Volkshilfe zum Tag der Humanitären Hilfe: 362 Millionen Menschen sind auf Hilfe angewiesen

Wien (OTS) – Zum Internationalen Tag der Humanitären Hilfe (19.8.)
warnt die
Volkshilfe vor den dramatischen Folgen massiver Kürzungen bei der
unmittelbaren Bewältigung von Krisen und der
Entwicklungszusammenarbeit. Laut OECD ist ein weltweiter Rückgang von
23 Prozent zu verzeichnen. Während der österreichische
Auslandskatastrophenfonds 2024 noch mit 80 Mio. Euro dotiert war,
sind es 2026 nur noch 35 Mio. Es ist zwar erfreulich, dass im neuen
Doppelbudget nicht noch weiter gekürzt wird, insgesamt verschärft der
drastische, internationale Rückzug jedoch weltweit Krisen und
untergräbt langfristig Europas und damit auch Österreichs Sicherheit,
Stabilität und Demokratien.

„Humanitäre Hilfe ist keine Wohltätigkeit, sondern Ausdruck
internationaler Verantwortung, Solidarität, eine Investition in
Frieden, Sicherheit und Menschenrechte. Wer heute bei Prävention und
Entwicklungszusammenarbeit spart, zahlt morgen einen vielfach höheren
Preis für Konflikte, Flucht und humanitäre Katastrophen“, warnt
Volkshilfe-Direktor Erich Fenninger. Die Auswirkungen der massiven
Mittelkürzungen zeigen sich schon jetzt in Form von erneuten
Krankheitsausbrüchen wie Ebola oder Malaria und in steigenden HIV-
Zahlen. Leidtragende sind oft Frauen und Kinder.

Auswirkungen auf Millionen Menschen

Bereits jetzt führen Streichungen der österreichischen
Entwicklungszusammenarbeit zu weniger langfristigen Partnerschaften,
sinkender Planungssicherheit und geringeren Mitteln für akute Krisen.

„Auch wenn es erfreulich ist, dass die Mittel für internationale
Zusammenarbeit im kommenden Doppelbudget nicht weiter gesenkt werden,
geraten Hilfsorganisationen unter Druck: Es muss Personal abgebaut
werden, wertvolles Fachwissen geht verloren und langfristige Projekte
bleiben auf der Strecke“, betont Fenninger. „2025 konnten wir als
Volkshilfe beispielsweise 40 durch den Krieg vertriebenen Personen in
Syrien eine Berufsausbildung und Starthilfen ermöglichen, damit sie
selbst für ihre Familien sorgen können. Das Beispiel zeigt,
Humanitäre Hilfe wirkt. Aber dafür braucht es Mittel, die uns derzeit
fehlen.“

Die geplanten Kürzungen auf EU-Ebene schaffen ebenfalls
erhebliche Finanzierungslücken. Das führt zu Einschränkungen bei
Bildungs- und Gesundheitsversorgungsprojekten, Wasser- und
Ernährungssicherheit sowie beim Aufbau lokaler Wirtschaft. Zusätzlich
verliert Europa geopolitischen Einfluss. Autoritäre Akteure bauen
ihre Position in Afrika, dem Nahen Osten und Asien aus. Gleichzeitig
nehmen Konflikte zu und fehlende Zukunftsaussichten erhöhen den
Migrationsdruck. Der Rückzug von USAID verschärft diese Entwicklung.
Tausende Projekte wurden eingestellt, Impf- und Ernährungsprogramme
unterbrochen sowie Gesundheitsstationen geschlossen. Internationale
Organisationen konkurrieren um immer weniger Mittel. Die Folgen sind
sinkende Resilienz gegenüber Klima-, Gesundheits- und Konfliktkrisen,
während gleichzeitig die bewaffneten Auseinandersetzungen weltweit
zunehmen, das humanitäre Völkerrecht missachtet und die
Zivilbevölkerung durch die Nutzung neuer technischer Kampfmittel noch
mehr gefährdet wird:

„Wer Humanitäre Hilfe kürzt, spart nicht, er verschiebt Leid und
Kosten in die Zukunft. Wir appellieren an die österreichische
Regierung und die EU, Humanitäre Hilfe als zentralen Bestandteil
einer vorausschauenden Friedens-, Sicherheits- und Sozialpolitik zu
stärken. Das Herbeiführen von Hunger ist ein Kriegsverbrechen und
muss verhindert werden. Diplomatische Anstrengungen, um Krisen
beizulegen, sollen verstärkt und Wirtschaftskontakte zu korrupten
Regimen beendet werden. Autonome Waffensysteme müssen unter ein
rechtsverbindliches, internationales Instrument und die Kontrolle von
Menschen gebracht werden. Wir müssen der globalen Verantwortung
gerecht werden und die Mittel für Entwicklungszusammenarbeit und
Humanitäre Hilfe absichern, denn jeder in Prävention investierte Euro
schützt Menschenleben, reduziert Fluchtursachen und trägt zu einer
gerechteren und stabileren Welt bei“, so Fenninger abschließend.