Hattmannsdorfer: Hitzesommer bestätigt Fokus auf Speicheroffensive

Wien (OTS) – „ Energie muss sicher, sauber und leistbar sein. Der
Hitzesommer
zeigt sehr deutlich, was wir dafür brauchen: mehr Speicher. Wenn wir
mittags günstigen heimischen Strom im Überschuss haben, müssen wir
ihn für den Abend speichern können – statt dann teuer Strom aus dem
Ausland zukaufen zu müssen. Unser Ziel ist klar: günstige
Eigenproduktion besser nutzen. Dafür brauchen wir mehr richtig
eingesetzte Speicher – vom Haushalt über große Batteriespeicher bis
zu unseren Pumpspeichern. Genau darauf richten wir unsere
Energiepolitik jetzt noch stärker aus“, so Wirtschaftsminister
Wolfgang Hattmannsdorfer.

Hitzetage zeigen neue Herausforderung im Stromsystem

Der Sommer 2026 war bisher ein Stresstest für das österreichische
Stromsystem: außergewöhnlich hohe Temperaturen, wenig Niederschlag
und sehr viel Sonnenstrom. Während die Wasserkrafterzeugung gedämpft
war, erreichte die Photovoltaik zu Mittag regelmäßig ihre Spitze –
mit viel günstigem heimischem Strom und zeitweisen Überschüssen. Am
Abend fällt die PV-Produktion rasch ab, während Verbrauch und Preise
steigen. Genau diese Lücke müssen künftig mehr Speicher schließen.

Der vergangene Samstag zeigt exemplarisch: Bei einem
Tagesverbrauch von 120,1 GWh wurden in Österreich 117,8 GWh Strom
erzeugt , davon rund 30 Prozent aus Photovoltaik . Zu Mittag entstand
eine PV-Stromspitze von 4,3 GW, während die Tageslastspitze von 6,1
GW am Abend auf praktisch keine PV-Erzeugung mehr traf. Das Ergebnis
spiegelt sich auch in der Preisbildung wider: Der durchschnittliche
Großhandelspreis von 10-16 Uhr betrug 14 Euro/MWh und in den
Abendstunden rund 180 Euro/MWh. Unsere Aufgabe ist klar: günstigen
Strom aus der Mittagsspitze speichern und für die teureren
Abendstunden verfügbar machen.

Dafür setzt das Energieministerium unter anderem folgende
Maßnahmen im Rahmen einer Speicheroffensive:

– Neue Photovoltaik Förderung mit Fokus auf Speicher

– Berücksichtigung von Speicherinfrastruktur im neuen
Netzinfrastrukturplan

– Beschleunigung von Genehmigungsverfahren von Batteriespeichern (
EABG)

– Eigenes Förderprogramm für intelligente Energiemanagementsysteme
für Haushalte und Betriebe

„ Die Herausforderung ist nicht, dass wir im Sommer zu wenig
günstigen heimischen Strom erzeugen. Wir müssen ihn dann verfügbar
machen, wenn wir ihn brauchen. Speicher bringen richtig eingesetzt
den günstigen Sonnenstrom vom Mittag in die teureren Abendstunden.
Genau das macht unser Energiesystem effizienter und entlastet
gleichzeitig die Netze“, so Hattmannsdorfer.

Gleichzeitig hat das österreichische Stromsystem auch unter
diesen anspruchsvollen Bedingungen seine hohe Versorgungssicherheit
bewiesen. Die aktuellen Zahlen der E-Control zeigen, dass Österreich
über eine der verlässlichsten Strom- und Gasversorgungen Europas
verfügt. Diese Stärke gilt es abzusichern – mit leistungsfähigen
Netzen, mehr Resilienz und ausreichend Speicherkapazität, um günstige
heimische Erzeugung auch dann verfügbar zu machen, wenn sie
tatsächlich gebraucht wird.

Förderpolitik wird neu ausgerichtet

Mit dem starken Ausbau der Photovoltaik hat sich die
Herausforderung im Stromsystem verändert: Entscheidend ist nicht mehr
nur, wie viel Strom produziert wird, sondern wann er verfügbar ist,
gespeichert werden kann und die Netze entlastet. Batteriespeicher
können intelligent eingesetzt Stromüberschüsse zu Mittag aufnehmen
und bereitstellen, wenn Verbrauch und Preise am Abend steigen.

Daher soll die EAG-Investitionsförderung ab 2027 grundlegend neu
ausgerichtet werden.

Kernpunkte der Reform

– Ende von First-Come-First-Serve: Förderanträge sollen künftig nach
Installation und Rechnungslegung gestellt werden können – nach dem
Prinzip des Handwerkerbonus.

– Fokus auf intelligente Energiemanagementsysteme in Kombination mit
Speichern: Die breite Förderung klassischer kleiner PV-Anlagen soll
auslaufen. Im Fokus stehen künftig Energiemanagementsysteme und
intelligente Speicher, die Eigenverbrauch erhöhen und Netze
entlasten.

– Bestehende PV-Anlagen nachrüsten: Speicher sollen in Kombination
mit der Installation eines EMS auch unabhängig von der Neuerrichtung
einer PV-Anlage gefördert werden können. Damit wird die Nachrüstung
bestehender Anlagen attraktiver.

– Innovative PV bleibt förderfähig: Gebäudeintegrierte PV, Agri-PV,
Parkplatzüberdachungen, schwimmende PV sowie Anlagen an
Lärmschutzwänden sollen weiterhin unterstützt werden.

– Made in Europe stärken: Europäische Wertschöpfung soll in der neuen
Förderlogik weiterhin berücksichtigt werden. Wer bei zentralen
Komponenten auf europäische Produktion setzt, soll einen Bonus
erhalten.

Hohes Speicherpotenzial in Österreich

– Laut ersten Zahlen einer vom Wirtschaftsministerium in Auftrag
gegebenen Speicherstudie sind aus volkwirtschaftlicher Sicht bis zu 8
GW marktorientierte Batteriekapazität bis 2030 nützlich.

– Laut dieser Studie können je nach Szenario zusätzliche
Batteriespeicher den Großhandelspreis 2030 um bis zu 2 Euro je MWh
reduzieren.

– Rein rechnerisch entspräche das bei einem Halbjahresverbrauch von
rund 34 TWh einem Einsparungspotenzial von bis zu 68 Millionen Euro
für das erste Halbjahr 2026.

– Aktuell sind in Österreich laut Branchenprognosen mehr als 3,2 GWh
Batteriespeicher installiert, ein Großteil der Speicher mit einer
Speicherkapazität unter 50 kWh. Zusätzlich sind in Österreich 6,2 GW
Pumpspeicher installiert.

E-Control bei Speicher-Regeln gefordert

Entscheidend für den notwendigen Speicherhochlauf sind neben der
Förderung auch die Netzentgelte. Daher braucht es die richtigen
Rahmenbedingungen für Speicher, damit sich Projekte wirtschaftlich
rechnen können. Zugleich müssen die Anzahl und die Ausgestaltung der
im aktuellen Entwurf der E-Control vorgesehenen Kriterien für
systemdienliche Speicher nochmals überprüft werden. Die
Rahmenbedingungen müssen praxistauglich und ausreichend breit gefasst
sein, damit der Speicherhochlauf nicht durch zu enge zu erfüllende
Voraussetzungen ausgebremst wird.

„ Unser Ziel ist klar: günstigen heimischen Strom dann verfügbar
machen, wenn wir ihn brauchen. Dafür brauchen wir mehr intelligente
Speicher – vom Haushalt bis zum Großspeicher. Es kann nicht sein,
dass wir einen volkswirtschaftlichen Bedarf an Speichern haben und
sie gleichzeitig durch zu enge Regeln ausbremsen. Hier muss die E-
Control nachschärfen. Wer das Netz entlastet, heimischen Strom besser
nutzbar macht und Preisspitzen dämpft, muss dafür auch die richtigen
Rahmenbedingungen vorfinden “, so Hattmannsdorfer abschließend.

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