Jerewan/Wien (OTS) – Die Weltnaturkonferenz COP17 ging heute nach
zähen Verhandlungen bis
in die frühen Morgenstunden zu Ende. Die Vertragsstaaten haben sich
auf einen gemeinsamen Weg geeinigt, wie die globalen
Biodiversitätsziele bis 2030 noch erreicht werden könnten. Die zwei
zentralen Knackpunkte der Verhandlungen waren die Ausgestaltung des
Artenschutzfonds “Cali Fund” sowie die Rechte indigener Völker. Ihre
Selbstbestimmung blieb im Abschlusstext unzureichend verankert, da
offene Fragen zu ihrer eigenständigen Repräsentanz im neuen Gremium
für indigene und lokale Bevölkerungen (SB8j) auf die nächste
Konferenz vertagt wurden. Die Umweltorganisation fordert von
Bundesminister Norbert Totschnig und der gesamten Bundesregierung
eine Naturschutzoffensive für Österreich. Sie muss den gesetzlichen
Pflichten ressortübergreifend konsequent nachkommen.
Ursula Bittner, Artenschutzexpertin bei Greenpeace in Österreich
„Die Beschlüsse der COP17 in Jerewan sind ein klarer Arbeitsauftrag:
Die Weltgemeinschaft will den Artenverlust bis 2030 stoppen, doch die
eigentliche Arbeit fängt damit jetzt erst an. Für Österreich bedeutet
das, dass die Bundesregierung umgehend eine Naturschutzoffensive
starten muss – und das ressortübergreifend. Das heißt unter anderem:
Schluss mit umweltschädlichen Subventionen, das Ende des
Zubetonierens und eine verlässliche Finanzierung durch ausreichend
Biodiversitätsmittel. Statt den Schutz unserer Natur durch
Deregulierung auszuhöhlen, muss Umweltminister Totschnig endlich
umsteuern. Dazu gehört auch die rasche Erhöhung der streng
geschützten Flächen auf mindestens zehn Prozent.“
Fehlendes Geld für globalen Artenschutz: EU setzt auf Scheinlösungen
Damit der vereinbarte Fahrplan für den Schutz der Artenvielfalt nicht
scheitert, braucht es ausreichend finanzielle Mittel. Der
Artenschutzfonds Cali-Fund stellte in Jerewan einen der
Hauptstreitpunkte dar. Er ist nach wie vor weitgehend leer, weil sich
Unternehmen ihrer Verantwortung entziehen. Statt den nötigen Druck
aufzubauen, treibt die Europäische Union private Finanzierungsmodelle
wie Biodiversitätszertifikate voran. Parallel fließen Milliarden-
Subventionen weiterhin in die Zerstörung der Natur. Die
Staatengemeinschaft hat sich selbst zum Ziel gesetzt, jährlich rund
500 Milliarden US-Dollar an naturschädlichen Subventionen abzubauen
und in den Schutz der Artenvielfalt umzulenken. Hier muss jetzt rasch
gehandelt werden.
Naturschutzoffensive für Österreich gefordert
Auch Österreich steht vor einer Mammutaufgabe beim Naturschutz. Laut
aktuellem Nationalbericht sind von 37 heimischen Naturschutzzielen 24
nicht auf Kurs und noch kein einziges erfüllt. Jeden Tag werden in
Österreich 6,5 Hektar wertvoller Boden versiegelt – das entspricht
der Fläche von mehr als neun Fußballfeldern. Dem strengen Schutz
unterstehen lediglich 2,9 Prozent des Landes. Österreich schüttet
außerdem noch immer 5,7 Milliarden Euro an umweltschädlichen
Subventionen aus, während dem Biodiversitätsfonds nur mehr 5
Millionen Euro zur Verfügung stehen.
Eine Analyse der österreichischen Naturschutzziele und Bildmaterial
finden Sie hier: act.gp/4sy0Hm5
Unter Verwendung der angegebenen Credits stehen die Fotos kostenfrei
zur redaktionellen Nutzung zur Verfügung.
Inhalte auf einen Blick
– Anlass: Abschluss der UN-Weltnaturkonferenz COP17 in Jerewan (
Armenien).
– Ergebnis : Konferenz endet mit unzureichenden Beschlüssen zu
Finanzmitteln, Rechte Indigener noch unklar, Österreich bei
Naturschutz weiter säumig.
– Hauptforderung : Naturschutzoffensive in Österreich, Stopp des
Bodenverbrauchs, Erhöhung streng geschützter Flächen auf 10 Prozent,
Ende naturschädlicher Subventionen, Ablehnung von EU vorgeschlagenen
Biodiversitätszertifikaten.
– Adressat:in: Bundesminister Norbert Totschnig / Österreichische
Bundesregierung
– Quelle / Material: Greenpeace Österreich / act.gp/4sy0Hm5