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Staatliche Auszeichnungen für langjährigen Einsatz für die Rechte gehörloser Menschen

Wien (OTS) – Bundespräsident Alexander Van der Bellen hat am 27.
Oktober in der
Wiener Hofburg Helene Jarmer, Präsidentin des Österreichischen
Gehörlosenbundes (ÖGLB), und Lukas Huber, Generalsekretär des ÖGLB,
mit staatlichen Auszeichnungen geehrt. Die Verleihung fand anlässlich
des österreichischen Nationalfeiertages statt und würdigt ihren
jahrzehntelangen Einsatz für die Rechte gehörloser Menschen, die
Österreichische Gebärdensprache (ÖGS) und eine gleichberechtigte
gesellschaftliche Teilhabe.

Zwtl.: Helene Jarmer: Einsatz für Sprachrechte, Bildung und
Barrierefreiheit

Mag.a Helene Jarmer erhielt das Goldene Ehrenzeichen für
Verdienste um die Republik Österreich. Seit 2001 ist sie Präsidentin
des ÖGLB und engagiert sich auf nationaler und internationaler Ebene
für die Rechte gehörloser Menschen.

2009 zog sie als erste gehörlose Abgeordnete in den
österreichischen Nationalrat ein, dem sie bis 2017 angehörte. Als
Pädagogin und langjährige Lehrbeauftragte an der Universität Wien und
weiteren Bildungseinrichtungen setzt sie sich besonders für
bilinguale Bildung in Österreichischer Gebärdensprache und Deutsch
ein.

Ein wichtiger Meilenstein ihres Engagements war die
verfassungsrechtliche Anerkennung der ÖGS im Jahr 2005. 2013 wurde
die Österreichische Gebärdensprache zudem in das nationale UNESCO
Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen.

2005 gründete Jarmer den gemeinnützigen Verein Service-Center
ÖGS.barrierefrei, den sie bis heute leitet. Daraus entstanden
zahlreiche Angebote für barrierefreie Kommunikation und Information,
darunter der Relay-Service für barrierefreies Telefonieren mit ÖGS-
Dolmetschung, die Online-Medienplattform Gebärdenwelt.tv, das
Bildungs- und Medienangebot GeKi für Kinder sowie professionelle
Übersetzungen schriftlicher Informationen in Österreichische
Gebärdensprache und barrierefreie Filmproduktionen.

2011 veröffentlichte Jarmer ihr autobiografisches Buch „Schreien
nützt nichts – Mittendrin statt still dabei“, in dem sie ihre
persönlichen Erfahrungen und ihren Einsatz für die Gleichberechtigung
gehörloser Menschen schildert.

Für Jarmer ist die Auszeichnung auch eine Anerkennung der
gemeinsamen Arbeit der gehörlosen Gemeinschaft:

„ Ich freue mich sehr über diese Auszeichnung und bedanke mich
herzlich dafür. Besonders wichtig ist mir, dass damit auch die
langjährige Arbeit unserer Gebärdensprach – Community und all jener
Menschen gewürdigt wird, die sich gemeinsam mit uns für unsere Rechte
einsetzen. Diese Anerkennung bedeutet uns viel und bestärkt uns
darin, unsere Arbeit für Gleichberechtigung, Sprachrechte und
gesellschaftliche Teilhabe fortzusetzen “, so Jarmer.

Zwtl.: Lukas Huber: Engagement für Interessenvertretung und
barrierefreie Medien

Ing. Lukas Huber wurde mit dem Goldenen Verdienstzeichen der
Republik Österreich ausgezeichnet. Seit 2001 ist er Generalsekretär
des ÖGLB und trägt wesentlich zur politischen Arbeit des Verbandes
bei. Darüber hinaus leitet er seit 2015 den Gehörlosenverband
Niederösterreich.

Ein wichtiger Schwerpunkt seines langjährigen Engagements ist der
barrierefreie Zugang zu Medien. Huber setzt sich insbesondere für den
Ausbau der Untertitelung im österreichischen Fernsehen ein, damit
gehörlose und schwerhörige Menschen gleichberechtigt Zugang zu
Nachrichten, Information und Unterhaltung erhalten.

Beim österreichischen Dokumentarfilm „gehörlos“ (2025) der
Regisseurin Anita Lackenberger wirkte er als inhaltlich-
wissenschaftlicher Berater mit. Der Film beleuchtet die Geschichte
gehörloser Menschen in Österreich, ihre Erfahrungen mit
Diskriminierung und ihren Einsatz für sprachliche Anerkennung und
Selbstbestimmung.

Auch im Bereich der Antidiskriminierung war Huber über viele
Jahre aktiv, unter anderem als Vorstandsmitglied des Klagsverbands
zur Durchsetzung der Rechte von Diskriminierungsopfern.

Huber schloss 2026 den Lehrgang zum Gebärdensprachdozenten bzw.
Gebärdensprachpädagogen am Kompetenzzentrum ÖGS (Soziale Initiative
Salzburg) ab. Er ist engagiert in community-basierten Deaf History-
Initiativen.

„ Ich nehme die Auszeichnung mit Rührung und Stolz entgegen und
bedanke mich ebenfalls herzlich dafür. Das ist eine Anerkennung für
die gesamte österreichische Gehörlosengemeinschaft und für den ÖGLB –
für jede gehörlose Person, die täglich dafür kämpft, ihre Rechte
einzufordern. Sie erkennt den Wert der ehrenamtlichen Arbeit der
Gehörlosengemeinschaft an. Sie gibt uns die Kraft und die
Legitimität, unsere Arbeit fortzusetzen “, so Huber.

Zwtl.: 25 Jahre gemeinsamer Einsatz für Gleichberechtigung

Seit 2001 arbeiten Jarmer und Huber in ihren Funktionen beim ÖGLB
eng zusammen und haben die Entwicklung der bundesweiten
Interessenvertretung maßgeblich mitgestaltet.

Trotz wichtiger Erfolge bestehen weiterhin erhebliche
Herausforderungen. Die verfassungsrechtliche Anerkennung der ÖGS war
ein historischer Schritt, doch in vielen Lebensbereichen fehlen noch
immer ausreichende gesetzliche Regelungen und barrierefreie Angebote.

Der ÖGLB setzt sich daher insbesondere für folgende Ziele ein:

– Sprachrechte im Alltag verwirklichen: Gehörlose Menschen müssen die
ÖGS in Bildung, Gesundheitswesen, Arbeitswelt, Behörden und im
gesellschaftlichen Leben selbstverständlich verwenden können. Dafür
braucht es verbindliche Regelungen und deren konsequente Umsetzung.

– Gebärdensprache ab Geburt: Frühzeitiger Zugang zur ÖGS für
gehörlose und schwerhörige Kinder sowie Sprachlernangebote für
Familien.

– Bilinguale Bildung: Umsetzung des ÖGS-Lehrplans in der Praxis,
Etablierung des neuen Berufsbildes ÖGS-Pädagog:innen und Stärkung der
bilingualen Bildung in ÖGS und Deutsch.

– Anerkennung als sprachliche und kulturelle Minderheit: Die
gehörlose Gemeinschaft soll nicht ausschließlich unter dem
medizinischen Aspekt der Behinderung betrachtet, sondern auch als
eigenständige Sprach- und Kulturgemeinschaft rechtlich anerkannt
werden. Damit sollen ihre Sprache und ihre kulturelle Identität
nachhaltig geschützt und gefördert und deren Weitergabe an kommende
Generationen sichergestellt werden.

– Barrierefreiheit und Selbstbestimmung: Der Zugang zu qualifizierten
ÖGS-Dolmetscher:innen, barrierefreien Medien, digitalen Angeboten und
gesellschaftlicher Mitbestimmung muss langfristig gesichert werden.

Zwtl.: Anerkennung und Auftrag für die Zukunft

Für den Österreichischen Gehörlosenbund sind die staatlichen
Auszeichnungen eine besondere Wertschätzung für das jahrzehntelange
ehrenamtliche Engagement beider Persönlichkeiten und zugleich für die
Arbeit der gesamten gehörlosen Gemeinschaft.

Die Vision des ÖGLB ist eine Gesellschaft, in der gehörlose
Menschen von Geburt an Zugang zu ihrer Sprache haben,
gleichberechtigt lernen und arbeiten, ihre sprachliche und kulturelle
Identität leben und selbstbestimmt am gesellschaftlichen und
politischen Leben teilnehmen können.

Die Auszeichnungen sind daher nicht nur eine Würdigung des bisher
Erreichten, sondern auch ein Ansporn, den gemeinsamen Einsatz für
sprachliche und kulturelle Rechte, Chancengleichheit und eine
barrierefreie Gesellschaft konsequent fortzusetzen.

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