Wien (OTS) – Die Kleinwasserkraft-Branche steht aufgrund der geringen
Niederschläge in den vergangenen Monaten unter finanziellem Druck.
Während Entschädigungen für Branchen wie die Landwirtschaft aktuell
diskutiert werden, bleibt die Kleinwasserkraft bislang
unberücksichtigt. Kleinwasserkraft Österreich fordert einen Ausgleich
für klimabedingte Ertragsausfälle sowie die Abschaffung des rechtlich
fragwürdigen Energiekrisenbeitrag-Strom.
Zwtl.: Die Kleinwasserkraft auf dem Trockenen
Die letzten zwölf Monate waren die trockensten seit Beginn der
Aufzeichnungen. Das hat auch die Kleinwasserkraft zu spüren bekommen.
Besonders im Osten Österreichs gab es derart wenig Niederschlag, dass
einzelne Kraftwerke in den letzten Wochen abgeschaltet werden
mussten, um die vorgeschriebene Mindestwassermenge einzuhalten und
dadurch den ökologischen Verpflichtungen nachzukommen.
„ Bereits im Winterhalbjahr gab es zu wenig Niederschlag, das
setzte sich im Frühling fort. Im Sommer gab es bisher so gut wie
keinen. Dadurch steuern einzelne Kraftwerke auf teils unter 50 % der
Jahresproduktion und entsprechend niedrigen Ertrag zu. “ erklärt Dr.
Paul Ablinger, Geschäftsführer der Branchenvertretung
Kleinwasserkraft Österreich.
„ Strom ist für unsere heutige Gesellschaft fundamental wichtig.
Während für die Landwirtschaft Hilfspakete diskutiert werden, ist die
Kleinwasserkraft bisher kein Thema. Dass anstatt Verluste zu
kompensieren weiterhin Umsätze abgeschöpft werden, ist völlig
inakzeptabel. Dass das Ganze in einem Krisenjahr unter dem Titel
Krisenbeitrag läuft, ist absurd! “ , so Ablinger weiter. Der
ausbleibende Niederschlag ist eines der vielen Symptome des vom
Menschen verursachten Klimawandels. Die Kleinwasserkraft als Branche,
die sich in vollem Umfang für emissionsfreie, leistbare Energie und
damit auch für den Wirtschaftsstandort Österreich einsetzt, zu
entschädigen, wäre ein Zeichen von Verantwortung und Fairness seitens
der Politik.
Zwtl.: Verringerte Erlöse, verringerter Ausbau
Der Betrieb eines Kleinwasserkraftwerks ist kein Selbstzweck: Er
dient in erster Linie der Versorgung Österreichs mit
klimafreundlichem, heimischem Strom. Darüber hinaus sind
Kleinwasserkraftwerke netzdienlich, ökologisch verträglich und oft
inselbetriebs- und schwarzstartfähig, können also im Falle eines
Blackouts zur Aufrechterhaltung bzw. Wiederherstellung der
Stromversorgung dienen.
„ Um unsere Energieziele zu erreichen, sind bestehende Kraftwerke
zu modernisieren sowie neue zu errichten. Potenzial ist ausreichend
vorhanden. Ausbleibende Erlöse gepaart mit einer Vielzahl an Abgaben
und überschießenden Auflagen stehen dem jedoch entgegen. “ , erklärt
Ablinger. Die initialen Kosten für den Bau eines
Kleinwasserkraftwerks sind hoch, werden allerdings durch die hohe
Laufzeit von teils mehr als 100 Jahren ausgeglichen. Gerade die
Anfangskosten sind jedoch ein Knackpunkt für den Betrieb. Wir müssen
jetzt investieren, um einen langfristig Nutzen generieren zu können.
Anstatt nach wie vor klimaschädliches Verhalten zu subventionieren,
wären die Förderungen bei zukunftsstarken Technologien weitaus besser
aufgehoben.
Zwtl.: Umsatzabschöpfung statt notwendiger Unterstützung
Neben den entgangenen Erlösen setzen auch die finanziellen
Abgaben Betreiber*innen unter Druck. Allem voran der
Energiekrisenbeitrag-Strom (EKB-S), der sogenannte „Übergewinne“
abschöpfen soll, erschwert Investitionen in unsere Energiezukunft
enorm. „ Rechtsexpert*innen sind der Ansicht, dass der EKB-S ohnehin
verfassungswidrig ist. Aus Sicht von Kleinwasserkraft Österreich ist
diese Abgabe mit sofortiger Wirkung zu streichen, insbesondere für
jene Kraftwerke, die aufgrund der Dürre mit ausbleibenden Erlösen zu
kämpfen haben. “ , fordert der Präsident des Vereins Kleinwasserkraft
Österreich, Mag. Hannes Taubinger.
Österreich hat mit einem angespannten Budget zu kämpfen. Gerade
deshalb ist es wichtig, jetzt die richtigen Hilfsmaßnahmen zu
beschließen und entgangene Erträge zu kompensieren.
Die in der Vergangenheit durch den EKB-S abgeschöpften Erlöse
sollten für eine schnelle, unbürokratische Hilfe herangezogen werden,
um die klimabedingten Ertragsausfälle zu kompensieren. Diese Maßnahme
wäre zugleich ein Konjunkturmotor – in mehrfacher Hinsicht: „
Investitionen in die Kleinwasserkraft kurbeln die heimische
Wirtschaft an. Sie schützen bestehende und schaffen neue
Arbeitsplätze und sorgen für leistbare, faire Strompreise für die
Verbraucher. Das ist aber nur dann möglich, wenn durch fehlende
Klimapolitik verschuldete Erlösausfälle kompensiert werden. Von
ohnehin massiv geschrumpften Umsätzen noch abzuschöpfen, grenzt ans
Absurde! “ , so Taubinger abschließend.