Zwtl.: Förderungen an die Vereine oca: migrations,
minorities, arts
und „Hunger auf Kunst und Kultur“, Aktion für den freien Zugang zu
Kunst und kulturellen Aktivitäten für von Armut bedrohte Menschen für
das Jahr 2026
GRin Patricia Anderle (SPÖ), sagte, bei beiden Förderungen gehe es
neben Kultur auch um Zusammenhalt, Chancengleichheit, Teilhabe,
Kommunikation, Zugänglichkeit, Mehrsprachigkeit und um barrierearme
Orientierung, „damit Kultur weder bei der Sprache noch bei der
Geldbörse endet“. Inhaltlich gehe es um einen dauerhaft zugänglichen
Kunstraum mit hoher kuratorischer Qualität und dichtem Jahresprogramm
sowie einer offenen Bibliothek. Anderle zufolge arbeite „oca“ seit
Jahren auch mit „kültüř gemma!“ zusammen – hier würden Künstler*innen
unterstützt. Die beiden Förderungen seien Anderle zufolge ein
gemeinsamer Satz. Kunst brauche Räume und Menschen bräuchten Zugänge,
meinte Anderle. Beides zu sichern, sei nicht Luxus, sondern der
demokratische Kern einer Kulturhauptstadt, sagte Anderle.
Abstimmung: Die Förderungen an „oca“ sowie „Hunger auf Kunst und
Kultur“ wurden mehrstimmig beschlossen.
Zwtl.: Förderungen an die „Volkstheater“ Gesellschaft m.b.H. sowie an
die Vereinigte Bühnen Wien GmbH für das Jahr 2026
GRin Ing. Judith Edelmann (ÖVP) thematisierte in ihrer Rede die
Vereinigten Bühnen Wien (VBW): Die Fördermittel seien gekürzt worden,
was unter anderem zur Schließung der Kammeroper führe. Edelmann
verwies auf die Ticketpreiserhöhung und die Top-Auslastung bei den
VBW – trotzdem sei der Eigendeckungsgrad laut Edelmann hier nicht so
hoch wie bei vergleichbaren deutschsprachigen Bühnen. Sie forderte
hierbei mehr Transparenz. Ebenso sei es beim Volkstheater schwierig,
Zahlen ausfindig zu machen. Auch hier sinke der Eigendeckungsgrad
stetig – auch im Vergleich zu anderen Theatern in Wien sei dieser
niedrig, sagte Edelmann. Zudem sei die Auslastung im Volkstheater
verbesserungswürdig. Edelmann kündigte die Zustimmung der ÖVP Wien
zum Antrag der Wiener Grünen zur Erhaltung der Kammeroper an.
GRin Mag. Ursula Berner, MA (GRÜNE) ortete fehlende
Planungssicherheit beim Volkstheater aufgrund der zeitlich
voneinander getrennten beschlossenen Förderungen im Wiener
Gemeinderat. Berner ging auf die geplante Schließung der Kammeroper
ein: „Es fehlen Informationen“, kritisierte sie. Man wisse etwa
nicht, ob saniert werde und was mit den geplanten Produktionen oder
mit dem Team passiere. Es brauche eine gemeinsame Lösung, meinte
Berner und brachte einen Antrag betreffend Erhaltung der Kammeroper
ein. Darin forderte sie von der Stadtregierung, Gespräche mit den VBW
aufzunehmen und sich dafür einzusetzen, dass die Nachwuchsförderung
im Musiktheaterbereich weiterhin sichergestellt und den Absolvent*
innen der Hochschul-Gesangsklassen auch zukünftig die Möglichkeit
geboten wird, ihr Können ausgewählten Casting- und Operndirektor*
innen internationaler Opernhäuser und Agenturen in zeitgenössischen
Stücken und Konzepten präsentieren zu können.
StR Stefan Berger (FPÖ) kritisierte, dass die zuständige
Stadträtin der aktuellen Debatte nicht beiwohne. Auch Berger kündigte
die Zustimmung der FPÖ Wien zum Antrag der Wiener Grünen an. Die VBW
hätten in der Vergangenheit von hohen Fördersummen profitiert. Berger
lobte, dass in den letzten Jahren etwa in Bezug auf Renovierung bei
den VBW viel bewegt worden sei. „Jeder siebte Euro aus dem
Kulturbudget wird in diesen Fördernehmer investiert“, betonte Berger
mehrmals. Managementqualitäten seitens der VBW sowie laufende Updates
und Informationen an die Stadt müssten daher eine
Selbstverständlichkeit sein. Doch bei den Erklärungen zu den
geplanten Sparmaßnahmen sei die Schließung der Kammeroper nicht
erwähnt worden, kritisierte Berger. Er appellierte an die Management-
und Führungsqualitäten der zuständigen Kulturstadträtin Kaup-Hasler:
Sie müsse die Erhaltung der Kammeroper einfordern.
Jahrelang habe die Opposition die hohen Subventionen an die VBW
kritisiert, sagte GR Mag. Thomas Reindl (SPÖ). Heuer werde diese um
einen erheblichen Betrag gekürzt. Der aktuelle Vorwurf der
Sparsamkeit durch die Opposition sei demnach widersprüchlich und
nicht nachvollziehbar. Die Kürzung mache laut Reindl niemandem Spaß,
sei aber eine finanztechnische Notwendigkeit. Er lobte die
Kammeroper; gleichzeitig meinte Reindl aber, dass sie „technisch
etwas in die Jahre gekommen ist“. Zudem gehöre das Haus nicht der
Stadt Wien: „Man ist dort Mieter“, so Reindl. Die VBW hätten
gemeinsam mit dem Kammeroper-Intendanten Stefan Herheim beschlossen,
die Kammeroper zu pausieren. Die Beschäftigten dort würden die Chance
bekommen, im Theater an der Wien aufzutreten. Reindl ging zudem auf
den von Vorrednerin Edelmann (ÖVP) angesprochenen Eigendeckungsgrad
ein: Es sei pietätlos, ein Blockbuster-Musical mit den VBW zu
vergleichen. „Es macht einen Unterschied, ob ich ein Live-Orchester
habe oder die Musik aus den Boxen kommt.“ In Wien würden somit
Arbeitsplätze geschaffen und das koste natürlich Geld, so Reindl. Das
Volkstheater habe etwa durch die Sanierung und die lange Schließzeit
einen „schweren Wellengang“ hinter sich, meinte Reindl. Das
Volkstheater würde jedoch nicht nur von der Stadt finanziert,
erinnerte Reindl. Hier müssten weiterhin neue Publikumsschichten
erschlossen werden – dahingehend werde bereits Aufbauarbeit
geleistet.
GR Johann Arsenovic (GRÜNE) zufolge seien die Vereinigte Bühnen
Wien ein Erfolgsmodell. Vor allem die Musical-Sparte sei ein
Tourismusmagnet und auch wichtig für die Wirtschaft. Zudem lobte er
die Qualität der Wiener Musicals. Arsenovic kündigte an, dass die
geplante Musical-Bühne in der Leopoldstadt künftig mit jener in
Hamburg vergleichbar sein werde. Er pflichtete seiner Vorrednerin
Berner (GRÜNE) bei: „Weniger Kosten, mehr Einnahmen, höhere Preise –
und trotzdem sinkt der Eigendeckungsgrad – das muss man sich
anschauen.“ Es gebe außerdem zusätzliche Einnahmen, wenn ein Musical
wie „Elisabeth“ im Ausland oder in Schönbrunn aufgeführt wird. Zudem
bemängelte auch Arsenovic die unzureichende Kommunikation zu den
Sparmaßnahmen der VBW in Bezug auf die geplante Schließung der
Kammeroper.
StR Stefan Berger (FPÖ) meldete sich erneut zu Wort und
entgegnete seinem Vorredner Reindl (SPÖ), dass die FPÖ Wien in den
vergangenen Jahren mittels Anträge mehrmals Investitions- und
Sanierungspläne eingefordert habe. Die Stadtregierung müsse daher
ihren Umgang mit Anträgen der Opposition reflektieren, damit eine
Bühnen-Schließung aufgrund einer erstmaligen Einsparung künftig nicht
mehr notwendig ist.
Abstimmung: Die Förderungen an das Volkstheater und an die
Vereinigte Bühnen Wien wurden beschlossen. Der Antrag der Grünen
betreffend Erhalt der Kammeroper fand nicht die notwendige Mehrheit.
(Forts.) exm