavendel und Blaukissen zeigte.
Sieben Pflanzen frei von Pestiziden
Der Zwergweichsel und die Färberkamille vom Gärtnerei-Institut
Hartheim des REWISA Netzwerks, ein Enzian-Ehrenpreis von Baldur
Garten, ein Echter Ziest von Pflanzkompass, eine Schlüsselblume von
Praskac, eine Nelke von Hofer sowie der Moos-Steinbrech von
Bellaflora erwiesen sich als komplett pestizidfrei.
Positive Entwicklung seit letztem Test
Offensichtlich hat der letzte Test aus dem Jahr 2022 zu einem
gesteigerten Bewusstsein geführt. Damals wurden 19 Pflanzen getestet
und noch auf 91 Prozent der Pflanzen Pestizide nachgewiesen. Im
aktuellen Test sind „nurmehr“ 77 Prozent der Pflanzen belastet.
AK fordert gesetzliche Nachbesserung
Aus Sicht der Arbeiterkammer ist es inakzeptabel, dass Pflanzen, die
explizit als bienenfreundlich vermarktet werden, bienentoxische
Pestizide enthalten. In Österreich gibt es derzeit kein Gesetz, das
Pestizidrückstände auf Zierpflanzen regelt. Deshalb finden auch keine
regelmäßigen staatlichen Kontrollen dazu statt. Dies gilt sowohl für
heimische Ware als auch für importierte Zierpflanzen. Anders ist die
Situation in Deutschland: Im Nachbarland regelt das
Pflanzenschutzgesetz, dass Pflanzen nur dann importiert werden
dürfen, wenn sie frei von in der EU nicht zugelassenen Pestiziden
sind.
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