Wien (OTS) – „Je älter Menschen werden, desto höher ist auch die Zahl
chronischer
Erkrankungen. Durch bestmögliche und konsequente Diagnostik und
Therapie steigt bei chronisch Kranken auch die Lebensqualität“, sagt
Johannes Steinhart, Präsident der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK),
anlässlich des Internationalen Tags der Patientensicherheit am 17.
September. „Um die oft jahre- oder jahrzehntelange Krankenbehandlung
sicher zu gestalten, braucht es klare Kommunikation und Abstimmung
zwischen allen Beteiligten sowie strukturierte Betreuungspläne unter
hausärztlicher Kontrolle“, betont Artur Wechselberger, Facharzt für
Allgemein- und Familienmedizin und Leiter des ÖÄK-Referats für
Qualitätssicherheit und Qualitätsmanagement.
Zu chronischen Krankheiten gehören Stoffwechselerkrankungen wie
Diabetes, viele Herz-Kreislauf-Erkrankungen, psychische Erkrankungen
oder Krebs. Sie können Organe betreffen wie etwa bei
Niereninsuffizienz, Leberzirrhose oder COPD, aber auch das
Nervensystem, wie beispielsweise bei Demenz oder Parkinson. Auch
Erkrankungen des Bewegungsapparates wie Arthrose oder Rheuma und
Autoimmunerkrankungen zählen dazu“, erklärt Wechselberger. Aufgrund
des wachsenden Anteils älterer Menschen in der Bevölkerung und dem
damit einhergehenden zunehmenden Erkrankungsrisiko ist mit einer
deutlichen Zunahme von chronischen Erkrankungen zu rechnen. „Auch der
verstärkte Fokus auf Prävention in den vergangenen Jahrzehnten hat
erfreulicherweise dazu geführt, dass Krankheiten früher entdeckt und
behandelt werden können“, sagt Steinhart. Je länger jedoch Menschen
im Versorgungssystem seien, desto größer sei auch die Gefahr von
behandlungsbedingten Schäden. Diese könnten von Neben- und
Wechselwirkungen von Medikamenten und Therapien, aber auch durch
Nichteinhalten von Verhaltensmaßnahmen und Kontrollterminen vonseiten
der Patienten verursacht werden.
Zwtl.: Allgemeinmediziner im Fokus
Um chronisch kranken Patientinnen und Patienten eine bestmögliche
Behandlung zu ermöglichen, müsse daher auf mehreren Ebenen angesetzt
werden. An allererster Stelle stehe dabei das Patientengespräch, in
dem die Chronizität einer Erkrankung und deren Verlauf erklärt werde.
Dabei sei ein hohes Maß an Kommunikations-, aber auch
Motivationsfähigkeit vonseiten der Ärzteschaft und des gesamten
Versorgungsteams gefordert, sagt Wechselberger: „Denn wenn
Patientinnen und Patienten ihre Krankheit und deren Eigenheiten
richtig verstehen, können sie besser mithelfen, diese in den Griff zu
bekommen“. Auch die Motivation sei entscheidend. „Damit fällt es
ihnen auch leichter, Therapiepläne konsequent und langfristig
einzuhalten und unrealistischen und oft gefährlichen Heilsversprechen
unseriöser Anbieter zu widerstehen“, führt der Allgemeinmediziner
aus.
Eine weitere wichtige Säule für die Behandlung chronisch Kranker
seien regelmäßige ärztliche Kontrolluntersuchungen. Hierbei müsse
etwa der Medikationsplan kontinuierlich überprüft werden, um mögliche
Wechselwirkungen und/oder Unverträglichkeiten identifizieren und
nötigenfalls Medikamente und/oder deren Dosierung anpassen zu können.
„Das ist vor allem bei Menschen wichtig, die mehrere Medikamente
gleichzeitig und regelmäßig einnehmen müssen“, sagt Wechselberger.
Auch die Dokumentation des Krankheitsverlaufs und das frühzeitige
Erkennen von Abweichungen und Komplikationen seien wichtig. Eine
besondere Rolle in der Begleitung chronisch Kranker komme den
Ärztinnen und Ärzten in der Allgemeinmedizin zu. „Sie sind die
Drehscheibe, bei der alle Befunde und Behandlungen zusammenlaufen und
die als Vertrauensperson ansprechbar sind“, so Wechselberger.
Zwtl.: Kontinuität und Einbindung des sozialen Umfelds
Die unterbrechungsfreie Kontinuität der Behandlung über die
verschiedenen Behandlungsebenen hinweg sei von enormer Bedeutung,
damit keine Versorgungslücken entstehen, streichen die beiden
Standesvertreter hervor. Schlecht koordinierte Schnittstellen
zwischen Krankenhaus, Arztordination, Pflegeeinrichtungen oder
sozialen Diensten könnten die Patientensicherheit gefährden. Deshalb
müssten Behandlungspfade definiert und patientenfreundlich
organisiert werden. Die langjährige Begleitung und Betreuung
chronisch Kranker sei auch für das soziale Umfeld eine
Herausforderung. Gerade die Angehörigen müssten deshalb eingebunden
und entsprechend geschult werden. Denn Kenntnis und Verständnis für
eine Erkrankung und die Kommunikation zwischen allen Beteiligten sind
trotz Krankheit wesentlich für Sicherheit und Lebensqualität, betonen
Steinhart und Wechselberger.