Wien (OTS) – Ein kurzer Einkauf, ein schneller Termin oder eine
unvorhergesehene
Verzögerung: Bleibt ein Kleinkind an einem heißen Sommertag im
geparkten Auto zurück, kann die Lage rasch gefährlich werden:
Innerhalb von Minuten können die Innenraumtemperaturen auf bis zu 60
Grad klettern. Moderne Fahrzeugsysteme sollen in solchen Fällen Alarm
schlagen und helfen, potenziell lebensbedrohliche Situationen zu
verhindern. Eine aktuelle Untersuchung des Mobilitätsclubs und seiner
Partnerorganisationen zeigt jedoch: Aktuell erhältliche Systeme
unterscheiden sich bei Erkennung und Warnstrategie teilweise deutlich
– und nicht alle funktionieren gleich gut.
„Wir haben uns die Kinder-Erkennung in vier aktuellen Fahrzeugen
angesehen. Wichtigste Erkenntnis: Die Technik kann ein wichtiges
zusätzliches Sicherheitsnetz sein. Sie ersetzt aber niemals die
Aufmerksamkeit und Verantwortung von Eltern oder anderen
Betreuungspersonen“, stellt ÖAMTC-Technikexperte Steffan Kerbl klar.
„Entscheidend ist aus unserer Sicht, dass technische Systeme die
Situation zuverlässig erkennen sowie klar und rechtzeitig warnen.
Passiert das nicht, können sie ein falsches Gefühl der Sicherheit
erzeugen – mit potenziell verheerenden Folgen.“ Generell gilt daher:
Kinder sollten niemals allein im Fahrzeug zurückgelassen werden, auch
nicht für wenige Minuten!
Die Untersuchung und ihre Ergebnisse im Überblick
Grundsätzlich kommen bei der Kindererkennung unterschiedliche
Technologien zum Einsatz: Indirekte Systeme analysieren etwa
Gurtschlösser oder Sitzbelegungen und erinnern beim Abstellen des
Autos daran, einen Blick auf den Rücksitz zu werfen. Direkte Systeme
nutzen hingegen Sensoren, Radare und Kameras, erfassen damit z. B.
Bewegungen und Vitalzeichen und erkennen auf diese Weise, ob ein Kind
im Fahrzeug ist. „Im besten Fall funktioniert das auch bei
schlafenden oder nicht direkt sichtbaren Kindern – also in
Situationen, in denen indirekte Systeme keine Chance haben“,
erläutert Kerbl.
Untersucht wurden vier aktuelle Fahrzeuge: BYD Seal, Zeekr 001,
BMW iX3 und Mercedes-Benz CLA – letzterer als einziger mit indirekter
Messung. Die wichtigsten Erkenntnisse im Überblick:
– Systeme mit direkter Kind-Erkennung bieten grundsätzlich den
höheren Sicherheitsgewinn.
– Die Zuverlässigkeit der Systeme unterscheidet sich je nach Fahrzeug
und Technologie.
– Einige Systeme zeigten Schwächen bei der Erkennung von Neugeborenen
in rückwärtsgerichteten Babyschalen.
– Für den Schutz von Kindern ist nicht nur die Erkennung, sondern
auch eine wirksame Warn- und Eskalationsstrategie entscheidend.
Die Untersuchung zeigt, dass direkt messende Systeme
grundsätzlich den höheren Sicherheitsgewinn bieten. Gleichzeitig
wurden Unterschiede bei der Zuverlässigkeit festgestellt: Während ein
etwa einjähriges Kind in den meisten Tests zuverlässig erkannt wurde,
zeigten einige Systeme Schwächen bei der Erkennung von Neugeborenen
in rückwärtsgerichteten Babyschalen.
Aus Sicht des Mobilitätsclubs kommt es jedoch nicht nur auf die
Erkennung an: Ebenso wichtig ist, wie das Fahrzeug anschließend
reagiert. Einige Systeme aktivieren Warnblinker oder akustische
Signale, andere versenden Smartphone-Benachrichtigungen oder machen
Passant:innen auf die Situation aufmerksam. Auch hier zeigte die
Untersuchung deutliche Unterschiede.
Das Fazit von ÖAMTC-Techniker Steffan Kerbl: “Ein gutes System
sollte nicht bei einer Meldung am Display enden. Wenn Fahrer:innen
das Fahrzeug bereits verlassen haben, müssen Warnungen auch außerhalb
des Autos wahrnehmbar sein. Das erhöht die Chance, dass gefährliche
Situationen rechtzeitig erkannt werden.”
Tipps für Fahrzeuglenker:innen
– Kinder niemals allein im Fahrzeug zurücklassen, auch nicht für
wenige Minuten.
– Warnmeldungen des Fahrzeugs ernst nehmen und nicht ignorieren.
– Beim Fahrzeugkauf auf moderne Systeme zur Kind-Erkennung achten.
– Bei einem unbeaufsichtigten Kind im Fahrzeug rasch Hilfe
organisieren und im Zweifel den Notruf verständigen.
Aviso an die Redaktionen: Bildmaterial und ein Video zu dieser
Aussendung gibt es im ÖAMTC-Presseportal (www.oeamtc.at/presse).