Wien (OTS) – Die außergewöhnliche Dürre dieses Jahres setzt die
österreichische
Landwirtschaft massiv unter Druck. Die vergangenen zwölf Monate waren
in Österreich die trockensten seit Beginn der Messungen im Jahr 1850.
Im Osten Österreichs wurden Niederschlagsdefizite von bis zu 75
Prozent verzeichnet. Besonders angespannt ist die Situation im
Grünland, wo Ertragseinbußen von bis zu 50 Prozent dokumentiert
werden.
Österreich hat auf nationaler Ebene ein Dürre-Hilfspaket beschlossen,
das bäuerlichen Familienbetriebe entlasten und ihre Liquidität
stärken soll. Das Ausmaß der Dürre zeigt jedoch, dass großflächige
Krisensituationen europäische Antworten erfordern. Österreich bringt
daher die Auswirkungen der Trockenheit beim Agrarministerrates am
Montag in Brüssel auf die Tagesordnung.
Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig: „Wenn ganze Regionen von
Extremereignissen betroffen sind, muss Europa rasch und wirksam
handeln können. Dafür brauchen wir geeignete Kriseninstrumente.
Insbesondere die EU-Agrarreserve muss im Ernstfall rasch und
praxisnah eingesetzt werden können. Gleichzeitig dürfen wir nicht
erst handeln, wenn die Krise da ist. Wir müssen unsere Landwirtschaft
langfristig widerstandsfähiger machen. Die GAP gibt den Betrieben
dafür Planungssicherheit und ermöglicht Investitionen in die
Anpassung an den Klimawandel. Mit unserem bewährten
Agrarumweltprogramm werden ihre Mehrleistungen für gesunde Böden,
Wasserrückhalt und Klimaschutz abgegolten. Deshalb darf die GAP im
nächsten EU-Budget nicht geschwächt werden. Sie braucht eine starke
und ausreichende Finanzierung – für bäuerliche Einkommen, die
Anpassung an den Klimawandel und die Lebensmittelversorgung in
Europa.“
Aktuelle Analysen auf europäischer Ebene zeigen, dass Sommerkulturen
und Grünland in weiteren Teilen West- und Mitteleuropas unter der
extremen Trockenheit leiden und die Futterversorgung unter Druck
gerät. Österreich setzt sich daher dafür ein, die bestehende
Möglichkeiten und Flexibilitäten der Gemeinsamen Agrarpolitik zu
nutzen und wirksame europäische Kriseninstrumente für
außergewöhnliche Situationen sicherzustellen. Eine wichtige Rolle
kommt dabei der EU-Agrarreserve zu.
Über die akute Krisenbewältigung hinaus muss sich die Landwirtschaft
an veränderte klimatische Bedingungen anpassen. Dazu gehört ein
besserer Wasserrückhalt in der Landschaft, Humusaufbau und
vielfältige Fruchtfolgen, die landwirtschaftlichen Erträge
stabilisieren können. Solche Maßnahmen unterstütz die Gemeinsamen
Agrarpolitik insbesondere durch das österreichische
Agrarumweltprogramm (ÖPUL). Damit die Betriebe diese Leistungen auch
künftig erbringen können, braucht es eine starke und ausreichend
finanzierte GAP – insbesondere eine starke Ländliche Entwicklung.