Wien (OTS) – Die aktuellen AMS-Zahlen machen einmal mehr deutlich:
Die Zahl der
Arbeitsuchenden ab 50 Jahren steigt weiterhin an, besonders betroffen
sind ältere Frauen. Für die Betroffenen bedeutet das nicht nur eine
enorme persönliche Belastung, sondern geht oft auch mit
Armutsgefährdung einher – mit hohen Folgekosten für den Sozialstaat.
„Die Rufe, dass die Menschen länger arbeiten sollen, sind
angesichts dieser Entwicklungen zynisch“, sagt Renate Anderl,
Präsidentin der Arbeiterkammer. Viel relevanter als das gesetzliche
Pensionsantrittsalter sei, wann die Menschen tatsächlich in Pension
gehen. Die aktuellen Zahlen zur Arbeitslosigkeit belegen, dass es
hier dringenden Handlungsbedarf gibt.
Ein zentrales Problem ist, dass es nicht ausreichend gelingt,
ältere Menschen in Beschäftigung zu halten. Diese Entwicklung wird
durch die Anhebung des Frauenpensionsalters zusätzlich verschärft.
Schon jetzt gehen zu viele Frauen nicht aus Erwerbsarbeit, sondern
aus Arbeitslosigkeit oder nach längeren Krankenständen in Pension.
„Zusätzlich sind Frauen auf dem Arbeitsmarkt doppelt belastet: In
jüngeren Jahren übernehmen sie oft die Kinderbetreuung, im höheren
Alter tragen sie häufig die Verantwortung für die Pflege von
Angehörigen. Diese Mehrfachbelastung verschlechtert ihre Position in
der Arbeitswelt zusätzlich, insbesondere wenn sie älter werden“,
kritisiert Renate Anderl.
Um die steigende Arbeitslosigkeit von Älteren und Frauen
einzudämmen, ist ein Umdenken der Unternehmen beim Recruiting
notwendig. „Ältere Menschen, hier insbesondere Frauen, müssen eine
echte Chance bekommen“, fordert die AK Präsidentin. Die Erfahrungen
zeigen jedoch, dass Appelle und Kampagnen allein nicht ausreichen.
Deswegen fordert die AK ein System der Kostenbeteiligung von
Unternehmen bei der Beschäftigung älterer Arbeitnehmer:innen. Jene
Betriebe, die ihrer Verantwortung bei der Beschäftigung Älterer nicht
nachkommen und bestimmte Quoten nicht erfüllen, sollen über
Ausgleichzahlungen an den sozialstaatlichen Kosten beteiligt werden.
Neben den Unternehmen sind auch gezielte arbeitsmarktpolitische
Unterstützungsprogramme für ältere Arbeitssuchende unerlässlich.
Erfolgreiche Projekte wie „Schritt für Schritt“ für
langzeitarbeitslose Personen in Wien zeigen, dass sich Investitionen
in diesem Bereich lohnen. „Unterstützungsprogramme müssen ausreichend
finanziert und langfristig abgesichert sein – denn keine Zielgruppe
darf am Arbeitsmarkt zurückgelassen werden“, so Renate Anderl.