110. Geburtstag von Emil Spannocchi: Raumverteidigung als strategisches Vermächtnis

Wien (OTS) – Am 1. September jährt sich der Geburtstag von General
Emil Spannocchi
zum 110. Mal. Anlässlich dieses Tages erinnert das Österreichische
Bundesheer an seine prägende Rolle für die Landesverteidigung. Mit
dem Konzept der Raumverteidigung entwickelte Spannocchi eine an
Österreichs geografische und sicherheitspolitische Bedingungen
angepasste Form der Verteidigung.

Spannocchis zentrale Überlegung war klar: Österreich sollte im
Fall eines Angriffs nicht versuchen, einem militärisch überlegenen
Gegner in einer einzigen Entscheidungsschlacht gegenüberzutreten.
Stattdessen sollte das gesamte Staatsgebiet in die Verteidigung
einbezogen werden. Ein Angreifer sollte durch bewegliche Kräfte,
vorbereitete Verteidigungsräume, die Nutzung des Geländes und den
Einsatz möglichst vieler verfügbarer Kräfte möglichst lange gebunden
werden. Dadurch sollte seine Handlungsfreiheit eingeschränkt werden.
Bis heute ist diese Strategie als „Spannocchi-Doktrin“ bekannt.

Die sicherheitspolitische Lage hat sich seit der Zeit der
Raumverteidigung grundlegend verändert. Auch die Bedrohungen sind
heute vielfältiger. Österreich muss nicht nur auf einen
konventionellen militärischen Angriff vorbereitet sein, sondern auch
hybride Bedrohungen, die verschiedene Mittel miteinander verbinden:
Cyberangriffe, Drohnen, Sabotage und Angriffe auf kritische
Infrastruktur.

Das Österreichische Bundesheer würde das Land heute im Rahmen der
umfassenden Landesverteidigung gemeinsam mit anderen staatlichen und
zivilen Kräften schützen. Dabei wirken Kräfte am Boden, in der Luft
und im Cyberraum zusammen. Aufklärung, moderne Technologie und eine
einsatzbereite Miliz ergänzen diese Fähigkeiten. Ziel ist es,
Bedrohungen frühzeitig zu erkennen, die Souveränität Österreichs zu
schützen und einem Angreifer im gesamten Bundesgebiet möglichst wenig
Handlungsspielraum zu lassen.

Die Grundidee Emil Spannocchis bleibt auch heute von Bedeutung:
Die Verteidigung eines neutralen Landes erfordert den Willen und die
Fähigkeit, das eigene Staatsgebiet wirksam zu schützen. Auch wenn
sich Ausrüstung, Technologie und Bedrohungen verändert haben, bleibt
der Schutz Österreichs und seiner Bevölkerung ein wesentlicher
Auftrag des Bundesheeres.

„General Emil Spannocchi hat mit der Raumverteidigung eine
strategische Antwort auf die sicherheitspolitischen Herausforderungen
seiner Zeit entwickelt. Sein Grundgedanke, Österreich nicht
punktuell, sondern als Ganzes verteidigen zu können, prägt bis heute
das Verständnis einer umfassenden Landesverteidigung. Moderne
Technologien haben die Art der Kriegsführung verändert. Der Auftrag
des Bundesheeres ist jedoch derselbe geblieben: Österreich und seine
Bevölkerung zu schützen“, so Verteidigungsministerin Klaudia Tanner.

Emil Spannocchi steht damit auch 110 Jahre nach seiner Geburt für
einen zentralen Gedanken der österreichischen Sicherheitspolitik: Die
Landesverteidigung betrifft den gesamten Staat und braucht
Streitkräfte, die bereit, modern ausgerüstet und im gesamten
Bundesgebiet einsatzfähig sind.