ACREDIA: Europas Energiewirtschaft vor neuer Wachstumsphase

Wien (OTS) – – KI wird zum Stromtreiber: Rechenzentren sorgen für
neue Nachfrage –
Österreich investiert mit AI Factory und KI-Supercomputer in die
digitale Zukunft.

– Erneuerbare stärken Österreich: Bereits rund 75 % der
Stromerzeugung kamen im 1. Halbjahr 2026 aus Wasser, Wind und
Photovoltaik.

– Netze und Speicher werden zum Nadelöhr: 378 Stunden mit negativen
Strompreisen 2025 zeigen den wachsenden Handlungsbedarf.

– Solar boomt – Abhängigkeit bleibt: Bis 2050 könnte Solarenergie 30
% des weltweiten Energieverbrauchs abdecken, während Europas
Abhängigkeit von chinesischer Technologie zum strategischen Risiko
wird.

Der steigende Energiebedarf künstlicher Intelligenz (KI) könnte
Europas Stromwirtschaft einen kräftigen Wachstumsschub bescheren. Vor
allem der Ausbau leistungsstarker KI-Rechenzentren sorgt für eine
neue, dauerhaft hohe Stromnachfrage und erhöht damit auch den Bedarf
an erneuerbaren Energien. Für die Energiebranche entstehen neue
Geschäftsmöglichkeiten – gleichzeitig sind hohe Investitionen in
Netze, Speicher und digitale Infrastruktur notwendig. Das Umfeld
bleibt jedoch herausfordernd: Schwankende Strompreise und
geopolitische Konflikte sorgen weiterhin für Unsicherheit. Wind- und
Solarenergie reduzieren zwar Europas Abhängigkeit von fossilen
Energieimporten, bei zentralen Technologien der Energiewende bleibt
Europa jedoch stark von China abhängig. Das zeigt der aktuelle
Branchenreport „Energie & Solar“ von ACREDIA und Allianz Trade.

Zwtl.: Mehr erneuerbare Energie macht Europa krisenfester

Je größer der Anteil von Wind- und Solarstrom wird, desto
geringer wird Europas Abhängigkeit von importierten fossilen
Energieträgern und deren Preisschwankungen.

„Wind- und Solarenergie sind inzwischen auch eine Frage der
wirtschaftlichen Sicherheit Europas. Mehr heimische erneuerbare
Energie bedeutet weniger Abhängigkeit von internationalen Krisen und
den Preissprüngen bei fossilen Energieträgern“, so Michael Kolb,
Vorstand von ACREDIA. „Die jüngsten Entwicklungen im Nahen Osten
haben die Gaspreise wieder steigen lassen. Gleichzeitig waren die
Auswirkungen auf den europäischen Strommarkt wesentlich geringer als
während der Energiekrise 2022. Das zeigt, wie sehr der Ausbau der
Erneuerbaren Europas Widerstandsfähigkeit bereits verbessert.“

Auch in Österreich spielen erneuerbare Energien bereits eine
zentrale Rolle in der Stromversorgung. Im ersten Halbjahr 2026 kamen
rund 45 Prozent der Stromerzeugung aus Wasserkraft, 13 Prozent aus
Windkraft und geschätzte 17 Prozent aus Photovoltaik. Gleichzeitig
stieg der Stromverbrauch gegenüber dem ersten Halbjahr 2025 um 3,4
Prozent.

Zwtl.: KI wird zum neuen Großverbraucher

Zusätzlichen Schub bringt der Aufbau einer europäischen KI-
Infrastruktur. Rechenzentren für künstliche Intelligenz haben einen
enormen Energiebedarf und benötigen rund um die Uhr eine stabile
Stromversorgung. Für Energieversorger entstehen dadurch neue
industrielle Grundlasten sowie Chancen durch langfristige
Stromabnahmeverträge und zusätzliche Geschäfte rund um Netze und
Speicher.

„Der KI-Boom ist gleichzeitig ein Energieboom. Für Versorger
entsteht eine neue, langfristige Nachfrage mit erheblichen
Wachstumsmöglichkeiten“, sagt Kolb. Auch Österreich investiert
gezielt in seine KI-Infrastruktur. Mit der AI Factory Austria und dem
geplanten KI-optimierten Supercomputer in Wien werden dafür wichtige
Voraussetzungen geschaffen. Gleichzeitig zeigt die Bewerbung Wiens um
eine europäische AI-Gigafactory, welches wirtschaftliche Potenzial in
dieser Entwicklung steckt.

Zwtl.: Infrastruktur kann zum Bremsklotz werden

Bevor sich die zusätzliche Nachfrage in den Ergebnissen der
Energieunternehmen niederschlägt, sind erhebliche Investitionen
notwendig. Stromnetze, Speicherkapazitäten und digitale Infrastruktur
müssen mit dem steigenden Bedarf Schritt halten. Höhere
Finanzierungskosten erschweren diesen Ausbau zusätzlich.

Gleichzeitig zeigt sich eine Kehrseite des schnellen
Solarausbaus: An besonders sonnenreichen Tagen steht zeitweise mehr
Strom zur Verfügung, als verbraucht oder weitertransportiert werden
kann. Die Folge sind sehr niedrige oder sogar negative Strompreise.

Auch Österreich bekommt diese zunehmende Volatilität zu spüren:
2025 wurden hierzulande 378 Stunden mit negativen Strompreisen
registriert. Gleichzeitig gab es 233 Stunden mit Preisen von mehr als
150 Euro je Megawattstunde. Die starken Ausschläge verdeutlichen, wie
wichtig der Ausbau von Netzen und Speicherkapazitäten wird. „Europa
hat zunehmend nicht das Problem, zu wenig erneuerbaren Strom zu
erzeugen, sondern ihn zum richtigen Zeitpunkt an den richtigen Ort zu
bringen“, erläutert Kolb. „Solange Netze und Speicher nicht
ausreichend ausgebaut sind, kann ein Teil dieser Energie
wirtschaftlich nicht optimal genutzt werden. Damit geraten jene
Erträge unter Druck, die für weitere Investitionen in die
Energiewende notwendig wären.“

Zwtl.: Solarenergie bleibt auf Wachstumskurs

Trotz dieser Herausforderungen bleiben die langfristigen
Perspektiven für Solarenergie sehr positiv. Nach Einschätzung von
ACREDIA und Allianz Trade dürfte sich ihr Anteil am weltweiten
Energieverbrauch bis 2050 nahezu vervierfachen und rund 30 Prozent
erreichen. Neben der Energiewende treiben auch die zunehmende
Elektrifizierung und der wachsende Energiebedarf von KI-Anwendungen
die Nachfrage.

„Solarenergie wird in der weltweiten Energieversorgung deutlich
an Bedeutung gewinnen. Elektrifizierung und KI sorgen dafür, dass der
Strombedarf weiter wächst – und Solarenergie wird einen wesentlichen
Teil dieser zusätzlichen Nachfrage abdecken müssen“, sagt Kolb.

Zwtl.: Europas neue Abhängigkeit liegt in Asien

Während erneuerbare Energien Europas Abhängigkeit von fossilen
Energieimporten reduzieren, entsteht an anderer Stelle ein
strategisches Risiko. Solarmodule, Batterien, Energiespeicher und
zahlreiche wichtige Vorprodukte stammen weiterhin überwiegend aus
chinesischer Produktion. Angesichts zunehmenden Protektionismus und
geopolitischer Spannungen werden sichere und diversifizierte
Lieferketten daher immer wichtiger.

„Europa darf bei der Energiewende nicht eine Abhängigkeit durch
die nächste ersetzen“, meint Michael Kolb. „Der Ausbau erneuerbarer
Kapazitäten und die Absicherung der dafür notwendigen Lieferketten
gehören zusammen. Entscheidend wird sein, wie schnell Europa seine
technologische Abhängigkeit reduziert und Engpässe bei kritischen
Komponenten überwindet.“