Osnabrück/Aachen (OTS) – Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU)
vergibt dieses Jahr den
Deutschen Umweltpreis in Höhe von insgesamt 500.000 Euro an die
Hamburger Umweltjuristin Dr. Roda Verheyen und Membranfilter-
Ingenieur Dr. Klaus Vossenkaul , Gründer und Geschäftsführer der
Firma Membion . Überreicht wird die Ehrung, die zu den
höchstdotierten Umweltauszeichnungen Europas zählt, von
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am Sonntag, 25. Oktober, beim
Festakt in Aachen.
Betroffenen des Klimawandels eine Stimme gegeben
Verheyen und Vossenkaul leisten laut DBU-Generalsekretär
Alexander Bonde „innovative Pionierarbeit und bringen den
Umweltschutz voran“. Verheyen setze sich „seit Jahren für
Klimagerechtigkeit“ ein. Bonde: „Sie gibt Betroffenen des
Klimawandels eine Stimme.“ Vossenkaul wiederum habe als Unternehmer
„mit Mut, Beharrlichkeit und Innovationskraft Lösungen gefunden, um
die lebenswichtige Ressource Wasser besser zu schützen“. Ihm sei „ein
ganz wichtiger Schritt in der Abwasserreinigung gelungen“. Als
Mitgründer früherer Firmen bringe er zudem „umfangreiche Expertise“
mit.
Membranfilter-Betrieb Membion startete als Garagenfirma
Vossenkauls Betrieb mit heute 40 Mitarbeitenden ist buchstäblich
2012 als Garagenfirma entstanden. Sitz ist bis heute ein altes Haus
in Roetgen mit einer kleinen Halle, das früher eine Weberei war. In
den ersten Jahren kümmerten sich allein Vossenkaul und sein
Mitstreiter, Verfahrenstechnik-Ingenieur Dirk Volmering ,
ausschließlich um die Weiterentwicklung der Membranbioreaktoren(MBR)-
Technologie . Das Ergebnis könnte die Abwasserreinigung
revolutionieren: ein energieeffizientes und platzsparendes
Reinigungssystem mit Hohlfasermembranfiltern – dünne Röhrchen, die
beim Einsatz in Kläranlagen aus dem Klärschlamm kristallklares Wasser
filtrieren. Sie sehen aus wie Spaghetti, sind hohl wie Makkaroni und
etwa 1,60 Meter lang. Feine Poren filtern problematische Stoffe wie
Mikroplastik, Krankheitserreger und multiresistente Keime aus dem
Abwasser heraus. Membranfilter-Technologie sorgte zwar bisher schon
für mannigfach bessere Wasserqualität als konventionelle
Abwasserreinigung. Der Haken aber: Unter anderem zu hoher
Energieverbrauch für die Spülung der Membranen zum Vermeiden von
Schlamm-Verstopfung hielt viele Kläranlagenbetreiber von einer
Installation ab. Vossenkaul verbesserte die den klassischen
Kläranlagen technisch und ökologisch bereits überlegene
Membranfiltertechnologie derart, dass sie nun auch kostenmäßig
konkurrenzfähig ist.
„Das ist GreenTech made in Germany und hat das Zeug zum
Exportschlager“
„Das ist GreenTech made in Germany und hat das Zeug zum
Exportschlager“, sagt DBU-Generalsekretär Bonde. Tatsächlich wird
Membion-Technologie bereits in der Industrie eingesetzt, unter
anderem beim weltgrößten Pommes-Produzenten McCain . Und: Sie ist
Herzstück von Deutschlands größter Membran-Kläranlage, die derzeit in
Wolfsburg-Stahlberg entsteht. Von den bundesweit rund 8700
Kläranlagen stehen Hunderte vor einem solchen Umbruch: Die
Kommunalabwasser-Richtlinie (KARL) der EU verlangt bis Ende Juli 2027
für Anlagen ab bestimmter Größe oder in Risikogebieten eine
zusätzliche vierte Reinigungsstufe gegen Mikroschadstoffe. Vossenkaul
sieht sich dafür gerüstet: mit einer vollautomatisierten
Membranproduktion und durch ein Modulsystem. Verschiedene Elemente
lassen sich leicht ineinanderstecken. Mehr als 1600 „Makkaroni“-
Membranen sind in einem Fußelement verankert und schweben frei wie
Seegras in geschlossenen mannshohen Gehäusen, die im Schlamm der
Kläranlage eingetaucht sind. In Wolfsburg werden künftig 3000 solcher
Fußelemente eingesetzt. Die Spülung der Membranen erfolgt
sekundenschnell in einem Luftschwall durch den “ JetSplash “ (
Wasserspritzer), eines von Vossenkauls 28 Patenten. Das von den
Kläranlagen abfließende kristallklare Wasser schont
Oberflächengewässer wie Flüsse, Seen und Talsperren und ist geeignet
etwa für Bewässerung in der Landwirtschaft. Das wiederum schont
Grundwasser, aus dem Trinkwasser gewonnen wird – zunehmend bedeutend
wegen Extremwetters mit Dürre und Hitze infolge des Klimawandels.
Verheyens konsequenter Einsatz für die Durchsetzung rechtlicher
Vorgaben zum Umwelt- und Klimaschutz
Verheyen wiederum engagiert sich seit mehr als zwei Jahrzehnten
nach Bondes Worten mit großer Kraft dafür, rechtliche Vorgaben zum
Schutz von Klima und Umwelt durchzusetzen. Die Hamburger
Umweltjuristin wende abstrakte Regeln aus nationalem und
internationalem Recht auf konkrete Fälle an „und macht sie so
wirksam. Sie verschafft Menschen Gehör, die von Klimafolgen betroffen
sind.“ Und sie trage dazu bei, auch die Rechte künftiger Generationen
zu wahren. Bonde: „Sie hat entscheidend mitgeholfen, dass Gerichte
Umwelt- und Klimaaspekte angemessen berücksichtigen können.“ Die
„hervorragende Kommunikatorin“ vermittle komplexe Sachverhalte einer
breiten Öffentlichkeit.
„Wichtiger Beitrag für langfristigen Klima- und Umweltschutz“
Die Umweltjuristin kam 1972 in Düsseldorf zur Welt und wuchs in
Hamburg auf, wo sie wie auch in London und Oslo Jura studierte. Als
Anwältin beschäftigte sie sich seit jeher mit Fragen, die aus
Klimawandel und Änderungen in der Umwelt resultieren. Verheyen sieht
sich als „Möglichmacherin“, die angesichts der Klimakrise die
Handlungsfähigkeit des Staates stärkt. Dafür nutzt sie die ganze
Bandbreite juristischer Handlungsmöglichkeiten. So tritt sie als
Sachverständige auf, erarbeitet Gesetzesinitiativen, berät Politik
und Zivilgesellschaft und verfasst wegweisende Klagen. Ihre
juristisch stichhaltige Argumentation liefere „einen wichtigen
Beitrag für langfristigen Klima- und Umweltschutz“, sagt DBU-
Generalsekretär Bonde.
– Daten, Zahlen, Fakten auch im DBU-Umweltpreis-Blog:
Hintergrund:
Der 2026 zum 34. Mal verliehene Deutsche Umweltpreis der DBU
zeichnet Leistungen von Menschen aus, die vorbildlich zum Schutz und
Erhalt der Umwelt beitragen. Für Vorschläge an die DBU sind etwa
Arbeitgeberverbände, Gewerkschaften, Kirchen, Umwelt- und
Naturschutzverbände, wissenschaftliche Vereinigungen,
Forschungsgemeinschaften, Medien, das Handwerk und
Wirtschaftsverbände berechtigt. Selbstvorschläge sind nicht möglich.
Eine vom DBU-Kuratorium ernannte Jury unabhängiger Fachleute aus
Wirtschaft, Wissenschaft, Technik und gesellschaftlichen Gruppen
empfiehlt dem DBU-Kuratorium Preisträgerinnen und Preisträger für das
jeweilige Jahr. Das DBU-Kuratorium fällt die endgültige Entscheidung.
Infos zum Deutschen Umweltpreis und Ausgezeichneten:
https://www.dbu.de/umweltpreis .
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