Wien (OTS) – „Unsere Schulen haben kein Strukturproblem, sondern ein
massives
Problem bei den Grundkompetenzen. Wer angesichts gravierender
Defizite bei Deutsch, Lesen und Sprachverständnis nicht die Ursachen
bekämpft, sondern das System umbaut, will offenbar das schlechte
Niveau weiter nach unten nivellieren. Nur damit das eigene Versagen
weniger auffällt“, kritisiert der Wiener FPÖ-Klubobmann Maximilian
Krauss den von Bildungsminister Christoph Wiederkehr geplanten
Versuch einer sechsjährigen Volksschule. Angesichts Wiederkehrs
Bilanz als Wiener Bildungsstadtrat sei dieser Zugang aber wenig
überraschend.
Krauss kritisiert insbesondere, dass die Differenzierung der
Bildungswege um zwei Jahre nach hinten verschoben werden soll:
„Kinder entwickeln sich unterschiedlich, haben unterschiedliche
Begabungen und brauchen deshalb zeitnah unterschiedliche Förderung.
Wer diese Unterschiede möglichst lange einebnen will, nimmt in Kauf,
dass leistungsstarke Kinder ausgebremst werden. Es kann nicht sein,
dass Kinder mit guten Deutschkenntnissen und hoher
Leistungsbereitschaft zwei weitere Jahre die Probleme
integrationsunwilliger Familien mittragen müssen.“
Die Verantwortung dafür dürfe daher nicht bei den Mitschülern
abgeladen werden: „Wenn Eltern ihrer Verantwortung für Integration
und Spracherwerb nicht nachkommen, muss der Staat genau dort
konsequent ansetzen. Wir brauchen verbindliche Deutschkenntnisse,
gezielte Förderung und klare Leistungsstandards. Begabtenförderung
darf nicht dem Versuch geopfert werden, Integrationsprobleme durch
längeres gemeinsames Lernen zu kaschieren.“
Der Vorstoß in den grundsätzlichen bildungspolitischen Kurs der
NEOS ein: „Die sechsjährige Volksschule kommt nicht aus dem
luftleeren Raum. Die NEOS propagieren seit Jahren längeres
gemeinsames Lernen und die Gesamtschule. Jetzt soll die Trennung
zwischen Mittelschule und AHS zunächst um zwei Jahre nach hinten
verschoben werden. Ich fordere die ÖVP auf, klar zu sagen, ob sie
diesen Weg mitgeht oder einem differenzierten Schulsystem noch
irgendeinen Wert beimisst“, fordert Krauss abschließend.