Temu, Shein & AliExpress kosten Österreich 212 Millionen € Wirtschaftsleistung und 1.600 Jobs. EU-Pauschalzoll zeigt Wirkung.

Wien, 18.08.2026 (OTS) – Billig einkaufen, teuer bezahlen: Die rasant
wachsenden Umsätze der
asiatischen Onlineplattformen Temu, AliExpress und Shein verursachen
in Österreich massive volkswirtschaftliche Schäden. Eine neue Analyse
der Gesellschaft für Angewandte Wirtschaftsforschung (GAW) im Auftrag
des Handelsverbands zeigt: Durch die Verlagerung von Konsumausgaben
ins Ausland entgehen dem österreichischen Handel jährlich knapp 570
Millionen Euro Bruttoumsatz und 171 Millionen Euro an
Bruttowertschöpfung. Daraus resultiert ein Rückgang des
Bruttoinlandsprodukts (BIP) von rund 212 Millionen Euro.

„Unsere neue Studie legt erstmals die volkswirtschaftliche
Rechnung für den vermeintlichen Billigkonsum auf Fernost-Plattformen
vor. Temu, Shein und AliExpress kosten Österreich 212 Millionen Euro
Wirtschaftsleistung, mehr als 1.600 Arbeitsplätze und fast 100
Millionen Euro an Steuern und Abgaben“ , erklärt Rainer Will ,
Geschäftsführer des freien, überparteilichen Handelsverbands. „Jeder
Klick auf diese Plattformen hat seinen Preis. Aus dem Paket um wenige
Euro wird ein millionenschwerer Bumerang für den Wirtschaftsstandort.
Bezahlt wird er von heimischen Betrieben, ihren 711.000 Beschäftigten
und letztlich von allen Steuerzahlerinnen und Steuerzahlern.“

Zwtl.: Österreichs Mittelstand zahlt einen besonders hohen Preis

Den größten direkten Wertschöpfungsverlust trägt der
österreichische Handel mit 58 Millionen Euro. Wirtschaftliche
Verflechtungen führen jedoch dazu, dass auch andere Branchen wie etwa
die Produktion (22 Mio. Euro), Bauwirtschaft (11 Mio. Euro),
Gastronomie (6 Mio. Euro) und viele weitere betroffen sind. Auch
Arbeitsplatzverluste verteilen sich auf weite Teile der Wirtschaft.

Die GAW-Analyse zeigt zudem, dass die wirtschaftliche Belastung
durch die Fernost-Plattformen keineswegs nur große Unternehmen
betrifft. Auf EPU (Einpersonen-Unternehmen) entfallen 19 Millionen
Euro Bruttowertschöpfungsverlust. Kleinstbetriebe (unter 10
Beschäftigten) verlieren 35 Millionen Euro, Kleinbetriebe (10 bis 49
Beschäftigte) 38 Millionen Euro, Mittelbetriebe (50 bis 249
Beschäftigte) 32 Millionen Euro und Großbetriebe 47 Millionen Euro an
Wertschöpfung.

„Europäische Händler spielen nach europäischen Regeln, bezahlen
faire Löhne und Steuern, finanzieren Qualität, Lehrstellen und
Produktsicherheit. Zugleich konkurrieren sie mit asiatischen
Plattformen, bei denen geltendes EU-Recht vielfach nur auf dem Papier
existiert. Das ist ein systematischer Standortnachteil für heimische
Unternehmen. Wertschöpfungsverluste von mindestens 171 Millionen Euro
sprechen eine klare Sprache“ , sagt Harald Gutschi , Geschäftsführer
von OTTO Austria, HV-Vizepräsident und Leiter des HV-Fachforums
„eCommerce & Marktplätze“.

Zwtl.: Fast 100 Millionen Euro fehlen bei Staat und
Sozialversicherung

Besonders alarmierend sind die Auswirkungen auf die öffentlichen
Haushalte. Die Umsatzverlagerungen führen laut GAW zu einem Verlust
von knapp 100 Millionen Euro an Steuern und Abgaben. Hinzu kommen
Einkommensverluste der Beschäftigten. Allein im Handel sinkt das
Arbeitnehmerentgelt um 35 Millionen Euro, über alle untersuchten
Branchen hinweg um rund 90 Millionen Euro.

Bei all diesen fiskalischen Auswirkungen handelt es sich um eine
konservative Schätzung. Die Berechnung unterstellt, dass die
Umsatzsteuer bei grenzüberschreitenden Bestellungen vollständig und
korrekt abgeführt wird. Mögliche zusätzliche Ausfälle durch falsch
oder zu niedrig deklarierte Warenwerte sind nicht berücksichtigt.
Dabei ist längst erwiesen, dass es in der Praxis immer wieder zu
Falschdeklarationen kommt.

„Die fast 100 Millionen Euro an Steuerentgang sind nur die
nachweisbare Unterkante des Schadens. Die tatsächlichen Kosten liegen
weit höher. Dieses Geld, das dem Staat, den Gemeinden und der
Sozialversicherung fehlt, muss am Ende von jenen aufgebracht werden,
die sich an die Regeln halten“ , warnt Rainer Will .

Zwtl.: Der Wind dreht sich (langsam): Millionenstrafen gegen Fernost-
Plattformen

Immerhin dreht sich der Wind – langsam aber doch – auch in
Europa: Am 20. Juli hat die EU-Kommission eine Geldbuße in Rekordhöhe
von 550 Millionen Euro gegen AliExpress wegen eines Verstoßes gegen
das Gesetz über digitale Dienste (Digital Services Act) verhängt.

Anfang Juni ist der Ultra-Fast-Fashion-Anbieter Shein in
Frankreich wegen Problemen bei Retouren und Bestellungen mit einer
Strafe von 22 Millionen Euro belegt worden. Davor hatte die
französische Wettbewerbs- und Verbraucherschutzbehörde bereits eine
Strafe von 40 Millionen Euro gegen Shein wegen irreführender
Rabattangebote verhängt.

Gegen den chinesischen Onlinemarktplatz Temu wiederum hatte die
EU-Kommission zuletzt Ende Mai wegen illegaler Produkte eine Strafe
in Höhe von 200 Millionen Euro ausgesprochen. Das Unternehmen habe
die Risiken und Schäden für Verbraucherinnen und Verbraucher nicht
ordnungsgemäß bewertet und damit gegen den Digital Services Act
verstoßen.

Zwtl.: EU-Pauschalzoll zeigt Wirkung: Fernost-Paketvolumen schrumpft
um -26%

Positiv ist, dass der seit 1. Juli 2026 geltende EU-Pauschalzoll
von drei Euro auf Kleinsendungen aus Drittstaaten bereits Wirkung
zeigt: Seit 1. Juli ist das Paketvolumen aus Fernost laut Angaben der
Österreichischen Post um durchschnittlich 26% eingebrochen. Der EU-
Pauschalzoll war ein wichtiger Etappensieg und erfüllt eine
langjährige Forderung des Handelsverbands. Er sorgt für mehr Fairness
im Onlinehandel und bremst die Paketflut aus Fernost zumindest
kurzfristig. Allerdings kann er konsequentere Kontrollen und eine
umfassende Plattformverantwortung nicht ersetzen.

„ Wir dürfen uns keinen Illusionen hingeben. Die asiatischen
Plattformen passen ihre Geschäftsmodelle bereits an, etwa durch neue
Lager in der EU. Der Rückgang der Paketmengen ist daher nur eine
Momentaufnahme“, ist Harald Gutschi überzeugt.

„Der Einsatz für ein Level Playing Field im E-Commerce ist ein
Marathon, kein Sprint. Entscheidend bleiben konsequente Kontrollen,
mehr Ressourcen für die Zollbehörden, die rasche Umsetzung des EU-
Zolldatenzentrums und die lückenlose Durchsetzung europäischer
Regeln. Absolut kontraproduktiv ist hingegen die Einführung der
nationalen Paketsteuer, die heimische Unternehmen garantiert
belastet, während sich Anbieter aus Drittstaaten entziehen können“,
so Handelssprecher Rainer Will abschließend.

Den vollständigen GAW-Report finden Sie HIER