Wien (OTS) – In Leopoldsdorf im Bezirk Bruck an der Leitha ist ein
zweites
Rechenzentrum geplant, wenige hundert Meter neben jenem des US-
Konzerns CloudHQ, das in drei Gebäuden auf 200 Megawatt
Anschlussleistung kommen soll. Öffentlich bekannt wurde auch dieses
zweite Vorhaben erst durch Medienberichte. Für den Digitalisierungs-
und Netzpolitiksprecher der Grünen, Süleyman Zorba, zeigt der Fall,
wie wenig Öffentlichkeit es beim Ausbau von Rechenzentren gibt.
„Überall in Österreich schießen Rechenzentren aus dem Boden und
die Betroffenen erfahren davon aus der Zeitung. Wer ein Projekt
dieser Größenordnung plant, muss die Zahlen zu Stromverbrauch,
Flächenbedarf, Lärm und Abwärme von Beginn an offenlegen“, fordert
Zorba.
Der Grund liegt für Zorba im Umweltverträglichkeitsprüfungsgesetz
des Bundes. Rechenzentren sind dort bis heute nicht als eigener
Vorhabenstyp erfasst, unabhängig von ihrer Größe. Eine im Juli
veröffentlichte Studie des Ökobüro schlägt eine Prüfpflicht ab 50
Megawatt Anschlussleistung vor, bei Entnahme von Kühlwasser bereits
ab 20 Megawatt.
„Für ein einzelnes Windrad braucht es bei uns Bewilligungen nach
Naturschutz-, Elektrizitäts- und Raumordnungsrecht, ein Rechenzentrum
dieser Größenordnung kommt ohne Umweltverträglichkeitsprüfung aus“,
kritisiert Zorba. „Ohne UVP werden Stromverbrauch, Wasser, Fläche,
Lärm und Abwärme nie in Zusammenhang beurteilt und
Umweltorganisationen sowie Nachbargemeinden haben in den
Genehmigungsverfahren gar keine Parteistellung. Diese Lücke gehört
noch heuer geschlossen, die angekündigte UVP-Novelle wäre die
Gelegenheit dafür.“
Für Zorba ist der Ausbau darüber hinaus eine Frage der digitalen
Souveränität. „Es geht um unseren Strom, unseren Boden und um unsere
Daten. Hier bauen US-BigTechs die Infrastruktur und vermieten die
Rechenleistung weiter, ein großer Teil der Wertschöpfung fließt ab
und über die Daten entscheiden am Ende andere. Wir brauchen
europäische Anbieter, bei denen unsere Daten auch europäischem Recht
unterliegen, und wir brauchen verbindliche Auflagen zu Abwärmenutzung
und erneuerbarem Strom, damit die Regionen etwas vom Ausbau haben.“
Zorba fordert von der Bundesregierung eine UVP-Pflicht für große
Rechenzentren und einen öffentlich einsehbaren Überblick über alle
geplanten Projekte samt Strom-, Wasser- und Flächenbedarf.
„Rechenzentren werden wir brauchen, das bestreitet niemand. Gebaut
werden müssen sie aber unter Bedingungen, die wir festlegen, und
nachvollziehbar für die Menschen, die daneben wohnen.“