Schönheit

AIT: Qualitätstests für Cyber Security-Systeme

Wien (OTS) – Es vergeht kaum eine Woche ohne Schlagzeilen über einen
größeren
Cyber-Angriff auf Datennetzwerke – von öffentlichen und betrieblichen
Informationssystemen bis hin zu kritischen Infrastrukturen wie etwa
Smart Grids. Um sich dagegen wehren zu können, ist es entscheidend,
solche Angriffe möglichst frühzeitig zu erkennen. Dazu dienen
sogenannte „Intrusion Detection Systeme“ als zentrale Bausteine für
einen modernen Cyber Security-Schutz der Daten-Infrastruktur.

Zwtl.: Ungewöhnliche Ereignisse in Netzen sicher erkennen

Dabei wird ein Computersystem ständig überwacht – und zwar sowohl
der Datenverkehr im Netzwerk und das Systemverhalten als auch die
physikalischen Prozesse, die hinter den Daten stehen. Intrusion-
Detection-Systeme erkennen, wenn etwas Ungewöhnliches im System
passiert: Sie warnen frühzeitig vor dem Eindringen von Hackern und
ermöglichen dadurch rasche Gegenmaßnahmen. Eingesetzt werden dafür u.
a. Methoden des maschinellen Lernens, die Unterschiede zu einem
„normalen“ Systemverhalten sehr gut erkennen können.

Ein Hauptproblem dabei ist, dass es zu vielen falschen Alarmen
kommt. Das kann zum Beispiel in einem Stromnetz geschehen, wenn es
aus ganz anderen Gründen, wie etwa einem Gewitter, zu Abweichungen
vom normalen Systemverhalten kommt. Die Herausforderung in der Praxis
besteht darin, dass alles sehr schnell passieren muss: Sobald das
System eine Anomalie meldet, muss man sich sofort auf die Suche nach
der Ursache machen, um rasch die richtigen Entscheidungen treffen zu
können.

Zwtl.: AIT-System StealthCup stellt Wirksamkeit sicher

Trotz aller Fortschritte bei den Methoden ist es weiterhin
schwierig, dietatsächliche Wirksamkeit dieser Abwehrsysteme unter
realen Betriebsbedingungen zu messen. Expert:innen am AIT Austrian
Institute of Technology haben dazu die experimentelle Testumgebung
„StealthCup“ entwickelt. Dabei handelt es sich um ein international
einzigartiges Forschungs- und Evaluierungskonzept, das realistische,
mehrstufige Cyberangriffe in einer vollständig automatisierten Cyber
Range ermöglicht. Dieser Ansatz schafft die Grundlage für
reproduzierbare Bewertungen von Intrusion Detection Systemen (IDS) in
großen IT-Systemen.

Dabei generierten 56 internationale „Ethical Hacker“ – das sind
IT-Sicherheitsexpert:innen, die legal und mit Erlaubnis in Systeme
oder Netzwerke eindringen, um Schwachstellen noch vor
Cyberkriminellen aufzudecken – mehrere tausend Events, die
realistische Angriffsmuster abbilden. Die vollständig automatisierte
Bereitstellung der IT-Infrastruktur ermöglichte reproduzierbare IDS-
Benchmarking-Experimente in realitätsnahen Umgebungen. Durch die
Veröffentlichung dieses konsistenten, strukturierten, realistisch
annotierten Datensatzes wird nun eine lange bestehende Lücke
geschlossen. Damit wird eine unabhängige Validierung solcher Systeme
ermöglicht.

Zwtl.: Beitrag zur technologischen Souveränität Europas

Das AIT hat dabei eine Führungsrolle inne: Der StealthCup bietet
eine europaweit einmalige Kombination aus vollständig
reproduzierbarer „Infrastructure as Code“ (IaC)-basierter
Testumgebung und realitätsnahen, durch menschliche Angreifer
erzeugten Angriffsmustern. Die Testumgebung wurde gemeinsam mit
Unternehmen aus dem Infrastrukturbereich entwickelt und validiert,
was ihre Relevanz und Praxistauglichkeit belegt.

Durch die Bereitstellung unabhängiger, wissenschaftlich
belastbarer Evaluierungs- und Testmöglichkeiten unterstützt das AIT
die europäische Fähigkeit, sicherheitskritische Technologien
transparent und evidenzbasiert zu bewerten. Dies trägt zur Sicherheit
und zur technologischen Souveränität Europas bei. Europäische
Behörden, Organisationen und Hersteller zeigen konkretes Interesse an
Kooperationen, insbesondere im Bereich Detection Engineering und der
Ausbildung von Fachpersonal.

Die StealthCup-Testumgebung wird kontinuierlich weiterentwickelt.
Die nächste Gelegenheit, die Umgebung unter realitätsnahen
Bedingungen zu testen, bietet sich Ethical Hackern am 31. Oktober
2026 im Rahmen des Hackfests im Québec City Convention Centre in
Kanada.

Zwtl.: Weiterentwicklung zur Abwehr neuer Bedrohungen

Der Bedarf an Evaluierungsmethoden für Sicherheitslösungen wird
in den kommenden Jahren weiter steigen – nicht zuletzt wegen der
immer strenger werdenden regulatorischen Vorgaben (NIS2, DORA, CRA)
und den von den Angreifern verwendeten KI-gestützten Techniken und
adaptiven Angriffsketten. Um diesen Anforderungen gerecht zu werden,
wird StealthCup gezielt erweitert, zum Beispiel durch die Einbindung
KI-gestützter Angriffs-Simulationen und sogenannter adversarialer
Machine-Learning-Modelle, durch die Erweiterung der Szenarien und der
industriellen Protokolle sowie durch die Entwicklung wiederholbarer
Angreiferprofile für standardisierte, reproduzierbare Vergleichstests
über mehrere IDS-Lösungen hinweg.

Durch diese Weiterentwicklungen leistet das AIT einen
langfristigen Beitrag für die Sicherung von Daten-Infrastrukturen und
zum Aufbau von robusten Verteidigungsmechanismen in Europa.

Zwtl.: AIT: Forschung für die Infrastruktur von morgen

Mehr als 1.600 Mitarbeiter:innen arbeiten täglich am AIT Austrian
Institute of Technology an den zentralen Infrastrukturthemen der
Zukunft, insbesondere in den Bereichen Energie, Mobilität, Gesundheit
und Daten. Am AIT werden Infrastrukturen von morgen gedacht und
erforscht. Als Österreichs größte Forschungs- und
Technologieorganisation ist das AIT eine Brücke zwischen Wissenschaft
und Innovation und arbeitet entlang der gesamten Innovationskette –
von der Idee bis zur Umsetzung – mit der Industrie und öffentlichen
Einrichtungen zusammen. Zur Weiterentwicklung zukunftsfitter
Technologien betreibt das AIT die modernste Forschungs-Infrastruktur
Österreichs, mit spezialisierten Labors für Energie, Mobilität,
Stadtplanung, Digital Security, Ernährungssicherheit und vieles mehr.
Forschung des AIT wirkt und schafft Lösungen – für Unternehmen, die
Gesellschaft und letztlich für uns alle.

Stealth Cup

Über das AIT

Bild(er) zu dieser Aussendung finden Sie unter http://bild.ots.at