Abwanderung hochqualifizierter Arbeitskräfte aus Österreich intelligent bekämpfen

Innsbruck (OTS) – Wie vor kurzem von der österreichischen
Industriellenvereinigung
aufgezeigt, sind zwischen 2011 und 2023 rund 1,4 (!) Millionen
Menschen – darunter 170.000 qualifizierte Fachkräfte – aus Österreich
abgewandert: https://www.iv.at/news/detail/oesterreich-mit-deutlicher
-abwanderung-qualifizierter-arbeitskraefte-konfrontiert/ .

IV-Präsident Georg Knill bringt es auf den Punkt: „Wir verlieren
genau jene Menschen, die wir am dringendsten brauchen: Hervorragend
qualifizierte Arbeitskräfte verlassen Österreich, weil sie andernorts
– insbesondere in leistungs- und wettbewerbsfähigen EU- und OECD-
Staaten – bessere Rahmenbedingungen für ihre berufliche und
persönliche Entwicklung vorfinden.“

Dabei hätte es die österreichische Bundesregierung mit einfachen
Maßnahmen in der Hand, dem „brain drain“ entgegen zu wirken und den
Wissenschafts-, Technologie- und Wirtschaftsstandort zu stärken.

„Mangels eines Promotionsrechts an Hochschulen für Angewandte
Wissenschaften verlieren wir ‚top talents‘ ins Ausland, in deren
Qualifizierung wir in Österreich zuvor enorm viel Geld, Energie und
Know-how gesteckt haben und deren Forschungsleistungen unsere
heimische Industrie und KMU dringend bräuchten“ , beklagt Dominik
Engel , Rektor der FH Salzburg , einen unnötigen gesetzlichen
Engpass. „Anstatt ihnen in Österreich dringend nachgefragte
Perspektiven zu bieten, vertreiben wir sie geradezu ins Ausland. Im
benachbarten Deutschland freut man sich über diese willkommene
Nachbarschaftshilfe, nicht ohne insgeheim den Kopf über die
betreffenden Rahmenbedingungen in Österreich zu schütteln.“

Hannes Raffaseder , CEO der FH St. Pölten , verweist auf eine
zusätzliche Problematik: „Eine Reihe österreichischer HAW, darunter
auch wir und das MCI, ist von der Europäischen Kommission mit dem
Aufbau ‚Europäischer Universitäten‘ betraut und international geadelt
worden. Wie sollen wir ohne Promotionsrecht im internationalen
Konzert erfolgreich mitwirken können und gemeinsam mit unseren
europäischen Partnern Leuchttürme für Forschung, Entwicklung, Studium
und Know-how-Transfer aufbauen? Unsere European University Partner
fragen laufend bei uns an, wann wir uns denn endlich mit einem
Promotionsrecht kraftvoll in eine gleichberechtigte Partnerschaft
einbringen können.“

Zudem kritisiert Stefan Fitz-Rankl , CEO der FH Vorarlberg , die
langjährige Hürde: „Während in Deutschland mittlerweile 12 von 16
Bundesländern ein Promotionsrecht für HAW gesetzlich verankert haben,
damit beste Erfahrungen machen und ihren Technologie-, Innovations-
und Wirtschaftsstandort stärken, bleibt unseren besten Köpfen in
Österreich diese Möglichkeit seit unserer Gründung vor 30 Jahren
verwehrt.“

„In Deutschland und anderen Industrieländern in der Welt hat man
verstanden, dass ein international wettbewerbsfähiger Wirtschafts-,
Technologie- und Innovationsstandort auf Dauer nicht allein mit der
Grundlagenforschung der Universitäten aufrecht gehalten werden kann,
deren Adressat primär die ‚Scientific Community‘ ist. Es braucht
jedoch das zweite Standbein einer anspruchsvollen Forschung, die zu
innovativen, konkret anwendbaren Erkenntnissen und Lösungen führt“,
unterstreicht Siegfried Spanz , CEO der FH Kärnten , die Bedeutung
der angewandten Forschung.

MCI Rektor Andreas Altmann schildert die Lage im Westen
Österreichs: „In Tirol und den westlichen Bundesländern sind wir vom
fehlenden Promotionsrecht besonders betroffen. München, Nürnberg,
Stuttgart und weitere Städte beheimaten zahlreiche Weltkonzerne und
liegen näher zu Innsbruck als Wien. In Deutschland lässt sich besser
verdienen, günstiger leben und überdies promovieren. Es ist höchste
Zeit, diese gesetzliche Ungleichheit zu beheben. Davon profitiert der
gesamte Wissenschafts-, Technologie- und Wirtschaftsstandort,
letztlich auch die heimischen Universitäten. Bereits vor mehreren
Jahren hat die österreichische Landeshauptleutekonferenz daher die
Bundesregierung einstimmig aufgefordert, forschungsstarken HAW ein
Promotionsrecht einzuräumen. Diesem Beschluss ist endlich
nachzukommen.“

Ulrike Prommer , Präsidentin der österreichischen Hochschulen für
Angewandte Wissenschaften , formuliert dies in einem gemeinsamen
Appell an die heimische Bundesregierung: „Die Vorschläge liegen auf
dem Tisch. Mit einer simplen Gesetzesnovelle kann forschungsstarken
österreichischen HAW die Möglichkeit eingeräumt werden,
Doktoratsstudiengänge zur Akkreditierung vorzulegen. Dort sind die
einschlägigen Nachweise einzureichen, so wie es auch in Deutschland
und anderen Ländern gehandhabt wird und dort problemlos funktioniert.
Lösen wir endlich die nicht mehr zeitgemäße gesetzliche Blockade,
schaffen wir Entwicklungsmöglichkeiten für ‚top talents‘ am
heimischen Standort und kehren wir den ‚brain drain‘ in einen ‚brain
gain‘ um.“

Die Presseaussendung der FHK mit ergänzenden Statements findet
sich hier .