Wien (OTS) – Bürgerinnen und Bürger können ein genehmigtes Projekt
nicht stoppen.
Das können nur jene, die genehmigt haben, und jene, die die Gesetze
machen – und genau sie sind jetzt in der Pflicht. Beim Google-
Rechenzentrum in Kronstorf sah die unabhängige Umweltanwaltschaft
schon 2020 eine UVP-Pflicht und wurde von der Landesbehörde
überstimmt. Am 23. September 2026 bekräftigte das Land Oberösterreich
nach Überprüfung, dass der Bescheid aus 2020 rechtskräftig ist, auch
für den Vollausbau. Neu entscheiden könne man nur, wenn der
Gesetzgeber das vorsieht. Dann hat der Gesetzgeber es eben
vorzusehen. Durchgewunken heißt nicht unabänderlich.
Der Widerstand wächst: Die Petition zum Rechenzentrum Kronstorf
hat zehntausende Unterschriften, es gab mehrere Demonstrationen,
weitere sind geplant. Auch der Grüne Verein für Grundrechte und
Informationsfreiheit (GGI) fordert, wie viele Bürgerinnen und Bürger,
einen sofortigen Baustopp für alle Hyperscale-Rechenzentren in
Österreich.
Wird in Kronstorf künftig auch für Kriegsführung gerechnet?
Google arbeitet für das US-Verteidigungsministerium und die deutsche
Bundeswehr. Ob in Kronstorf militärisch gerechnet werden soll, ist
nicht bekannt – ausgeschlossen ist es nicht. Wird eine solche Anlage
militärisch genutzt, kann sie im Konfliktfall zum Angriffsziel
werden, und mit ihr die Region rundherum.
Und der Nutzen? In den Rechenzentren selbst arbeiten nur wenige
Menschen: rund 40 bei Microsoft an drei Standorten um Wien, in
Kronstorf laut Google höchstens 100. Die Gewinne werden am
Konzernsitz versteuert, den Gemeinden bleiben geringe Einnahmen.
Dafür könnte Kronstorf allein im Vollausbau bis zu 4,4
Terawattstunden Strom im Jahr brauchen – fast ein Drittel des
Verbrauchs von ganz Oberösterreich –, für eine Technologie, die auch
hierzulande viele Arbeitsplätze ersetzen kann und über deren Risiken
sich nicht einmal die Fachleute einig sind.
Im Sinne des im EU-Recht verankerten Vorsorgeprinzips (Art. 191
AEUV) gilt: Nicht die Bürgerinnen und Bürger müssen beweisen, dass
etwas gefährlich ist – wer baut, muss zeigen, dass es unbedenklich
ist. Wir fordern daher:
– einen sofortigen Baustopp für alle Hyperscale-Rechenzentren und
keine neuen Genehmigungen, bis alle offenen Fragen umfassend,
unabhängig, öffentlich und ergebnisoffen geklärt sind;
– die Offenlegung, wer die Rechenleistung wofür nutzt, einen
verbindlichen Ausschluss militärischer Nutzung und eine Prüfung, ob
die Rechenzentren mit der Neutralität vereinbar sind;
– eine UVP-Pflicht für Rechenzentren dieser Größe sowie ein eigenes
Prüfinstrument für das, was eine UVP nicht erfasst: Nutzungszweck,
Datenzugriff, Sicherheit und Neutralität – mit regelmäßiger
Nachprüfung.
Wir rufen Medien, Politik und Öffentlichkeit auf, genau das
einzufordern.
Hintergrund und Quellen:
https://ggi-initiative.at/wp/2026/09/25/hyperscale-rechenzentren-wem-
dienen-sie-eigentlich/