Verkehrswirtschaft lehnt Ausweitung von Mautsystemen auf Landesstraßen ab

Wien (OTS) – Die Bundessparte Transport und Verkehr, der Fachverband
Güterbeförderung und der Fachverband der Autobus-, Luftfahrt- und
Schifffahrtunternehmungen der Wirtschaftskammer Österreich sprechen
sich entschieden gegen die geplante Einführung einer Lkw- und Bus-
Maut auf Landesstraßen aus. Anlass sind die heute präsentierten Pläne
des Burgenlandes, ab 1. Jänner 2027 auf ausgewählten Landesstraßen
eine Benützungsgebühr für Fahrzeuge über 3,5 Tonnen einzuheben.
Vorgesehen sind digitale Vignetten mit Jahreskosten von bis zu 1.000
Euro.

Zusätzliche Kosten für Transporteure existenzgefährdend

„Die österreichische Transportwirtschaft steht bereits heute
unter enormem wirtschaftlichem Druck. Hohe Energiepreise, steigende
Personalkosten, massive Investitionen in die Dekarbonisierung sowie
in den vergangenen Jahren deutlich gestiegene Mautkosten belasten
unsere Betriebe massiv. Eine zusätzliche Maut auf Landesstraßen ist
daher das völlig falsche Signal und für viele Unternehmen schlicht
nicht mehr tragbar“, erklärt Markus Fischer, Obmann des Fachverbands
für das Güterbeförderungsgewerbe und rechnet anhand eines Beispiels
vor: „Ein regionaler Transporteur mit einer durchschnittlichen Größe
von 10 LKW muss mit zusätzlichen Kosten von bis zu 10.000 Euro zu
Beginn eines jeden Jahres rechnen.“ In der Regel handelt es sich
dabei um kleine familiengeführte Betriebe, für die derartige Beträge
an die Existenz gehen.

Der Straßengüterverkehr bilde das Rückgrat der Versorgung
Österreichs. Nahezu jedes Produkt des täglichen Lebens werde
zumindest auf einem Teil seines Weges per Lkw transportiert.
Zusätzliche Belastungen für Transportunternehmen würden daher
unweigerlich entlang der Lieferkette weitergegeben. „Wer Transporte
verteuert, verteuert letztlich auch Waren und Dienstleistungen.
Lebensmittel, Medikamente, Baustoffe oder Konsumgüter kommen nicht
von selbst in die Geschäfte. Am Ende zahlt nicht die Transportbranche
die Rechnung, sondern die Konsumentinnen und Konsumenten“, betont
Fischer.

Mehrkosten für Busfahrten landen letztlich bei Bürgerinnen und
Bürgern

Da die neue Lkw- und Bus-Maut auch den individuellen Busverkehr
betreffen soll, würden die zusätzlichen Kosten ebenso Vereine,
Schulen und andere Organisationen treffen. Ob Vereinsausflug,
Schulausflug, Exkursion oder gemeinsame Fahrt zu einer Veranstaltung
– auch hier werden die Mehrkosten letztlich bei den Bürgerinnen und
Bürgern ankommen, ergänzt Martin Horvath, Obmann des Fachverbands der
Autobus-, Luftfahrt- und Schifffahrtunternehmungen der WKÖ.

Auch Bundesspartenobmann Alexander Klacska warnt vor einer
weiteren Kostenwelle für die heimische Wirtschaft und negative
Auswirkungen auf regionale und ländliche Wirtschaftsstrukturen: „Die
Transportwirtschaft ist ein unverzichtbarer Teil der
Wertschöpfungskette in der jeweiligen Region. Sie sorgt nicht nur für
die Versorgung mit Gütern des täglichen Bedarfs, sondern auch für den
Personenverkehr. Anders als im Transitverkehr sind regionale
Transporte vielfach auf Landes- und Gemeindestraßen angewiesen. Eine
zusätzliche Bemautung würde daher vor allem regionale Betriebe,
Handwerksunternehmen, Baustellenverkehre sowie die Versorgung der
Bevölkerung treffen. Zusätzliche Mauten auf Landesstraßen für Lkw und
Busse erhöhen die Standortkosten, schwächen die Wettbewerbsfähigkeit
österreichischer Unternehmen und belasten am Ende die gesamte
Bevölkerung. Gerade in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten
brauchen wir Entlastungen statt neuer Gebühren. Wie regional die
heimische Transportwirtschaft ist, zeigen die Zahlen – 82 % der
transportierten Waren werden nicht länger als 80 km transportiert.
Mit dieser Maut trifft man Transport „Made in Austria“.

Zusätzliche Mautkosten schwächen Wettbewerbsfähigkeit des
Standorts weiter

Die Unternehmensvertreter appellieren daher an die politischen
Entscheidungsträger, von weiteren Mautausweitungen Abstand zu nehmen
und stattdessen Maßnahmen zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit des
heimischen Transportgewerbes umzusetzen. „Unsere Betriebe benötigen
Planungssicherheit und Entlastung. Neue Gebühren auf Landesstraßen
stehen diesem Ziel diametral entgegen. Wer regionale
Wirtschaftskreisläufe stärken und die Inflation nicht weiter anheizen
möchte, sollte auf zusätzliche Belastungen verzichten“, so die
einhellige Meinung. (PWK380/PAT)