Wien (OTS) – Zum Welttag der psychischen Gesundheit zeigen Zahlen aus
den vier
Wiener Universitätsambulanzen der Sigmund Freud PrivatUniversität (
SFU), wie groß der Bedarf ist: Von Jänner bis August 2026 führte die
Psychotherapeutische Ambulanz für Kinder und Jugendliche 260
Erstgespräche – rund 60 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum (161).
Insgesamt haben die SFU-Ambulanzen heuer bereits mehr als 2.000
Kinder, Jugendliche und Erwachsene psychotherapeutisch oder klinisch-
psychologisch versorgt.
Die Ambulanzen verbinden dabei drei Aufgaben: Sie bieten Menschen
in Belastungssituationen fachlich fundierte Hilfe, sie sind
Ausbildungsort für den Nachwuchs in Psychotherapie und Klinischer
Psychologie,
und ihre Routinedaten fließen in Forschung, die Diagnostik und
Behandlung weiterentwickelt. Der Welttag steht 2026 unter dem Motto
„Lived Experiences Heard: Real Voices, Real Change“ – also dem
Anliegen, die Erfahrungen Betroffener zu hören und ernst zu nehmen.
Zwtl.: Kinder und Jugendliche: Soziale Ängste und Schulprobleme
nehmen zu
Die Psychotherapeutische Ambulanz für Kinder und Jugendliche hat
von Jänner bis August 2026 rund 200 Kinder und Jugendliche behandelt
und etwa 4.000 Therapieeinheiten geleistet. Seit der Corona-Pandemie
beobachtet das Team vermehrt soziale Ängste, Schulprobleme wie
Mobbing und Anpassungsstörungen – bereits ab dem Volksschulalter. Ein
erstes Abklärungsgespräch ist meist innerhalb von ein bis zwei Wochen
möglich; bis zum Therapiebeginn vergehen danach oft mehrere Monate.
Im Rahmen einer Kooperation mit der Österreichischen Gesundheitskasse
(ÖGK) stehen ÖGK-versicherten Familien vollfinanzierte Plätze mit bis
zu 60 Einheiten zur Verfügung. Im Herbst laufen zudem
Selbsthilfegruppen für 14- bis 18-Jährige, etwa zu Mediensucht oder
für Jugendliche im Autismus-Spektrum.
Passend zum diesjährigen Motto untersucht die Ambulanz seit März
2026 in eigenen Studien, wie Kinder ihre Belastung selbst erleben und
wie gut Eltern diese Sicht einschätzen.
„ Seelische Belastungen im Kindes- und Jugendalter nehmen immer
mehr zu. Gleichzeitig ist die Versorgungslage in Österreich durch zu
wenig Angebot und lange Wartezeiten stark angespannt “, sagt Mag.
Esther Richter, Leiterin der Psychotherapeutischen Ambulanz für
Kinder und Jugendliche. „ Nur mit mehr Bewusstsein, einem
flächendeckenden Ausbau psychotherapeutischer Angebote und Prävention
können wir verhindern, dass Belastungen im Erwachsenenalter chronisch
werden .“
Zwtl.: Frühe Abklärung: Jede dritte Anfrage betrifft Autismus
Am Kinderpsychologischen Zentrum der SFU befanden sich zum
Stichtag 28. September 2026 120 Kinder und Jugendliche in klinisch-
psychologischer Diagnostik, dazu rund 14 in Behandlung. Etwa ein
Drittel der Anfragen betrifft eine Abklärung im Autismus-Spektrum.
Die Wartezeit auf einen Ersttermin konnte von rund 40 Wochen im
Vorjahr auf rund 32 Wochen verkürzt werden. In den Anamnesen
beobachtet das Team zudem häufiger Konzentrationsprobleme bei Kindern
mit sehr hohem Medienkonsum.
„ Bei psychischen Auffälligkeiten von Kindern ist eine frühe
Diagnostik wichtig, um anschließende Interventionen möglichst präzise
an die Bedürfnisse des Kindes anzupassen. Damit das gelingt, muss die
Zusammenarbeit zwischen Eltern, Kindergarten und Schule sowie den
medizinischen Fachkräften stärker in den Fokus rücken “, so Dr.
Stefana Holocher-Benetka, Leiterin des Kinderpsychologischen
Zentrums.
Zwtl.: Erwachsene: Zukunfts- und Existenzängste im Vordergrund
Die Psychotherapeutische Ambulanz für Erwachsene hat 2026 bis
September bereits rund 1.700 Menschen behandelt – mehr als im
gesamten Vorjahr (rund 1.400). Bis Juli wurden etwa 23.000 Therapie-
und Beratungseinheiten geleistet, Psychotherapie ist in zahlreichen
Sprachen möglich. Spürbar zugenommen haben nach Beobachtung der
Ambulanz Klima-, Zukunfts- und Existenzängste. Für Menschen in akuten
Krisen gibt es daher ein kostenfreies Kriseninterventionsprogramm:
Studierende begleiten Betroffene zehn Wochen lang unter engmaschiger
Supervision. Die Begleitforschung mit bisher 80 Teilnehmenden zeigt
Verbesserungen bei depressiver Symptomatik und Angst.
Wie wichtig lebensphasensensible Versorgung ist, zeigt eine
aktuelle Studie der Ambulanz in Frontiers in Psychiatry : Von 166
Patientinnen und Patienten ab 60 Jahren hatte gut die Hälfte (51,2 %)
eine hohe körperliche Krankheitsbelastung, ihr Wohlbefinden lag unter
jenem jüngerer Altersgruppen.
„ Die psychotherapeutische Behandlung eines Menschen ist so
einzigartig wie die Persönlichkeit, die Hilfe sucht “, sagt Dr. Lisa
Winter, Leiterin der Psychotherapeutischen Ambulanz für Erwachsene. „
Leistbare Psychotherapie bedeutet, dass möglichst viele Menschen den
ersten Schritt zur Linderung ihres Leidens gehen können. Damit
leistet die Ambulanz einen Beitrag gegen die Chronifizierung
psychischer Erkrankungen .“
Zwtl.: Psychologische Universitätsambulanz: Nachfrage nach ADHS- und
Autismus-Diagnostik steigt
An der Psychologischen Universitätsambulanz waren Ende August
2026 142 Patientinnen und Patienten in Behandlung oder diagnostischer
Abklärung, 224 Personen standen auf der Warteliste – etwa 60 Prozent
davon für eine Diagnostik. Die Wartezeit von der Anmeldung bis zum
ersten Termin liegt bei rund 20 Wochen für eine Behandlung und rund
28 Wochen für eine Diagnostik. Stetig zunehmend sind Anfragen zur
ADHS- und Autismus-Diagnostik bei Erwachsenen; abgeklärt wird stets
differenzialdiagnostisch, also auch mit Blick auf andere mögliche
Ursachen. Niederschwellig und kostenlos ist etwa die
Selbsthilfegruppe zum Thema pathologisches Horten für Betroffene und
Angehörige.
„ Wir erleben täglich, wie groß der Bedarf an psychologischer
Unterstützung ist und wie schwierig es für viele Menschen sein kann,
zeitnah Hilfe zu bekommen. Umso wichtiger ist es, psychische
Gesundheit stärker in den Fokus zu rücken und Versorgung, Prävention,
Ausbildung und Forschung gemeinsam weiterzuentwickeln “, sagt Zuzana
Kovacovsky, MSc, Standortleiterin der Psychologischen
Universitätsambulanz Wien.
Zwtl.: Ausbildung unter Supervision als Teil der Versorgung
Rund 400 angehende Fachkräfte aus Psychologie und Psychotherapie
sowie Praktikantinnen und Praktikanten sammeln in den SFU-Ambulanzen
klinische Erfahrung – von der Beobachtung über Co-Therapie bis zur
eigenständigen Arbeit unter Supervision. Die Zuweisung orientiert
sich dabei am Bedarf der betroffenen Person: Gesucht wird die
passende Therapeutin oder der passende Therapeut für den Menschen,
der Unterstützung benötigt.
Zwtl.: Hier finden Betroffene Hilfe
Betroffene und Angehörige können hier Hilfe finden: Anlaufstellen
der SFU in Wien .
In akuten Krisensituationen ist die Telefonseelsorge unter der
kostenfreien Rufnummer 142 rund um die Uhr erreichbar. Unter der
Nummer 147 erhalten Kinder und Jugendliche bei Rat auf Draht
Unterstützung.
Infografiken zum Welttag der psychischen Gesundheit können hier
heruntergeladen werden.
Zwtl.: Über die SFU
Die Sigmund Freud PrivatUniversität (SFU) ist Österreichs größte
Privatuniversität und als umfassende Gesundheitsuniversität an
mehreren europäischen Standorten vertreten. Derzeit studieren mehr
als 6.000 Personen an den Fakultäten für Medizin, Psychologie,
Psychotherapiewissenschaft und Rechtswissenschaften. Unter dem Motto
„lehren.forschen.versorgen.“ steht die SFU für Exzellenz in Lehre und
Forschung sowie für gesellschaftliche Verantwortung. Mit eigenen
Ambulanzen und klinischen Einrichtungen in den Bereichen psychische
Gesundheit und Zahnmedizin leistet die Universität einen wichtigen
Beitrag zur Gesundheitsversorgung in Wien.
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