Schönheit

Grüne Wien/Stark, Moalla zu Westbahnareal: Sima muss Klimastudie offenlegen

Wien (OTS) – Gerade nach diesem Hitzesommer ist klar: Wien braucht
jeden
natürlichen Kühlungseffekt, den die Stadt noch hat. Das Westbahnareal
im dicht verbauten 15. Bezirk ist daher weit mehr als eine
Entwicklungsfläche. Die Stadtklimaanalyse der Stadt Wien weist das
Areal als Teil eines klimatisch relevanten Bereichs aus. Gleichzeitig
will die Stadt Wien am kommenden Dienstag, dem 15. September,
erstmals öffentlich über die konkreten Vorhaben und den
Planungswettbewerb für das Westbahnareal informieren. Unmittelbar
davor wurden nun per Presseaussendung Ergebnisse einer neuen
„Klimabewertung“ zum Westbahnareal bekannt. Demnach werde das
Projektgebiet von Ausläufern der Kaltluft aus dem Wienerwald über das
Wiental „nur in sehr geringem Ausmaß“ erreicht. Die Studie selbst
wurde jedoch nicht veröffentlicht.

Für die Grünen wirft diese Aussendung mehr Fragen auf als sie
beantwortet: „Was bedeutet „sehr geringes Ausmaß“ konkret? Auf
welcher Datengrundlage beruht diese Aussage? Wurden die
Kaltluftströme unter realen Bedingungen gemessen – und wenn ja, wann,
wo und über welchen Zeitraum? Welche unterschiedlichen
Bebauungsszenarien wurden untersucht und miteinander verglichen“, so
Kilian Stark, Planungssprecher der Grünen Wien.

„Der heurige Hitzesommer war ein Weckruf. Wenn Wien Temperaturen von
über 40 Grad erlebt, muss der Schutz der natürlichen Kühlung der
Stadt oberste Priorität haben. Jetzt wird mit den Ergebnissen einer
neuen Studie argumentiert, aber die Studie selbst bleibt unter
Verschluss. So kann keine transparente Debatte über die Zukunft eines
der wichtigsten Entwicklungsgebiete der Stadt geführt werden. Ich
fordere Stadträtin Sima auf, die vollständige Studie samt
Datengrundlagen und Methodik auf den Tisch zu legen“, so Stark
weiter.

Intransparenz und fehlende öffentliche Informationen

Die Grünen kritisieren, dass es über die Entwicklung des
Westbahnareals seit Jahren viel zu wenig öffentliche Informationen
gibt. Stadt Wien und Projektentwickler verfügen über Studien,
Planungen und Daten, während Öffentlichkeit, Bezirk und Opposition
immer wieder nur ausgewählte Ergebnisse präsentiert bekommen. Die
bisherige Vorgangsweise der Stadt hat damit nicht zur
Vertrauensbildung beigetragen. „Bei einer Entscheidung, die das
Stadtklima für Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte beeinflussen kann,
reichen Zusammenfassungen und Interpretationen der Projektentwickler
nicht. Wir wollen wissen, was tatsächlich untersucht wurde und was
die Daten aussagen. Wenn die Stadt diese Informationen nicht
freiwillig offenlegt, werden wir alle Möglichkeiten nutzen, um
Transparenz herzustellen – gegebenenfalls auch über Anfragen nach dem
Informationsfreiheitsgesetz“, so Stark.

Dabei stellen die Grünen klar, dass sie eine Entwicklung des
Westbahnareals nicht grundsätzlich ablehnen. Die derzeit vorgesehene
großflächige und hohe Bebauung sehen sie jedoch weiterhin äußerst
kritisch: „Wir sind nicht kategorisch gegen eine Entwicklung des
Areals, aber vehement gegen die derzeit geplante großflächige und
hohe Bebauung. Für uns sind zwei Dinge entscheidend: die Klimawirkung
des Areals für die umliegenden Bezirke bis hinein in die Innenstadt
und eine ausreichende Grünraumversorgung für den dicht verbauten 15.
Bezirk. Erst wenn beides gesichert ist, kann über die weitere
Entwicklung gesprochen werden“, so Stark.

Fehlende Aufklärung über geplantes Logistikzentrum

Weiters kritisieren die Grünen über die unzureichende Aufklärung zum
geplanten Logistikzentrum: „Ein Logistikzentrum im 15. Bezirk? Damit
die großen Versandhäuser uns noch mehr mit Paketen fluten können? Wer
die Branche kennt, weiß, Pakete kommen mit LKWs und die bringen
Verkehr, Lärm und Abgase“, so Haroun Moalla, Bezirksvorsteher-
Stellvertreter der Grünen in Rudolfsheim-Fünfhaus.

Die Grünen fordern Stadträtin Ulli Sima auf, die vollständige
Klimastudie samt Methodik, Messdaten und untersuchten Szenarien
umgehend zu veröffentlichen und die offenen Fragen noch vor weiteren
Entscheidungen über die Entwicklung des Westbahnareals transparent zu
beantworten.