Wien (OTS) – „Die Folgen von Kriegen, Vertreibung und Katastrophen
bleiben für
Millionen Menschen bestehen – auch dann, wenn eine Krise aus den
internationalen Schlagzeilen verschwindet. Umso wichtiger ist die
langfristige und planbare Hilfe vor Ort. Nur so können
vorherrschendes Leid gelindert, der Wiederaufbau ermöglicht und neue
Chancen eröffnet werden“ , betont Reinhard Heiserer, Geschäftsführer
der österreichischen Entwicklungsorganisation Jugend Eine Welt ,
anlässlich des heutigen „Tag der Humanitären Hilfe.“ Laut Angaben von
UN OCHA, dem Amt der Vereinten Nationen für die Koordinierung
humanitärer Angelegenheiten, benötigen aktuell 255,6 Millionen
Menschen – also jeder 32. Mensch, hauptsächlich die junge Bevölkerung
auf unserer EINEN Welt – humanitäre Unterstützung.
Überleben sichern, Wiederaufbau ermöglichen
Jugend Eine Welt setzt seit der Gründung vor 29 Jahren bei seiner
Arbeit auf langjährige lokale Partnerschaften und verbindet akute
Nothilfe mit Entwicklungszusammenarbeit. Eine dieser vergessenen
Krisenregionen befindet sich im Norden Äthiopiens. In Tigray, einer
Region fast so groß wie Kroatien, wurde der blutige Bürgerkrieg im
November 2022 offiziell beendet. Die Nachwehen des Konflikts und die
generell schwierige humanitäre Lage verschärften die Situation der
Bevölkerung jedoch dramatisch. Hunderttausende Menschen leben noch
immer als Binnenvertriebene in Camps und Notunterkünften. Es gibt
massive Versorgungsengpässe. Dazu kommt, dass die Region, aufgrund
anderer weltweiter Kriege und Krisen, international fast keine
Beachtung findet. „Eine humanitäre Krise endet nicht automatisch mit
der Unterzeichnung eines Friedensabkommens. In Tigray leben noch
immer Menschen unter Bedingungen, die mit einem sicheren und
menschenwürdigen Leben wenig zu tun haben. Wer dort hilft, muss
bleiben, auch wenn die Kameras längst weitergezogen sind“ , erklärt
Wolfgang Wedan, Globaler Nothilfe-Koordinator von Jugend Eine Welt .
Der krisenerprobte Steirer machte sich erst vor wenigen Monaten
selbst ein Bild vor Ort. Dort wo Jugend Eine Welt bis vor dem
Bürgerkrieg Schul- und Berufsausbildungszentren der Salesianer Don
Boscos, langjährige Projektpartner, förderte und damit besonders
jungen Menschen eine konkrete Zukunftsperspektive ermöglichte,
leistet die österreichische Entwicklungsorganisation nun seit einigen
Jahren wichtige Hilfe für besonders vulnerable Gruppen. Rund 130.000
Menschen profitieren in den Städten Shire, Adwa, Mekelle und Adigrat
von verbesserten Wasser-, Bildungs- und Unterstützungsangeboten.
Lebensmittel, Wasser und medizinische Versorgung
„Im Zentrum des Programms, das von der Austrian Development Agency (
ADA) im Rahmen von International Partnerships Austria gefördert wird,
steht die Sicherung des Überlebens. Diese erstreckt sich von
Lebensmittelhilfen über medizinische Versorgung bis zu anderen
Grundbedürfnissen“ , schildert Wedan. „Zudem werden Mütter und ihre
Kinder mit nährstoffreichen Lebensmittelergänzungen unterstützt.
Weiters werden Zehntausende Binnenvertriebene, die in Camps auf
engstem Raum ausharren müssen, durch sanierte Wasserstellen und
zusätzliche Wassertransporte mit sauberem Trinkwasser versorgt.“
Aber auch Bildung und psychosoziale Unterstützung sind wichtige
Bestandteile der „Vor Ort-Hilfe“ von Jugend Eine Welt. Vier schwer
beschädigte Schulen wurden in den letzten Monaten wiederaufgebaut und
mit Mobiliar ausgestattet. Geschultes Personal bietet in
niedrigschwelligen psychosozialen Anlaufstellen und
kinderfreundlichen Schutzräumen zudem Beratung, Traumabewältigung und
psychosoziale Unterstützung. „Besonders junge Menschen benötigen
neben konkreter Unterstützung auch besonders spürbare Zeichen der
Hoffnung“ , so Heiserer. „Nur so kann ein Neuanfang gelingen.“
Venezuela: Nach dem Erdbeben zählt weiterhin jede Hilfe
Ein anderes Bild, aber eine ähnlich dringende Situation zeigt sich
aktuell in Venezuela, wo sich vor knapp zwei Monaten in der
Hauptstadt Caracas und an der Küste von La Guaira zwei schwere
Erdbeben ereigneten. Tausende Menschen starben. Zehntausende wurden
verletzt, zahlreiche Familien verloren ihr Zuhause. „Bei einer
Katastrophe wie dem Erdbeben in Venezuela zählt jede Stunde.
Gleichzeitig dürfen wir nicht vergessen, dass die Menschen dort schon
vor den beiden Erdbeben in einer äußerst schwierigen Situation gelebt
haben. Deshalb braucht es beides: schnelle Nothilfe und einen langen
Atem sowie finanzielle Mittel für den Wiederaufbau“ , erklärt Wedan,
der vor Ort die Nothilfe-Maßnahmen koordinierte. Dabei kommt Jugend
Eine Welt sein großes Netzwerk an lokalen Partnern, wie den
Salesianern Don Boscos, zugute. „Unsere Stärke ist, dass wir nicht
erst nach einer Katastrophe Beziehungen aufbauen müssen. Unsere
Partner sind schon da, kennen die Menschen, bleiben bei ihnen und
wissen, wo Hilfe gebraucht wird. Das schafft Vertrauen und ermöglicht
es uns, rasch und gleichzeitig nachhaltig zu handeln“ , so der
Nothilfe-Experte.
Humanitäre Hilfe braucht Solidarität
Die Beispiele Äthiopien und Venezuela zeigen, wie unterschiedlich
humanitäre Krisen entstehen können – und wie ähnlich die Bedürfnisse
der betroffenen Menschen sind.
Jugend Eine Welt schließt sich daher den heutigen Empfehlungen
des Humanitarian Congress Vienna an, wie Österreich seine
Schwerpunkte im UN-Sicherheitsrat für mehr humanitäres Engagement und
die Durchsetzung des Humanitären Völkerrechts nutzen kann. Konkret
soll sich Österreich im UN-Sicherheitsrat für das Recht auf Nahrung
und den Schutz der Zivilbevölkerung einsetzen und Aushungern als
Kriegsmethode verhindern. Es soll das Humanitäre Völkerrecht
konsequent durchsetzen und medizinische Einrichtungen und humanitäres
Hilfspersonal schützen. Zudem soll Österreich seine humanitäre
Strategie konsequent umsetzen und finanzieren.
Jugend Eine Welt-Spendenkonto: AT66 3600 0000 0002 4000 |
Onlinespenden unter www.jugendeinewelt.at/spenden | Spenden sind
steuerlich absetzbar!
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