Wien (OTS) – Mit einer 200 Meter langen „Roten Linie für
Menschlichkeit“ hat die
Caritas gemeinsam mit Freiwilligen und Schauspielerin Valerie Huber
am Freitag ein sichtbares Zeichen für den gesellschaftlichen
Zusammenhalt gesetzt. „Diese rote Linie trennt nicht. Sie verbindet.
Vor allem aber soll sie uns daran erinnern, dass Zusammenhalt überall
dort entsteht, wo wir füreinander da sind“, betont Caritasdirektor
Klaus Schwertner. Anlass für die Aktion in der Wiener Innenstadt bot
der 15. Lange Tag der Flucht und die Tatsache, dass Menschenrechte 75
Jahre nach Verabschiedung der Genfer Flüchtlingskonvention immer
stärker unter Druck geraten. „Das Muster ist stets dasselbe: Erst
verschärft sich der Ton, dann die Politik selbst. Als
Hilfsorganisation sind wir überzeugt, dass es uns gelingen kann,
nicht nur Grenzen, sondern auch Menschen zu schützen. Nicht jeder,
der Asyl beantragt, kann auch Asyl erhalten. Aber auch in Zukunft
muss gelten, dass jede und jeder das Recht auf ein rasches und faires
Verfahren hat.“ Aus Sicht der Caritas steht Grundsätzliches auf dem
Spiel. Schwertner: „Dieser neue, populistische Sound der Härte kennt
selbst keine Grenzen mehr: Heute richtet er sich gegen geflüchtete
Menschen, morgen gegen armutsbetroffene Menschen oder Personen, die
keine Arbeit finden. Das Prinzip ist klar: Wer Menschenrechte für
einzelne Gruppen infrage stellt, höhlt sie letztlich für uns alle
aus.“ Schauspielerin Valerie Huber: „Wir erleben eine Zeit, in der
Hass, Ausgrenzung und Propaganda unsere Gesellschaft zu spalten
versuchen. Umso wichtiger ist es, Menschlichkeit und Solidarität
wieder in den Mittelpunkt zu stellen. Menschen fliehen vor Krieg,
Verfolgung und Leid, weil sie Schutz und Sicherheit suchen. Jeder von
uns würde unter solchen Umständen dasselbe tun. Wir tragen die
Verantwortung, Menschen in Not Schutz zu gewähren und uns für das
Recht aller Menschen auf ein Leben in Würde einzusetzen. Kein Mensch
ist illegal.“
„Menschlichkeit größter gemeinsamer Nenner“
Die „Rote Linie der Mitmenschlichkeit“ soll daher ein Zeichen der
Solidarität mit Menschen auf der Flucht sein. David Preukschat-
Himler, Fachbereichsleiter für Asyl und Integration der Caritat und
Initiator der Aktion betont: „Wir erleben derzeit täglich, welche
Auswirkungen politische Entscheidungen und gesellschaftliche
Entwicklungen auf das Leben geflüchteter Menschen haben. Dabei werden
aus unserer Sicht auch immer wieder Rote Linien überschritten. Dieser
Prozess vollzieht sich nicht laut, sondern schleichend und leise.
Doch für die Betroffenen hat er weitreichende Folgen. Wir möchten
heute deutlich machen, dass es viele Menschen in unserem Land gibt,
die diese Entwicklung mit großer Sorge beobachten. Gemeinsam wollen
wir daran erinnern, dass ein starkes Miteinander die stärkste Antwort
auf Ausgrenzung und gesellschaftliche Spaltung ist.“
Caritas appelliert an Politik: Sachliche Debatte statt Abbau von
Schutzrechten
Bei der Kundgebung auf der Kärntnerstraße appellierte die Caritas
auch an die Verantwortlichen der Politik in Österreich. Die jüngste
Reform des Europäischen Asyl- und Migrationspakts droht den Zugang zu
Schutz für Menschen auf der Flucht weiter zu erschweren. Dass beim EU
-Innenministertreffen in Luxemburg nun noch weitere Verschärfungen –
bis hin zu einem teilweise Aussetzen des Asylrechts an den EU-
Außengrenzen – diskutiert wurden, macht Sorgen: „Jedes Asylsystem
muss sich schlussendlich daran messen, ob schutzbedürftige Personen
auch weiterhin Schutz erhalten“, so Himler. „Viele geflüchtete
Menschen haben Gewalt, Krieg, Verfolgung oder Folter erlebt. Ihre
Grundrechte müssen gewahrt werden. Mit den aktuellen Regelungen an
den EU-Außengrenzen, haftähnlichen Unterbringungsformen und nebulösen
Plänen für Abschiebezentren in Drittstaaten gerät dieser Anspruch
jedoch stark unter Druck. Umso wichtiger wäre es, auch sichere
Korridore zu schaffen, gezielte Resettlement-Programme voranzubringen
und ausreichend Mittel für humanitäre Hilfe bereitzustellen.“
Geflüchtete Menschen unterstützen im Caritas wirhelfen.shop:
– Rechtsberatung für geflüchtete Menschen beim Caritas Asylzentrum
unterstützen: https://wirhelfen.shop/schenk-rechtliche-beratung/
– Eine geflüchtete Familie mit Lebensmittel unterstützen:
https://wirhelfen.shop/lebensmittel-haus-espera/