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ÖHV und Fachgruppe Hotellerie: 10 gravierende Fehler in einer einzigen Aussendung der Stadt Wien

Wien (OTS) – Seit die Ortstaxe im Juli erhöht wurde, sinkt der Erlös
pro
verfügbarem Zimmer in Wien, Monat für Monat. In den übrigen
österreichischen Städten steigt er. Doch die Stadt Wien setzt sich
nicht mit Fakten auseinander, sondern würdigt die durch Zahlen, Daten
und Fakten (die teilweise von der Stadt Wien selbst stammen)
untermauerte sachliche Kritik als „Kammerjammer“ herab. ÖHV und
Fachgruppe fordern nichts anderes als sachliche Gespräche – und sei
es nur deswegen, weil sich die Einnahmensituation der Hotellerie
nachweislich ganz anders entwickelt, als das auch der Stadt recht
sein kann.

Dass der Input aus der Branche dringend notwendig ist, zeigt eine
Liste von insgesamt 10 Irrtümern, falschen Annahmen und Fehlern in
einer einzigen Aussendung der Stadt Wien im Namen des Vorsitzenden
des Gemeinderatsausschusses für Finanzen, Wirtschaft, Digitales und
Internationales, Christian Deutsch.

Die ÖHV und die Fachgruppe Hotellerie der Wirtschaftskammer Wien
stellen richtig:

1. „Der gebetsmühlenartige Kammerjammer der Hotellerie hilft
weder den Betrieben noch dem Tourismusstandort Wien.“

Der Erlös pro verfügbarem Zimmer (RevPAR) ist in Wien seit der
Erhöhung drei Monate hintereinander gesunken: -3,3 % im Juli, -2,8 %
im August und -2,7 % im September. WienTourismus beziffert im
aktuellen Branchen-Newsletter den Rückgang des Netto-
Nächtigungsumsatzes der Beherbergungsbetriebe im August mit 5% und
weist für den Zeitraum von Jänner bis August einen Anstieg von
lediglich 1% aus: deutlich unter der Inflationsrate, nachdem auch
schon im Juli ein Rückgang verzeichnet wurde und sich der
Negativtrend im September fortsetzte und verstärkte, wie aktuelle
Branchendaten zeigen. Das als „Kammerjammer“ hinzustellen ist nichts
anderes als eine gezielte Beleidigung für Wiener Unternehmer:innen
und lässt jedes Zeichen jener Verantwortung und Ernsthaftigkeit
vermissen, die man vom Vorsitzenden des Gemeinderatsausschusses für
Finanzen, Wirtschaft, Digitales und Internationales erwarten können
muss.

2. „Wer aus kleinen Schwankungen bei Zimmerpreisen oder
Nächtigungen voreilig die Ortstaxe verantwortlich machen will,
ignoriert die tatsächlichen Entwicklungen am internationalen
Tourismusmarkt.“

3. „Aus diesen Entwicklungen lässt sich aber nicht automatisch
ableiten, dass die Ortstaxe dafür verantwortlich ist. Wer einen
solchen Zusammenhang behauptet, muss ihn auch belegen.“

In allen österreichischen Städten zusammen ist der Umsatz je
verfügbarem Zimmer RevPAR gestiegen: +3,8 % im Juli, +3,9 % im August
und +4 % im September. Dabei sind die schwachen Wiener Werte schon
mitgerechnet. Wien liegt stabil bei rund 7 Prozentpunkten hinter
dieser Entwicklung. Würde der internationale Markt den Rückgang
erklären, müssten Salzburg, Graz oder Innsbruck genauso betroffen
sein. Sie sind es nicht. Wien hat die Ortstaxe erhöht und verliert
als einzige Stadt.

„Entscheidend ist, die wirtschaftliche Entwicklung sachlich zu
betrachten und gemeinsam an Lösungen zu arbeiten.“

Diese Aussage unterstreichen die ÖHV und die Fachgruppe
Hotellerie der Wirtschaftskammer Wien ausdrücklich: Sie fordern genau
das.

4. „Von Jänner bis September 2026 verzeichnete Wien rund 14,9
Millionen Nächtigungen und damit ein Plus von vier Prozent gegenüber
dem Vorjahr. Auch der gesamte Nächtigungsumsatz der
Beherbergungsbetriebe lag von Jänner bis August mit rund 867
Millionen Euro um ein Prozent über dem Vorjahreswert.“

Die von Deutsch angeführten Zahlen bestätigen exakt die
Argumentation der Branchenvertretung: Gemessen an der Inflation ist +
1% ein Minus. Die Inflation lag im September bei 3,6%, die OeNB
erwartet rund 3% fürs Gesamtjahr. Höhere Preise durchzusetzen wäre
wirtschaftlich also dringend notwendig, ist in Wien aber derzeit
nicht möglich – sonst geschähe es. Österreichweit stiegen die
Beherbergungspreise um 3,7%. In Wien sind sie gesunken.

5. „Natürlich nehmen wir rückläufige Zimmererlöse und den
wirtschaftlichen Druck auf einzelne Betriebe ernst.“

Das Gegenteil ist wahr und wird von Deutsch auch bewusst
kommuniziert mit dem herabwürdigenden Ausdruck „Kammerjammer“ als
Reaktion auf die faktische, mit Zahlen der Stadt Wien und aktuellen
Branchenbenchmarks untermauerte Argumentation der Branchenvertretung.
Unterstrichen wird das durch die Formulierung „wirtschaftlichen Druck
auf einzelne Betriebe“, die einen falschen Eindruck erzeugen soll:
Die von Deutsch angeführten Zahlen der Zimmerpreisentwicklung unter
der Inflationsrate – der sich aus den gesamten Einnahmen aller Wiener
Beherbergungsbetriebe ergibt – zeigen, dass es sich weder um
„Kammerjammer“ handelt noch um „einzelne Betriebe“.

6. „Deutsch erinnert daran, dass die schrittweise Anpassung der
Ortstaxe das Ergebnis eines intensiven sozialpartnerschaftlichen
Prozesses war. … Die zweistufige Anpassung mit 5 Prozent seit Juli
2026 und 8 Prozent ab Juli 2027 wurde gemeinsam erarbeitet.“

Die Stadt Wien ist kein Sozialpartner und die schrittweise
Anpassung der Ortstaxe war nur insofern Ergebnis eines intensiven
Prozesses, als die Branchenvertretung aus den Medien von einer
geplanten Erhöhung der Ortstaxe von 2,8% (3,2% minus 11% der
Berechnungsgrundlage) auf 8,5% binnen weniger Wochen erfahren hat und
erst Wochen später zu Gesprächen eingeladen wurde. Das Angebot der
Stadt – 8,5% jetzt oder 8% in 1 ½ Jahren mit 5% als Zwischenschritt –
ließ der Branchenvertretung keine andere Wahl, als dem geringeren
Übel zuzustimmen. Ein gemeinsam ausgearbeitetes Konzept, in dem die
Argumente der Branchenvertretung ernst genommen worden wären, hätte
anders ausgesehen.

7. „Der Finanzausschussvorsitzende weist zudem darauf hin, dass
die Ortstaxe von den Gästen bezahlt wird.“

Das stimmt formal. Können die Zimmerpreise, wie die Zahlen von
WienTourismus bestätigen, allerdings nicht so stark erhöht werden,
wie die Ortstaxe steigt (aktuell 1% ggü. 5%), weil der Gast den
Gesamtpreis inkl. Ortstaxe zahlen muss, bleibt den Hotels nur die
Möglichkeit, niedrigere Preise zu verlangen. So verlagert sich die
Belastung von den Gästen auf die Gastgeber und die Einnahmen der
Hotels sinken – auch wenn es im Gesetz anders steht.

8. „Bereits 2024 betrugen die Einnahmen 41,1 Millionen Euro, ab
2027 werden knapp 94 Millionen Euro jährlich erwartet.“

Genau das zeigt die unverhältnismäßige Belastung der Wiener
Hotellerie: eine Zunahme der Ortstaxeneinnahmen um 128,7% binnen drei
Jahren, obwohl die Erhöhung der Ortstaxe auf 8% erst im zweiten
Halbjahr 2027 in Kraft treten soll. Keine andere Gruppe wird derart
belastet.

9. „Auch im internationalen Vergleich sind Tourismusabgaben
keineswegs ungewöhnlich. Amsterdam erhebt eine Abgabe von 12,5
Prozent des Nächtigungspreises ohne Umsatzsteuer, Berlin eine
Übernachtungssteuer von 7,5 Prozent des Nettoentgelts.“

Die Aussage soll von der Ernsthaftigkeit der Angelegenheit
ablenken: Niemand bestreitet, dass Tourismusabgaben üblich sind. Die
Branchenvertretung wehrt sich nicht gegen die Ortstaxe per se,
sondern gegen eine überschießende Erhöhung, die sich – wie alle
verfügbaren wirtschaftlichen Zahlen, selbst die der Stadt Wien,
beweisen – nicht durchsetzen lässt. Dass selbst die Stadt Wien nur
eine einzige Stadt in Europa mit einem höheren Ortstaxensatz findet –
ausgerechnet Amsterdam, das die Zahl der Nächtigungen senken will –
unterstreicht die Problematik und bestätigt die Sicht der
Branchenvertretung.

10. „Die langfristige Nachfrage nach Wien als Städtedestination
bleibt ungebrochen.“

Ein Wunsch, den die Branchenvertretung unterschreibt, der aber
durch die massive Erhöhung der Ortstaxe und damit der Zimmerpreise
auf ein Niveau, das sich auf dem Markt nicht durchsetzen lässt,
unwahrscheinlicher wird: Weil sie damit zur Belastung für die
Hotellerie wird, und zwar für deren Investitionsfähigkeit. Dass
dieser Wunsch in Erfüllung geht, ist der Grund, warum die
Branchenvertretungen alles daran setzen, dass die Unterbrechung der
laut Deutsch „ungebrochen hohen Nachfrage“ (den Einbruch bestätigt
der reale Einnahmenrückgang im Juli, August und September) nur
kurzfristig ist und durch eine gemeinsame, mit der Praxis abgestimmte
Ortstaxenstrategie überwunden werden kann.

Um das gemeinsame Ziel, den Wiener Tourismus als wichtigen
Wirtschaftsfaktor abzusichern, damit die Stadt Wien von einer
ausbalancierten Offensiv-Strategie und einer Ortstaxe in angemessener
Höhe von steigenden Nächtigungsumsätzen weiter profitiert, setzen die
ÖHV und die Fachgruppe Hotellerie der Wirtschaftskammer Wien auf
konstruktive Gespräche.