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GBH-Muchitsch: Baukrise nicht nur analysieren – jetzt ins Bauen kommen

Wien (OTS) – Die österreichische Bauwirtschaft schrumpft das fünfte
Jahr in Folge.
Das zeigen die heute von BRANCHENRADAR Marktanalyse präsentierten
Zahlen. Preisbereinigt liegt die Bauproduktion heuer voraussichtlich
gut zwölf Prozent unter dem Niveau von 2020. Verantwortlich dafür ist
fast zur Gänze der Wohnbau. Für die Gewerkschaft BAU-HOLZ (GBH) ist
klar: Die Diagnose liegt auf dem Tisch. Jetzt müssen wir die
richtigen Maßnahmen setzen.

„Wir können jeden Monat neue Zahlen präsentieren und feststellen,
dass zu wenig gebaut wird. Davon entsteht aber keine einzige Wohnung
und kein einziger Arbeitsplatz. Wenn heute keine Wohnungen genehmigt
werden, stehen morgen keine Kräne. Und übermorgen fehlen uns
Wohnungen, Arbeitsplätze und Fachkräfte“, sagt GBH-Bundesvorsitzender
Abg. z. NR Josef Muchitsch.

Wohnbaukrise: Der volle Einbruch steht noch bevor – deshalb
müssen wir schnell handeln

Zwischen 2020 und 2025 hat sich die Zahl der Baugenehmigungen für
Wohnungen in neuen Gebäuden mehr als halbiert. 2025 wurden nur noch
knapp 32.000 Wohneinheiten genehmigt. Die Baubeginne sanken im selben
Zeitraum um 42 Prozent, die Fertigstellungen um 34 Prozent. Der
Einbruch ist auf den Baustellen also noch gar nicht zur Gänze
angekommen. Für heuer erwartet BRANCHENRADAR nochmals ein Minus von
rund fünf Prozent bei den Wohnbaugenehmigungen und von zwölf Prozent
bei den Baubeginnen.

„Diese Zahlen zeigen, warum wir jetzt schnell handeln müssen. Was
heute nicht genehmigt und gebaut wird, fehlt uns in den kommenden
Jahren. Wir dürfen nicht warten, bis noch mehr Arbeitsplätze verloren
gehen und leistbarer Wohnraum endgültig zur Mangelware wird“, warnt
Muchitsch.

Die GBH fordert eine verbindliche Zweckbindung der
Wohnbauförderung für Wohnbau und Sanierung, langfristig planbare
Förderungen und kostengünstige Finanzierungen sowie einfachere und
schnellere Verfahren. Kostentreiber bei Normen und Bauvorschriften
gehören auf den Prüfstand, ohne Abstriche bei Sicherheit und
Arbeitnehmerschutz. Wer die Baukosten senken will, muss bei
Grundstückspreisen, Verfahren und überzogenen Normen ansetzen, nicht
bei den Löhnen der Beschäftigten. Die Mietpreisbremse schützt
Mieterinnen und Mieter im Bestand. Damit auch neue Wohnungen wieder
leistbar werden, brauchen wir zusätzlich mehr geförderten und
gemeinnützigen Wohnbau.

Sanierungsoffensive: Wichtiger erster Schritt, jetzt weiter

Für 2027 stehen mit der Sanierungsoffensive der Bundesregierung
500 Millionen Euro zur Verfügung. Davon sind 321 Millionen Euro für
thermische Sanierungen und 179 Millionen Euro für den Kesseltausch
vorgesehen. Für die GBH ist das ein wichtiger erster Schritt, der
zeigt, dass gemeinsame Anstrengungen Wirkung entfalten können.

„Die Sanierungsoffensive ist ein wichtiges Signal für unsere
Bauwirtschaft und die Beschäftigten. Darauf dürfen wir uns aber nicht
ausruhen. Sanieren, leistbaren Wohnraum schaffen und unsere
Infrastruktur modernisieren – das muss jetzt Teil einer echten
Baustrategie werden“, erklärt Muchitsch.

Eine solche Baustrategie fordert nicht nur die GBH. Auch WIFO-
Chef Gabriel Felbermayr hat sich dafür ausgesprochen, nach der
Industriestrategie eine eigene Baustrategie zu erarbeiten. Der
Tiefbau läuft derzeit stabil, und das muss laut GBH so bleiben. Bei
Investitionen in eine moderne und klimafitte Infrastruktur darf nicht
gekürzt werden.

ROT-WEISS-ROT BAUEN: Steuergeld muss heimische Arbeitsplätze
sichern

Die Zahlen zeigen auch, wie unterschiedlich die Branche von der
Krise betroffen ist. Große Baukonzerne profitieren vom wachsenden
Tiefbau und schreiben teils Rekordzahlen. Das Baugewerbe ist dagegen
stark im Wohnbau tätig und spürt den Einbruch unmittelbar. Laut
BRANCHENRADAR erzielen 91 Großbetriebe ein Viertel aller Erlöse der
Bau- und Handwerksbranche.

Für die GBH entscheidet deshalb nicht nur, wie viel investiert
wird, sondern auch, wo diese Investitionen wirken. Öffentliche
Aufträge und Förderungen müssen Arbeitsplätze, Lehrstellen und
regionale Wertschöpfung in Österreich sichern.

Die GBH fordert, die Möglichkeiten des neuen Vergaberechts
konsequent zu nutzen: Bestbieter statt Billigstbieter, kurze
Transportwege, faire Löhne, die Berücksichtigung von Eigenpersonal
und Lehrlingsausbildung sowie eine Begrenzung langer
Subunternehmerketten. Bestbieter heißt dabei nicht automatisch
teurer. Wer Qualität und Lebenszykluskosten bewertet, kann Nachträge
und Folgekosten vermeiden.

Damit das von BRANCHENRADAR skizzierte Best-Case-Szenario mit
einer Stabilisierung 2027 und einer Trendwende 2028 Wirklichkeit
wird, müssen laut GBH jetzt alle an einen Tisch: Politik,
Sozialpartner, Länder, Gemeinden, gemeinnützige Wohnbauträger und die
Bauwirtschaft.

Muchitsch abschließend: „Der Bau ist ein Konjunkturmotor für ganz
Österreich. Jeder zusätzliche Bauauftrag schafft Beschäftigung weit
über die Baustelle hinaus. Mit Investitionen in Wohnbau, Sanierung
und Infrastruktur und einer konsequenten Umsetzung von ROT-WEISS-ROT
BAUEN stärken wir unsere Wirtschaft, sichern Arbeitsplätze und
schaffen leistbaren Wohnraum. Die Lösungen liegen auf dem Tisch.
Jetzt müssen Politik, Sozialpartner und Bauwirtschaft gemeinsam dafür
sorgen, dass daraus konkrete Aufträge werden.“

Service: Der Vergabekatalog ROT-WEISS-ROTE VERGABEN steht als
Download zur Verfügung: gbh-news.at/leitfaden

Über die Gewerkschaft BAU-HOLZ (GBH)

Die Gewerkschaft BAU-HOLZ (GBH) ist die österreichische
Gewerkschaft für rund 240.000 Beschäftigte in der Bau-, Holz- und
Steinbranche. Sie verhandelt Kollektivverträge, setzt sich für faire
Löhne, sichere Arbeitsbedingungen und soziale Gerechtigkeit ein und
kämpft für faire öffentliche Vergaben sowie konsequent gegen Lohn-
und Sozialdumping. Ziel ist der Schutz der Beschäftigten und fairer
Wettbewerb für jene Betriebe, die sich an die Regeln halten.
Bundesvorsitzender der GBH ist Josef Muchitsch. Weitere Informationen
auf gbh.at .