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Wenn Eisberge zur Handelsroute gehören: Fraunhofer Austria entwickelt Frühwarnsystem für die Arktis

Wien (OTS) – Der Klimawandel verändert die Landkarten des Welthandels
– und bringt
Österreichs Wirtschaft, die auf verlässliche Lieferketten angewiesen
ist, nicht nur Risiken, sondern auch Chancen. Über den Seeweg
zwischen Asien und Europa laufen jährlich mehr als 26 Millionen
Container, meist durch den Suezkanal. Seit Ende 2023 ist diese Route
durch Angriffe im Roten Meer gestört, das Frachtaufkommen brach
zeitweise um bis zu 82 Prozent ein. Viele Reedereien weichen auf den
längeren Weg um das Kap der Guten Hoffnung aus. Verschärft wird die
Lage durch den Krieg im Nahen Osten, der auch die Straße von Hormus –
eine weitere Engstelle des Welthandels – riskanter und weniger
verlässlich macht. Als Alternative rückt die Arktische Nordostpassage
entlang Russlands Nordküste in den Fokus: Unter guten Bedingungen ist
sie bis zu 40 Prozent kürzer als die Suezroute, ihr Zeitfenster
wächst mit dem schwindenden Eis. Damit wächst aber auch eine
unterschätzte Gefahr: Der beschleunigte Eisabbau treibt mehr Eisberge
in die Passage – darunter kleine, kaum sichtbare Bruchstücke,
sogenannte Growler, die für Radarsysteme schwer erkennbar sind und
Schiffsrümpfe schwer beschädigen können, aber auch große Exemplare,
die Schiffe an der Weiterfahrt hindern können. Rettungs- und
Ersatzkapazitäten sind kaum vorhanden, ein System, das Erkennung,
Verfolgung und Driftvorhersage vereint, gibt es bislang nicht.

Zwtl.: Von der Bachelorarbeit zum Forschungsprojekt

Genau hier setzt das Projekt “AIceberg” an, an dem bei Fraunhofer
Austria ein ganzes Team arbeitet. Den Ausgangspunkt lieferte
Forscherin Alba Heiss in ihrer Bachelorarbeit über die
Widerstandsfähigkeit globaler Lieferketten, in der sie sich mit dem
im Suezkanal festgefahrenen Frachter beschäftigte und der Frage, wie
stark ein blockiertes Schiff den Welthandel treffen kann. Daraus
wuchs die Idee, die Nordostpassage mit einer verlässlichen Eisberg-
Frühwarnung sicher nutzbar zu machen. „Wir wollen zeigen, welche
Alternativen es gibt, die auch der Umwelt helfen“, erzählt sie. Das
Prinzip ließe sich später auch auf andere Regionen übertragen, etwa
die Nordwestpassage.

Privat ist Heiss viel auf dem Wasser: Sie ist ausgebildete
Skipperin und österreichische Inshore-Staatsmeisterin sowie Offshore-
Vizestaatsmeisterin im Segeln. Bei Regatten fährt sie oft als
Taktikerin – jene Position, die Wind- und Strömungsmodelle liest und
die Route berechnet.

Zwtl.: Ein zweiter Partner mit Blick von oben

Mit an Bord ist die Spatial Services GmbH, Spezialist für
Satellitenbeobachtung. Das Team um Geschäftsführer Markus
Kerschbaumer beobachtet aus dem Weltall, wie sich Eisberge bewegen –
mit Radarbildern des Sentinel-1 Satelliten aus dem europäischen
Erdbeobachtungsprogramm Copernicus, der auch bei Dunkelheit und
Wolken die Arktis abtastet. Daraus soll die Pipeline entstehen, die
Eisberge erkennt, ihren Weg nachzeichnet und ihre Drifts vorhersagt.
„Dieses geförderte österreichische Projekt wird es ermöglichen, die
maritime Weltwirtschaft nachhaltig und sicher mitzugestalten“, sagt
Kerschbaumer.

Zwtl.: Die Ziele: Daten, die zusammen ein Warnsystem ergeben

Fraunhofer Austria und Spatial Services teilen sich die Arbeit:
Spatial Services erkennt Eisberge auf Satellitendaten und baut die
Weboberfläche. Fraunhofer Austria führt die Daten zusammen –
Strömungen, Wetter, Satellitenbilder – und entwickelt Modelle, die
berechnen, wohin ein Eisberg treibt und was das für die Route
bedeutet.

Am Ende des Projekts, dessen Projektträger und Förderer die
Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) ist, sollen
vier Ergebnisse stehen: verlässliche Eisbergerkennung, eine Methode
zur Nachverfolgung zurückgelegter Eisbergwege, ein Vorhersagemodell
mit mindestens 25 Prozent höherer Genauigkeit sowie ein Demonstrator
für Reedereien mit Risikoeinschätzung je Route. Alle Daten, Modelle
und der Code werden offen zugänglich sein.

Gestartet wird im Herbst, zunächst mit der Prüfung verfügbaren
Kartenmaterials und Gesprächen mit Reedereien, damit reale
Bedingungen einfließen. „Es soll keine akademische Übung werden“,
betont Heiss.

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