Kärnten (OTS) – Die aktuelle Studie des Meinungsforschungsinstituts
IFES* im Auftrag
der Arbeiterkammer zeigt: Bereits jedes sechste Schulkind in Kärnten
(18 Prozent) hat im vergangenen Schuljahr bezahlte Nachhilfe
bekommen. Das sind deutlich mehr als noch 2023 – damals waren es nur
13 Prozent. Insgesamt 11.000 Kärntner Schüler:innen erhielten
bezahlte Lernhilfe. Noch dramatischer wird das Bild, wenn man den
tatsächlichen Bedarf betrachtet: Rund 23.000 Schüler:innen – das sind
drei von zehn Kindern – bräuchten eigentlich zusätzliche
Unterstützung beim Erlernen des Schulstoffes. „Viele Eltern können
sich diese dringend benötigte Hilfe aber schlicht nicht leisten oder
finden kein passendes Angebot“, weiß AK-Präsident Günther Goach und
betont: „Jedes Kind hat das Recht auf gleiche Chancen, unabhängig vom
Einkommen der Familie. Das Schulsystem muss endlich so gestaltet
werden, dass private Nachhilfe die Ausnahme und nicht die Regel ist.“
Daniel Weidlitsch, Leiter der AK-Abteilung Bildungspolitik,
Jugend und Kultur, nennt weitere Ergebnisse der IFES-Umfrage: „Die
finanziellen Belastungen für die Familien sind massiv gestiegen. Pro
Kind geben Eltern in Kärnten durchschnittlich 850 Euro für Nachhilfe
aus – das sind 140 Euro mehr als noch 2023. Insgesamt fließen also
fast zehn Millionen Euro aus Kärntner Haushalten in die private
Nachhilfe.“
Zwtl.: Mathematik bleibt Problemfach Nummer eins
Am häufigsten wird Nachhilfe in Mathematik benötigt (65 Prozent).
„In diesem Zusammenhang gilt es, junge Menschen für Mathematik zu
begeistern, ihr Interesse an MINT-Fächern zu wecken und ihnen die
breiten Anwendungsmöglichkeiten aufzuzeigen“, betont Weidlitsch. Aber
auch in Deutsch ist der Bedarf an Nachhilfe deutlich angestiegen –
von 22 auf 28 Prozent. In Fremdsprachen benötigen 23 Prozent der
Kinder zusätzliche Lernunterstützung.
Zwtl.: Eltern unter Dauerstress
Die Belastung der Familien geht aber weit über die finanziellen
Aspekte hinaus. Drei Viertel aller Eltern helfen ihren Kindern
regelmäßig bei den Hausaufgaben. Jeder dritte Elternteil lernt sogar
täglich mit dem Nachwuchs. 76 Prozent der helfenden Eltern fühlen
sich zeitlich stark belastet.
Zwtl.: AK Lernchancen: Jetzt auch für Lehrlinge
Das Projekt „AK Lernchancen“ unterstützt beim Start ins neue
Schul- und Lehrjahr mit erweitertem Angebot. Neben Schüler:innen der
Mittelschule und AHS-Unterstufe können nun auch Lehrlinge das
Nachhilfeangebot in Mathematik, Deutsch und Englisch nutzen.
Gemeinsam mit den Kärntner Volkshochschulen bietet die AK Kärnten
fast kostenfreie Kurse in allen Bezirken an. Pro Kurs ist eine
Einschreibgebühr von 10 Euro zu entrichten. Voraussetzung für
Schüler:innen: Das monatliche Haushaltseinkommen darf 5.000 Euro
brutto nicht übersteigen. Mindestens ein Elternteil muss AK-Mitglied
sein. Lehrlinge können das Angebot uneingeschränkt nutzen. Die Kurse
finden laufend in allen Bezirken statt. Anmeldung sind möglich auf ak
-akademie.at/aklernchancen . Weitere Informationen gibt es unter der
Telefonnummer 050 477-7000.
Zwtl.: Forderungen der AK Kärnten
„Diese Zahlen stellen unserem Bildungssystem kein gutes Zeugnis
aus“, erklärt der AK-Präsident und stellt klare Forderungen:
–
Rasche flächendeckende Umsetzung einer gerechten und
transparenten Schulfinanzierung nach dem AK-Chancen-Index , dabei
auch Ausbau von Schulsozialarbeit, inkl. zusätzlicher
Schulpsycholog:innen.
–
Investitionen in den Ausbau von Ganztagsschulen tätigen, um
Lernchancen zu verbessern, Beruf und Familie zu vereinfachen und
Arbeitsplätze zu schaffen.
–
Schulkosten deutlich senken: Unbürokratische Bereitstellung von
Materialien, um Familien finanziell zu entlasten.
–
Spezifische Unterstützung für armutsgefährdete Familien und
Alleinerziehende: Entlastungspakete (z.B. höhere Sozialleistungen)
sowie Angebote wie Ferien- und Lerncamps schaffen.
*Die Studie wurde vom Institut IFES zwischen Februar und Mai 2025
durchgeführt. In Kärnten wurden 586 Schüler:innen in 400 Haushalten
befragt. Weitere Ergebnisse der Umfrage: ktn.ak.at/nachhilfe2025