Schönheit

Yellow September: Hitze trifft die Psyche härter als gedacht – Johanniter fordern Vorsorge für den nächsten Sommer

Wien (OTS) – Hitzewellen werden in der öffentlichen Wahrnehmung oft
mit
Badeunfällen und überhitzten Innenstädten verbunden. Doch es gibt
eine Gruppe, die in dieser Debatte kaum vorkommt: Menschen mit
psychiatrischen Erkrankungen oder kognitiven Beeinträchtigungen. Sie
sind doppelt vulnerabel – und oft auf sich allein gestellt.

„Wer glaubt, mit dem Ende des Sommers sei auch das Thema
erledigt, irrt“, so Georg Aumayr, Leiter der Johanniter Forschung.
„Die Menschen, die wir begleiten, spüren die Folgen oft noch lange
nach den heißesten Tagen.“ Die Johanniter Forschung ruft zum Start
des Aktionsmonats „Yellow September“ dazu auf, jetzt für den
kommenden Sommer vorzusorgen und vulnerable Gruppen zu schützen. „Wer
jetzt beginnt, Strukturen und Schulungen aufzubauen, ist im kommenden
Sommer besser vorbereitet.“

Zwtl.: Menschen mit psychiatrischen Krankheiten besonders betroffen

Mit den Temperaturen steigt auch die Zahl hitzebedingter
Spitalsaufenthalte und Todesfälle – und manche Gruppen trifft es
besonders hart. Dazu zählen Menschen mit psychiatrischen
Erkrankungen: Viele Psychopharmaka beeinträchtigen die
Thermoregulation des Körpers, wodurch Betroffene bei Hitze schwerer
Abkühlung finden. Gleichzeitig verstärkt Hitze psychiatrische
Symptome wie Angstzustände, Depressionen oder Aggressionen – wer
ohnehin eine geringe Impulskontrolle hat, ist bei 35 Grad noch
schwerer zu begleiten.

Besonders kritisch: Viele Betroffene nehmen ihre eigene
Dehydrierung schlicht nicht wahr. Betreuungspersonen berichten, dass
Klient:innen „das Trinken vergessen“ oder „nicht merken, dass sie
dehydriert sind“. Auch fehlt oft die Fähigkeit zur Selbstfürsorge und
das Gespür für passende Kleidung bei Hitze: „Manche gehen bei über 30
Grad im Pullover raus. Ohne externe Erinnerung und eine
funktionierende Versorgungsstruktur kann das lebensbedrohlich
werden,“ so Georg Aumayr.

Die Johanniter fordern daher Politik und Organisationen – auch
sich selbst – auf, schon jetzt für den nächsten Sommer vorzusorgen,
um Mitarbeitende und vulnerable Personen rechtzeitig zu schützen.

Zwtl.: Konkrete Hitzeschutzmaßnahmen erforderlich

Das Forschungsprojekt der Johanniter Österreich, PARAHSOHL,
widmet sich genau diesen vulnerablen Gruppen. PARAHSOHL steht für
„Promoting Austrian Resilience Against Heat-related Sequels On
Health“. Gemeinsam mit österreichweiten Projektpartner:innen, unter
der Leitung der Gesundheit Österreich GmbH, untersucht die Johanniter
Forschung, wie sich Hitze auf Menschen mit psychiatrischen
Erkrankungen (F-Diagnosen) und kognitiven Beeinträchtigungen
auswirkt. Gleichzeitig wurden konkrete Hitzeschutzmaßnahmen
identifiziert, die in konkrete Handlungsempfehlungen an
Organisationen und Politik einfließen sollen.

Die drei Hitzeschutzmaßnahmen, die in allen untersuchten
Bereichen – Rettungs- und Krankentransport, Klinik, Mobile Pflege und
Mobile Begleitung – mit einer besonders hohen Priorität versehen
wurden sind kühle und begrünte Räume und Wege (z. B. gekühlte
Pausenräume, grüne Innenhöfe und Gärten, Beschattung, gute Isolierung
und Klimageräte), Schulungen und Trainings (z. B. Stärkung der
Hitzekompetenz, Symptom-Erkennung bei Überhitzung, Trainings zur
Selbstfürsorge – für Mitarbeitende, Betroffene und pflegende
Angehörige), Hilfsmittel für körperliche Kühlung (z. B. Eis,
Coolpacks, kalte Wickel, Fußbäder und Duschen)

Weiters wurden speziell in den Bereichen Rettungs- und
Krankentransport und mobile Pflege die Klimatisierung öffentlicher
Verkehrsmittel , an Hitze angepasste Kleidung und Uniformen (z. B.
das Tragen von leichter, luftdurchlässiger Kleidung, Sonnenschutz und
gelockerte Vorschriften bei Dienstkleidung) sowie die Erweiterung der
Telemedizin während Hitzewellen , speziell für vulnerable Personen
und pflegende Angehörige als besonders wichtig bewertet.

Als zentrales Ergebnis des Projekts entstehen neben
Handlungsempfehlungen auch digitale Tools, die Organisationen beim
Management und Einsatz von Hitzeschutzmaßnahmen unterstützen sollen,
darunter beispielweise ein digitales Resilienzcheck-Tool , das
Einrichtungen dabei helfen soll, Gefährdungslagen frühzeitig zu
erkennen und Gegenmaßnahmen zu koordinieren.

Zwtl.: Der nächste Sommer kommt bestimmt

„Individuelle Strategien wie morgens lüften oder die
Wasserflasche im Blickfeld helfen kurzfristig, reichen aber bei nicht
aus“, betonen die Projektverantwortlichen. „Was es braucht, sind
strukturelle Antworten – von der Politik, von Trägern und von
Einrichtungen.“ So könnte der Yellow September ein Anstoß sein,
wichtige Hitzeschutzmaßnahmen bereits jetzt in Angriff zu nehmen und
uns gut auf die Hitzesaison 2027 vorzubereiten, zum Wohle von uns
allen und speziell auch für vulnerable Mitmenschen.“

Über PARAHSOHL

PARAHSOHL ist ein Forschungsprojekt der Johanniter Forschung mit
österreichweiten Projektpartner:innen. Es wird von der
Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft FFG finanziert und
von der Gesundheit Österreich GmbH geleitet.

(SERVICE – Die Johanniter-Unfall-Hilfe in Österreich zählt mit
fast1.500 Mitarbeitenden, davon mehr als die Hälfte Ehrenamtliche, zu
den führenden Rettungs- und Hilfsorganisationen Österreichs.
Fördernde Mitglieder sowie Spender:innen unterstützen die Arbeit der
Johanniter und ermöglichen mit ihren Beiträgen ein breites Spektrum
an sozialen und karitativen Leistungen, etwa Rettungsdienst und
Krankentransport, Wohnungslosenhilfe, Gesundheits- und
Hauskrankenpflege, Palliativpflege, Soziale Dienste, Erste-Hilfe-
Ausbildung, Katastrophenhilfe, Forschung und Jugendarbeit:
www.johanniter.at )