Wien erlebt Hitzerekorde, Grüne Wirtschaft Wien fordert Anpassungsstrategie

Wien (OTS) – Der Sommer 2026 brachte einen Hitzerekord nach dem
nächsten, die
vergangenen zwölf Monate waren die trockensten seit Beginn der
Aufzeichnungen im Jahr 1850. Die Transformation unseres
Wirtschaftssystems ist keine politische Wunschvorstellung und schon
gar kein Luxusprojekt. Der Klimawandel ist längst in der Wiener
Wirtschaft angekommen. Hitze, Trockenheit und Extremwetterereignisse
treffen nicht nur die Landwirtschaft, sondern zunehmend auch
Bauwirtschaft, Produktion, Handel, Tourismus und die
Kreativwirtschaft. Aktuelle Berichte über Trockenheit und die
schwierige Situation der Landwirtschaft unterstreichen diese
Entwicklung.

„ Wir können nicht länger so tun, als wäre die ökologische
Transformation eine Option, die man beginnen kann, wenn man
dazukommt. Sie findet bereits statt – die Frage ist nur, ob wir sie
gestalten oder von den Folgen überrollt werden “, sagt Sonja Franzke,
Regionalsprecherin der Grünen Wirtschaft Wien.

Landwirtschaft zeigt die wirtschaftlichen Folgen unmittelbar

Dürre, ausbleibende Niederschläge und steigende Temperaturen
führen zu Ernteausfällen und höheren Produktionskosten. Was auf den
ersten Blick ein Problem außerhalb Wiens ist, wird rasch zu einem
Problem der Wiener Wirtschaft: Wenn regionale Lebensmittel knapper
werden, steigen Preise und Importabhängigkeiten.

„ Wenn Wasser zur knappen Ressource wird und Futtermittel fehlen,
endet die Diskussion über Klimaschutz nicht am Stadtrand. Sie landet
im Supermarkt, im Gastgarten und schließlich bei den Konsumentinnen
und Konsumenten. Klimapolitik ist auch Wirtschaftspolitik und
Standortpolitik “, so Hans Arsenovic, Wiener Gemeinderat und
Wirtschaftssprecher der Grünen Wien.

Best Practices statt Gießkanne

Die Grüne Wirtschaft fordert deshalb einen grundlegenden Umbau
der Förderpolitik. Öffentliche Mittel sollten verstärkt dort
eingesetzt werden, wo Unternehmen nachweislich in Energieeffizienz,
Kreislaufwirtschaft, erneuerbare Energien, klimafitte Produktion,
regionale Wertschöpfung oder resiliente Lieferketten investieren.

Dabei müsse insbesondere auf kleine und mittlere Unternehmen
Rücksicht genommen werden. Große Unternehmen könnten Investitionen in
Klimaanpassung, Digitalisierung oder neue Produktionsverfahren häufig
leichter stemmen. Für einen kleinen Handwerksbetrieb, ein
Kreativunternehmen oder einen Ein-Personen-Betrieb könne dieselbe
Investition existenzentscheidend sein.

Hitze wird zur Arbeitszeitfrage

Gleichzeitig müsse die Diskussion über Klimaanpassung stärker auf
die Arbeitswelt ausgeweitet werden. Extreme Temperaturen führen
bereits heute dazu, dass Arbeiten im Freien eingeschränkt, verschoben
oder unterbrochen werden müssen. Das betrifft etwa Bauarbeiter:innen,
Dachdecker:innen, Installateur:innen oder Landschaftsgärtner:innen.

Doch die Folgen reichen weit darüber hinaus. Auch Büros,
Werkstätten, Ateliers, Veranstaltungsorte und Produktionsstätten
können bei extremer Hitze nur eingeschränkt genutzt werden. In der
Kreativwirtschaft können Dreharbeiten, Veranstaltungen, Produktionen
oder Aufbauten nicht beliebig in kühlere Tageszeiten verschoben
werden.

Klimaanpassung ist auch eine Frage der Vereinbarkeit

Besonders unterschätzt werde die indirekte Wirkung des
Klimawandels auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Wenn
Schulen oder Kindergärten aufgrund extremer Hitze ihren Betrieb
einschränken oder kurzfristig schließen müssen, entsteht für Eltern
eine zusätzliche Betreuungsbelastung.

Diese Last werde weiterhin überproportional von Frauen getragen.

„ Klimaanpassung ist auch Gleichstellungspolitik. Wenn ein
Kindergarten wegen extremer Temperaturen schließt und plötzlich
Betreuung fehlt, kann das für eine Unternehmerin, eine Mitarbeiterin
oder eine Alleinerzieherin bedeuten, dass sie ihre Arbeit nicht
erledigen kann. Die Care-Arbeit verschwindet nicht – sie wird nur auf
die Familien/Frauen abgewälzt “, warnt Franzke.

Eine zukunftsfähige Wirtschaftspolitik müsse daher Klimaschutz,
Arbeitsmarkt, Kinderbetreuung und soziale Infrastruktur gemeinsam
denken.

Weitere Belastungen kommen hinzu

Auch andere Bereiche würden zunehmend mit den Folgen der
Klimaveränderung konfrontiert. Der Wien-Tourismus müsse sich auf
veränderte Saisonverläufe, zunehmende Hitzeinseln und höheren
Kühlbedarf einstellen.

Für Unternehmen werde damit Resilienz zu einem ebenso wichtigen
Standortfaktor wie Steuern, Arbeitskosten oder Infrastruktur.

„ Das nachhaltigste Unternehmen ist nicht jenes, das die schönste
Broschüre über Klimaschutz produziert. Es ist jenes, das sein
Geschäftsmodell so verändert, dass es auch unter den Bedingungen von
morgen noch funktioniert “, so Franzke.

Unternehmen brauchen klare Rahmenbedingungen

Die Grüne Wirtschaft fordert daher von der Wirtschaftskammer Wien
sich bei Stadt und Bund für eine gemeinsame Task Force einzusetzen,
die Anpassungsstrategie für den Wirtschaftsstandort erarbeitet und
auf kurzem Weg reagiert. Dazu gehören:

– eine stärkere Ausrichtung von Förderungen auf nachweisbare
ökologische Transformation und Klimaanpassung,

– besondere Unterstützung für kleine und mittlere Unternehmen,

– Investitionen in hitzetaugliche Arbeitsplätze und Infrastruktur,

– verlässliche und leistbare Kinderbetreuung auch bei Extremwetter,

– bessere Beratung für Betriebe bei Energieeffizienz,
Kreislaufwirtschaft und Klimaanpassung,

– Investitionen in regionale Wertschöpfung und resiliente
Lieferketten,

– Unterstützung für Unternehmen, die ihre Produktions- und
Arbeitsprozesse klimafit machen,

– sowie langfristige politische Planungssicherheit statt ständig
wechselnder Förderbedingungen.

„ Unternehmen wollen handeln. Was sie nicht brauchen, sind
weitere Sonntagsreden oder Interessensvertretungen, die sich mit sich
selbst beschäftigen. Sie brauchen klare Ziele, verlässliche
Rahmenbedingungen und eine Förderpolitik, die jene belohnt, die heute
investieren, damit Wien morgen noch wirtschaftlich erfolgreich sein
kann “, so Arsenovic abschließend.