Wien (OTS) – Bei den morgigen Trilog-Verhandlungen zur Änderung der
EU-Bio-
Verordnung drohen wichtige Verbesserungen für die biologische
Tierhaltung unter den Tisch zu fallen. BIO AUSTRIA appelliert an die
Verhandler:innen von Europäischer Kommission, Rat und Europäischem
Parlament sich gemeinsam auf tragfähige Lösungen zu einigen, um die
Biobäuerinnen und Biobauern in ihrer täglichen Arbeit für hochwertige
Lebensmittel und Nachhaltigkeit besser zu unterstützen.
Knackpunkt in den Verhandlungen ist ein Änderungsvorschlag zu den
Weidebestimmungen. Der aktuelle Vorschlag des Europäischen Parlaments
stellt das Weideprinzip grundsätzlich in Frage und ist nicht
mehrheitsfähig. Da dieser gemeinsam mit anderen Bestimmungen für die
Tierhaltung im Paket verhandelt wird, sind dadurch auch weitere
Verbesserungen blockiert. Damit drohen nicht nur Lösungen für
praktische Herausforderungen bei der Weidehaltung, sondern auch
notwendige Nachbesserungen etwa in Bezug auf die Überdachung von
Ausläufen und die sogenannte „Summenregelung“ für Stallbauten auf der
Strecke zu bleiben.
„ Ich appelliere dringend an die Verhandler:innen, die Chance auf
wichtige Verbesserungen zu ergreifen. Ziel muss es sein, die EU-
Bestimmungen praxistauglicher zu gestalten. Gleichzeitig gilt es, die
Integrität von Bio-Lebensmitteln zu wahren und das Vertrauen der
Konsument:innen zu stärken. Die Vorgaben zur Überdachung des Auslaufs
müssen dringend flexibler werden und stärker auf klimatische
Bedingungen eingehen. Nur so kann dem Tierwohl besser Rechnung
getragen werden. Andernfalls belasten hohe Kosten für bauliche
Anpassungen die Weiterentwicklung der biologischen Landwirtschaft.
Bei den Weidebestimmungen gilt es sich auf eine praktikablere
Umsetzung des Weideprinzips zu konzentrieren. Dabei müssen etwa das
Parasitenmanagement oder verhaltensbiologischen Aspekte bei der
Jungviehweide stärker berücksichtigt werden können. Vorschläge für
ein regionaltypisches Weidemanagement und eine stärkere
Berücksichtigung tierphysiologischer Bedürfnisse liegen bereits auf
dem Tisch. Sie werden vom europäischen Bio-Sektor unterstützt. Ich
appelliere daher insbesondere an die Verhandler:innen des
Europaparlaments, diese Vorschläge aufzugreifen. Nur so lässt sich
ein Scheitern des Trilogs verhindern “, betont BIO AUSTRIA Obfrau
Barbara Riegler.
Zwtl.: Hintergrund
EU-Agrarkommissar Christophe Hansen legte im Dezember 2025 einen
Vorschlag zur gezielten Weiterentwicklung des EU-Bio-Rechts vor, um
Bio mit seinen vielfältigen sozioökonomischen und ökologischen
Vorteilen zu stärken. Der Rat verabschiedete seine Position zur
Änderung der EU-Bio-Verordnung im Juli, das Europäische Parlament im
September. Am 20. Oktober findet die erste und einzige vorgesehene
Trilog-Verhandlung statt, bei der sich alle drei Institutionen auf
einen endgültigen Text einigen sollen.
Die rechtliche Grundlage der biologischen Landwirtschaft und
Lebensmittelproduktion in der Europäischen Union stellt die
„Verordnung (EU) 2018/848 über die ökologische/biologische Produktion
und die Kennzeichnung von ökologischen/biologischen Erzeugnissen“
dar. Zu diesem Basisrecht gibt es ca. 50 Durchführungsbestimmungen (
Sekundärrecht) sowie zahlreiche Auslegungen.
Zwtl.: Über BIO AUSTRIA
BIO AUSTRIA ist das Netzwerk der österreichischen Biobäuerinnen
und Biobauern. Als größter Bio-Verband in Europa repräsentiert BIO
AUSTRIA die österreichische Bio-Landwirtschaft und vertritt die
Interessen der Biobäuerinnen und Biobauern. Zudem hat der Verband
knapp 500 Partnerunternehmen in der Wirtschaft. Nähere Informationen
unter www.bio-austria.at