Matrei in Osttirol; Mittersill; Großkirchheim (OTS) – „Die Rückkehr
des Bartgeiers in die Alpen ist eine echte
Erfolgsgeschichte des Naturschutzes. Was vor 40 Jahren im
Nationalpark Hohe Tauern begann, zeigt eindrucksvoll, dass wir
nachhaltig Lebensräume und selten gewordene Arten schützen“, betont
Bundesminister Norbert Totschnig.
Am 25. Mai 1986 wurde im Nationalpark Hohe Tauern ein Meilenstein
gesetzt: Erstmals wurden wieder Bartgeier in die Freiheit entlassen –
genau dort, wo heute das Herzstück der Wiederansiedlung im Alpenraum
liegt. Der Nationalpark Hohe Tauern ist damit nicht nur
Ausgangspunkt, sondern bis heute zentrales Rückgrat dieses
international beachteten Artenschutzprojekts.
Nachdem der Bartgeier zu Beginn des 20. Jahrhunderts aufgrund
falscher Annahmen durch Verfolgung in den Alpen ausgerottet wurde,
wurde in den 1970er-Jahren gemeinsam mit internationalen Partnern die
Grundlage für seine Rückkehr geschaffen. Mit dem Aufbau eines
europaweiten Zuchtnetzwerks gelang schließlich 1986 die erste
Auswilderung – im Nationalpark Hohe Tauern.
Seither wurden über 260 junge Bartgeier im Alpenraum
freigelassen, davon 63 in Österreich – sämtliche Auswilderungen
erfolgten im Nationalpark Hohe Tauern. Heute leben wieder rund 450
bis 500 Bartgeier in den Alpen. Der Nationalpark ist dabei nicht nur
Auswilderungsgebiet, sondern auch ein zentrales Monitoring- und
Forschungsgebiet.
Zwtl.: Schlüsselrolle im Ökosystem: „Gesundheitspolizei“ der Alpen
Der Bartgeier erfüllt eine einzigartige ökologische Funktion: Als
spezialisierter Aasfresser ernährt er sich überwiegend von Knochen.
Damit übernimmt er eine wichtige Rolle als „Gesundheitspolizei“ im
Hochgebirge, indem er organische Überreste beseitigt und so zur
natürlichen Hygiene im Ökosystem beiträgt. Seine Rückkehr ist daher
nicht nur ein Symbol für erfolgreichen Artenschutz, sondern auch ein
Gewinn für das ökologische Gleichgewicht im Nationalpark Hohe Tauern.
Zwtl.: Aktuelle Situation 2026 im Nationalpark Hohe Tauern
Die Entwicklung im Nationalpark Hohe Tauern ist weiterhin äußerst
positiv: Sechs Brutpaare sind aktuell im Gebiet aktiv. Davon haben
fünf Paare gebrütet. Vier Bruten verliefen erfolgreich, ein
Brutversuch wurde abgebrochen. Derzeit werden vier Jungvögel von
ihren Elterntieren bestens betreut. Die ersten Flugversuche der
Junggeier werden Anfang Juli erwartet.
Die Rückkehr zahlreicher Jungvögel in die Ostalpen und die
Etablierung neuer Reviere unterstreichen die nachhaltige
Stabilisierung der Population – mit dem Nationalpark Hohe Tauern als
zentralem Ausgangs- und Entwicklungsraum.
Zwtl.: Langfristiger Schutz bleibt entscheidend
Trotz dieser Erfolgsgeschichte bleibt der Schutz des Bartgeiers
eine dauerhafte Aufgabe. Gefahren wie Bleivergiftungen durch Munition
oder Kollisionen mit technischer Infrastruktur bestehen weiterhin.
Der langfristige Erfolg hängt daher wesentlich von konsequenten
Schutzmaßnahmen, intensiver Forschung und internationaler
Zusammenarbeit ab.
Zwtl.: Internationale Kooperation – mitgetragen vom Nationalpark Hohe
Tauern
Das Wiederansiedlungsprojekt ist eines der erfolgreichsten
Artenschutzprogramme Europas und basiert auf einer breiten
internationalen Partnerschaft. Der Nationalpark Hohe Tauern übernahm
seit Beginn eine zentrale Rolle – von der Auswilderung über das
Monitoring bis hin zur wissenschaftlichen Begleitung.
Ein bedeutender Meilenstein war die erste erfolgreiche
Freilandbrut 1997 in Frankreich. In Österreich wurde 2010 erstmals
ein Jungvogel in freier Wildbahn flügge: „Kruml“, geschlüpft im
Rauriser Krumltal – jenem Tal, in dem die Wiederansiedlung ihren
Ausgang nahm.
Vier Jahrzehnte nach der ersten Freilassung ist der Bartgeier in
den Alpen – und insbesondere im Nationalpark Hohe Tauern – wieder
fest verankert. Die Entwicklung zeigt eindrucksvoll, dass
langfristiger Naturschutz wirkt. Der Nationalpark Hohe Tauern steht
dabei exemplarisch für den erfolgreichen Schutz und die Wiederkehr
einer einst verlorenen Art – und für ein funktionierendes Ökosystem
im Herzen der Alpen.