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Wie Standards über Europas Zukunft entscheiden

Wien (OTS) – Technologien entwickeln sich schneller, neue Märkte
entstehen, der
internationale Wettbewerb nimmt zu. Damit wächst auch der Druck auf
die europäische Standardisierung: Standards müssen rechtzeitig
verfügbar sein, zugleich sollen Fachwissen, breite Beteiligung und
Konsens ihre Grundlage bleiben. Wie das gelingen kann, diskutierten
Vertreterinnen und Vertreter der Europäischen Kommission, Wirtschaft,
Wissenschaft und Standardisierung bei den Expert Talks von Austrian
Standards, der österreichischen Standardisierungsorganisation.

Unter dem Titel „Resilient. Demokratisch. Wettbewerbsfähig.
Welche Standardisierung braucht Europa im Jahr 2035?“ ging es um die
künftige Ausrichtung des europäischen Standardisierungssystems, seine
internationale Rolle und um die Frage, wo Verfahren und Strukturen
weiterentwickelt werden müssen. Dieses Event ist eine Kooperation von
Austrian Standards, Wirtschaftskammer Österreich (WKO), der
Industriellenvereinigung (IV) und dem Österreichischen Verband für
Elektrotechnik (OVE).

Zwtl.: Standards müssen rechtzeitig verfügbar sein

Guillaume Roty, Head of Unit Standards Policy bei der
Europäischen Kommission, widmete sich in seiner Keynote der
Überarbeitung der EU-Normungsverordnung, die seit 6. Oktober 2026 als
Entwurf vorliegt, und ihren Auswirkungen auf das europäische
Normungssystem. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Standards
schneller und verlässlicher verfügbar werden können. „Standards
müssen dann verfügbar sein, wenn sie gebraucht werden. Insbesondere
in Bereichen, die sich technologisch sehr schnell entwickeln. Dafür
müssen wir die Reaktionsfähigkeit des europäischen
Standardisierungssystems verbessern. Zugleich kommt es darauf an, die
Beteiligung der verschiedenen Interessengruppen zu sichern“ so Roty.

Für Valerie Höllinger, CEO von Austrian Standards, ist die
Überarbeitung der EU-Normungsverordnung auch Anlass, die
Arbeitsweisen der Standardisierungsorganisationen weiterzuentwickeln.
Dabei gelte es, europäische Rahmenbedingungen und die Modernisierung
der Normungsarbeit gemeinsam zu betrachten. „Die Reform muss das
europäische Normungssystem stärken und eine Fragmentierung vermeiden.
Wir brauchen ein flexibles System ohne Überregulierung, das
international eng vernetzt bleibt. Zugleich sind wir als
Standardisierungsorganisationen gefordert, unsere Prozesse
weiterzuentwickeln: Digitale Werkzeuge können uns helfen, schneller
zu werden und Fachleuten die Mitarbeit zu erleichtern. Dabei müssen
wir bewahren, was Standards verlässlich macht – Fachwissen, breite
Beteiligung, Transparenz und Konsens. Entscheidend ist, dass
Standards in der Praxis funktionieren und Innovationen den Weg in die
Märkte öffnen“ , sagt Höllinger. Austrian Standards setzt diese
Weiterentwicklung im eigenen Transformationsprozess um. Neben der
Digitalisierung der Normenschaffung liegt ein Schwerpunkt auf
maschinenlesbaren Standards, die neue Möglichkeiten für die digitale
Nutzung eröffnen.

Zwtl.: Österreich muss internationales Fachwissen einbringen

Für die exportorientierte österreichische Wirtschaft hat die
europäische und internationale Standardisierung besondere Bedeutung.
Standards erleichtern den Zugang zu Märkten und schaffen gemeinsame
technische Grundlagen für Produkte und Technologien. Entscheidend ist
daher auch, wo und wie österreichisches Fachwissen in die Entwicklung
europäischer und internationaler Standards einfließt.
„Standardisierung ist ein wesentlicher Pfeiler der europäischen
Wirtschaftspolitik: Gemeinsame Standards stärken den Binnenmarkt und
öffnen österreichischen Unternehmen den Zugang zu Weltmärkten. Eine
Fragmentierung des Normungssystems würde diese Stärke gefährden.
Deshalb brauchen wir nachvollziehbare Prozesse und eine enge
Verbindung zwischen europäischer und internationaler Normung.
‚International First‘ bedeutet, internationale Standards aktiv
mitzugestalten und damit Europas Wettbewerbsfähigkeit zu sichern.
Dazu trägt auch Österreich bei: Über Austrian Standards und den OVE
wird Expertise in die europäische und internationale Standardisierung
eingebracht,“ sagt Georg Konetzky, Sektionschef Nationale
Marktstrategien im Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und
Tourismus.

Daniel Herbst, Generalsekretär des OVE Österreichischer Verband
für Elektrotechnik, unterstreicht die Bedeutung eines
leistungsfähigen und nachhaltig finanzierten Normungssystems:
„Standardisierung schafft Sicherheit, ermöglicht das Zusammenspiel
von Produkten und Systemen und öffnet Märkte über Landesgrenzen
hinweg. Ihre Stärke liegt darin, dass Fachleute unterschiedliche
Perspektiven einbringen und gemeinsam tragfähige Lösungen im Konsens
erarbeiten. Wenn wir die Normung beschleunigen wollen, müssen wir
zugleich ihre Qualität und die offene Beteiligung sichern. Dafür
braucht es auch eine tragfähige Finanzierung, die die unabhängige
Normungsarbeit langfristig ermöglicht. Nur so können Standards den
technischen Fortschritt verlässlich begleiten und Unternehmen bei
Innovationen und beim Zugang zu internationalen Märkten
unterstützen.“

Zwtl.: Europäische Resilienz: Standards stärken die technologische
Handlungsfähigkeit

Wie Europa angesichts von Cyberangriffen, Krisen und
geopolitischen Spannungen handlungsfähig bleiben kann, beleuchtete
Helmut Leopold, Head of Center for Digital Safety & Security am AIT
Austrian Institute of Technology, in seiner Keynote: „Resilienz ist
kein defensives Konzept. Europa muss Cyberangriffen und Krisen
standhalten können, zugleich aber seine technologische Unabhängigkeit
stärken. Dafür brauchen wir eigene Kompetenzen und die Fähigkeit,
Schlüsseltechnologien mitzugestalten. Standards spielen dabei eine
wichtige Rolle: Sie machen Sicherheitsanforderungen überprüfbar und
ermöglichen, dass Technologien unterschiedlicher Anbieter
zusammenarbeiten. Wer Standards mitentwickelt, nimmt Einfluss auf die
technologischen Spielregeln und erweitert Europas
Handlungsmöglichkeiten“ , erläutert Leopold.

Zwtl.: Vergleichbare Herausforderungen in ganz Europa

Normungsprozesse beschleunigen, die Mitarbeit erleichtern und
Standards für die Anwender:innen besser nutzbar machen: Diese
Aufgaben verbinden nationale Standardisierungsorganisationen in ganz
Europa. Ruggero Lensi, Director General der italienischen
Standardisierungsorganisation UNI und Vice-President Technical elect
von ISO, betonte dabei das Potenzial digitaler Werkzeuge und die
Bedeutung bewährter Grundprinzipien: „Wir machen Standardisierung
schneller und leichter zugänglich, ohne ihre Grundprinzipien
aufzugeben. Neue digitale Werkzeuge ermöglichen wesentliche
Verbesserungen – sowohl bei der Mitarbeit an Standards als auch bei
deren Nutzung. Diesen Herausforderungen stellen sich die nationalen
Standardisierungsorganisationen in ganz Europa“ , erklärt Lensi.

Zwtl.: Entwurf der EU-Normungsverordnung: Reform darf nicht zur
Schwächung werden

Beim abschließenden “Hot Chair”-Programmpunkt war der Entwurf der
EU-Normungsverordnung der Europäischen Kommission erneut Thema. Neben
Lensi stellen sich auch Bernhard Spalt, Leitung OVE Standardization
und Elisabeth Sperlich, Head of Governance, Policy, Legal &
International Relations Austrian Standards, den Fragen von Moderator
Bernhard Vosicky. Spalt betont, dass Europa eine hohe Reputation in
der internationalen Standardisierung hat: „Europa kann es sich nicht
leisten, sein bewährtes Standardisierungssystem selbst zu schwächen.
Wer mehr Geschwindigkeit fordert, darf nicht gleichzeitig Konsens,
Qualität und Vertrauen aufs Spiel setzen. Wir brauchen keine neuen
Parallelstrukturen und keine Fragmentierung, sondern ein starkes
europäisches System, das international Gewicht hat. Denn Standards
sind längst auch eine Frage der Wettbewerbsfähigkeit und des globalen
Einflusses Europas.”

Sperlich betont, dass es wichtig sei, die Europäische
Standardisierung zu stärken: „Dafür braucht es eine echte Public-
Private-Partnership mit der Kommission, getragen von Vertrauen. Die
neue EU-Standardisierungsverordnung sollte das konsensbasierte und
auf dem nationalen Delegationsprinzip beruhende System stärken. Nur
dann sind die Expertinnen und Experten, die im Zentrum des Systems
stehen, auch bereit mitzuarbeiten – auf nationaler, europäischer und
internationaler Ebene.“

Fotorechte © Austrian Standards/APA-Fotoservice/Roland Rudolph

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