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RSV-Infektionen in Österreich immer noch unterschätzt

Wien (OTS) – Internationale Studien zeigen, dass das Respiratorische
Synzytial-
Virus (RSV) zu ähnlich vielen und schweren Verläufen und
Krankenhausaufenthalten führt wie Influenza. In Österreich gibt es
zwar Daten dazu, diese dürften jedoch das wahre Ausmaß unterschätzen,
vermuten Expert:innen. Um den schweren Verläufen insbesondere bei
älteren Personen entgegenzuwirken, kann bereits seit zwei Jahren
gegen RSV geimpft werden. Im österreichischen Impfplan wird die
Immunisierung Personen ab 60 Jahren sowie Risikopersonen ab 18 Jahren
empfohlen. Impfangebote sind zwar vorhanden, werden aber noch nicht
ausreichend angenommen. Expert:innen zufolge fehlt es sowohl an der
nötigen Information als auch am niederschwelligen Zugang. Außerdem
sind die Kosten für die Impfung aktuell selbst zu tragen. Das gilt
ebenso für die Impfung von Schwangeren, mit der das Neugeborene in
den ersten sechs Lebensmonaten geschützt werden kann.

Wie die echte Grippe sorgt RSV* Jahr für Jahr für eine
Erkrankungswelle. In Europa beginnt die RSV-Saison normalerweise im
November oder Dezember, erreicht ihren Höhepunkt im Jänner und
Februar und dauert bis März oder April. Ein Verlauf, den heimische
Expert:innen auch für Österreich sehen. 1

Zwtl.: Keine harmlose Erkrankung

Lange wurde angenommen, dass RSV nur für Säuglinge und kleine
Kinder gefährlich sei. Dass das ein Irrtum ist, zeigt unter anderem
eine Studie aus Großbritannien zur Wintersaison 2023/24. Ihr zufolge
waren RSV-assoziierte akute Atemwegsinfektionen bei Erwachsenen über
65 Jahren eine häufige Ursache für Hospitalisierungen. Symptome und
Auswirkungen inklusive Sterblichkeit waren ähnlich wie bei Influenza.
2 „ Die Zahl der stationären RSV-Fälle erreichte bei uns jene der
COVID-19-Fälle und damit hat RSV auch im Spital eine große Bedeutung
“, berichtet Univ. Prof. Dr. Robert Krause, DTMP, FECMM von der
Klinischen Abteilung für Infektiologie an der MedUni Graz.

Zwtl.: Ungenaue Daten

Trotzdem dürften die österreichischen Zahlen insgesamt noch zu
niedrig angesetzt sein. Fehlende PCR-Testungen und Einmeldungen ins
SARI-Dashboard, dem Online-Informationssystem zu den Spitalsaufnahmen
aufgrund schwerer Atemwegsinfektionen, erschweren die
epidemiologische Bewertung der Krankheitslast sowie entsprechende
gesundheitsökonomische Analysen. Dazu kommt, dass den Symptomen im
Spital nicht immer der richtige standardisierte Code (ICD) zugeordnet
wird. 1

Außerdem endet nicht jede RSV-Erkrankung im Spital. Ein Großteil
der Infektionen bei älteren Menschen wird ambulant betreut. In den
Ordinationen ist RSV nicht immer leicht zu erkennen, da es seltener
Fieber, Muskelschmerzen und Erschöpfung auslöst als die Influenza.
Die Belastung ist dennoch mit jener durch Influenza vergleichbar,
etwa durch wiederholte Arztbesuche, Medikamentenbedarf und
Krankenstände. 3 Wie viele Fälle und welche Kosten dadurch entstehen,
bleibt bisher weitgehend unklar. Es ist daher von einer hohen
Dunkelziffer auszugehen.

Zwtl.: Enkel stecken Großeltern an

Was man hingegen sehr gut weiß, ist, dass hospitalisierte
Patient:innen ein Durchschnittsalter von etwa 67 Jahren aufweisen und
damit eigentlich als „fitte Erwachsene“ gelten. „ Viele Menschen in
diesem Alter betreuen jedoch ihre Enkelkinder und stecken sich
offenbar auch bei diesen an “, so Krause. Eben jene Enkelkinder
können ebenfalls einen schweren Verlauf erleben, insbesondere, wenn
sie noch im Säuglingsalter sind. Gemäß US-amerikanischen Daten gehen
im Winter bis zu 25 % aller Krankenhauseinweisungen von Säuglingen
unter einem Jahr auf eine RSV-Infektion zurück. 4

Zwtl.: Impfung empfohlen

Im österreichischen Impfplan ist eine RSV-Impfung für alle
Personen ab 60 Jahren empfohlen, besonders für Personengruppen mit
erhöhtem Risiko, darunter Personen über 75 Jahre und Menschen, die in
Alten- und Pflegeheimen betreut werden. Altersunabhängig gilt die
Empfehlung auch für Personen ab 18 Jahren mit schweren
Grunderkrankungen, etwa chronischen Lungenerkrankungen (z. B. COPD),
Herzerkrankungen oder Immundefekten. Zusätzlich gibt es die
Möglichkeit einer aktiven Immunisierung Schwangerer zum Schutz des
Neugeborenen, sofern der Geburtstermin zwischen Oktober und März
liegt. Alternativ steht eine kostenfreie passive RSV-Immunisierung
für Säuglinge und Kleinkinder während beziehungsweise vor der RSV-
Saison zur Verfügung. 5

Zwtl.: Ärztliche Empfehlung und Aufnahme ins Erwachsenen-Impfprogramm
wichtig

Studien belegen einen Rückgang der Krankenhausaufnahmen aufgrund
von RSV von mehr als 90 % in der ersten Saison nach der Impfung. 1
Derzeit lassen sich allerdings die wenigsten, für die die Impfung
empfohlen ist, aus eigenem Antrieb impfen. „ Vermutlich, weil die
Impfung noch relativ neu und unbekannt ist “, meint Krause.

Hausärzt:innen spielen eine Schlüsselrolle: Sie betreuen viele
Patient:innen über 60 sowie Risikopatient:innen und sollten verstärkt
über die RSV-Impfung aufklären. Die Aufnahme in das öffentliche
Impfprogramm für Erwachsene (ÖIP) würde die Durchimpfungsrate
zusätzlich steigern und sollte daher rasch erfolgen.
Betriebsimpfungen eignen sich zudem, um Risikopatient:innen ab 18
Jahren im Berufsleben zu erreichen.

* Respiratorisches Synzytial-Virus

1. Experten-Statement, Bedeutung der RSV-Impfung bei älteren
Erwachsenen, Update Europe, 2026.

2. Symes R et al. Burden of respiratory syncytial virus infection in
older adults hospitalised in England during 2023/24. JInfect 2025;91(
3):10657.

3. Hak SF et al, Clinical and Socioeconomic Burden of RSV Infections
Among Older Adults in Primary Care: An International Prospective
Cohort Study. Influenza and Other Respiratory Viruses.
2025;19:e70174. DOI: 10.1111/irv.70174.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC12514451/.

4. Riccò M, Abu-Raya B, Icardi G, et al. Respiratory Syncytial Virus:
A WAidid Consensus Document on New Preventive Options. Vaccines (
Basel) 2024;12(12):1317.

5. BMASGPK, Impfplan Österreich 2026/2027, Version 1.1.