Wien (PK) – Bis heute gilt das vor 40 Jahren beschlossene Weingesetz
als
Meilenstein für Qualität, Transparenz und Glaubwürdigkeit des
österreichischen Weinbaus. Dank klarer Herkunftsregelungen, strenger
Qualitätskontrollen und konsequenter Weiterentwicklung der Standards
konnte das Vertrauen der Konsumentinnen und Konsumenten gestärkt und
die Reputation der österreichischen Weine weltweit gefestigt werden.
Begonnen als notwendige Reform nach dem Weinskandal 1985, gab es den
Anstoß für eine Erfolgsgeschichte, die österreichischen Wein als
Kulturgut und bedeutenden Wirtschaftsfaktor auch international zu
einem Botschafter unseres Landes gemacht hat.
Das Parlament und der Österreichische Weinbauverband nahmen
dieses Jubiläum zum Anlass, um auf vier Jahrzehnte einer
beispielhaften Partnerschaft zwischen Gesetzgebung, Produzentinnen
und Produzenten sowie Konsumentinnen und Konsumenten zurückzublicken.
Nach Eröffnungsworten von Nationalratspräsident Walter Rosenkranz und
Nationalratsabgeordneten Johannes Schmuckenschlager, Präsident des
Österreichischen Weinbauverbands, skizzierte der Weinexperte und
ehemalige Geschäftsführer der Österreich Wein Marketing GmbH, Wilhelm
Klinger, wie sich das Image des österreichischen Weines durch den
Weinskandal und das daraufhin beschlossene Weingesetz entwickelt hat.
Rosenkranz rekapituliert Niedergang und Neubeginn der heimischen
Weinwirtschaft
Nationalratspräsident Walter Rosenkranz brach in seinen
Eröffnungsworten mit dem republikanischen Protokoll und begrüßte –
noch vor den politischen Funktionär:innen und Vertreter:innen der
Weinwirtschaft – Weinköniginnen aus dem ganzen Bundesgebiet.
Daraufhin rekapitulierte er die Ereignisse im Jahr 1984, als ein bis
heute Unbekannter die Probe einer transparenten Flüssigkeit zur
Landwirtschaftlich-chemischen Bundesversuchsanstalt brachte und auf
verdächtige Vorgänge in Weinkellereien verwies. Zusätzliche
Verdachtsmomente ergaben sich, als ein Winzer übermäßig große Mengen
an Scheibenwaschmittel steuerlich geltend machen wollte. Als
schließlich Kellerei-Inspektor:innen diesen Hinweisen nachgingen,
nahm der Weinskandal, der es sogar auf die Titelseite der New York
Times geschafft habe, seinen Lauf. Der internationale
Lebensmittelhandel belegte österreichische Weine „mit einem
Bannstrahl“ und die Weinwirtschaft sei „in Trümmern gelegen“,
erinnerte Rosenkranz.
Die Bundesregierung habe rasches Handeln versprochen und am 24.
Oktober 1985 sei das „wild umstrittene“ Weingesetz beschlossen worden
– nicht ganz ohne Widerstand von Teilen der Weinwirtschaft, die etwa
mit Traktordemonstrationen reagiert hätten. Schließlich sei der
„Aufschwung“ des österreichischen Weines jedoch gelungen, was vor
allem den Winzerinnen und Winzern zu verdanken sei, so Rosenkranz.
Schmuckenschlager über die kulturelle Bedeutung des Weines
Der „gesellschaftspolitische Stellenwert“ des Weines zeige sich
auch darin, dass in Österreich alle Parteien für die heimische
Weinwirtschaft einstünden, erklärte Johannes Schmuckenschlager und
ging ebenfalls auf die Genese des Weingesetzes ein. Vieles daran sei
zunächst in der Praxis nicht umsetzbar gewesen, doch über die Jahre
und durch die Weiterentwicklung der Rechtsmaterie habe sich ein
„guter Modus“ der Regelung und Umsetzung gefunden. Schmuckenschlager
betonte zudem die kulturelle Bedeutung des Weines, der nicht nur ein
Konsumgut darstelle, sondern „Herz und Seele einer Nation“ . In
Österreich gelte dies besonders, verwies er auf historische Anekdoten
über das Zustandekommen des Staatsvertrags. Insofern sei der
Weingenuss hierzulande als „staatsbürgerliche Pflicht“ zu betrachten,
appellierte Schmuckenschlager mit einem Augenzwinkern.
Klinger plädiert für Erhalt des „Dionysischen“
„Hart durchgreifen, kontrollieren, Werben“ seien die Leitlinien
gewesen, um Österreichs Wein auch am Weltmarkt „wie Phönix aus der
Asche“ wiederauferstehen zu lassen, berichtete Wilhelm Klinger. Mit
dem „strengsten Weingesetz der Welt“ sei es gelungen, das Vertrauen
in die heimischen Winzer und Winzerinnen wiederherzustellen. Auch
wenn dieses an so manchen „Kinderkrankheiten“ litt, habe es sich im
Vergleich etwa zum deutschen Weingesetz, das zu einigen Verwerfungen
in der dortigen Weinwirtschaft führte, „gut gehalten“, urteilte
Klinger. Der „Mythos des Neuanfangs“ habe schließlich zusammen mit
einigen Weiterentwicklungen etwa hinsichtlich der Ökologisierung des
Weinbaus und einem geschickten Herkunftsmarketing dazu geführt, dass
österreichischer Wein heute international höchstes Ansehen genieße.
Gegenwärtig gelte es, den Weingenuss generell vor
„Gesundheitsaposteln“ zu schützen, die das „dionysische“ Element der
Kultur bekämpfen wollten, erklärte Klinger und plädierte, sich „für
die Freiheit“ einzusetzen. (Schluss) wit
HINWEIS: Fotos von dieser Veranstaltung sowie eine Nachschau auf
vergangene Veranstaltungen finden Sie im Webportal des Parlaments .