UG-Polaschek an Bundeskanzler Stocker: Care-Arbeit ist Arbeit!

Wien (OTS) – „Ein Bundeskanzler, der Care-Arbeit als keine Arbeit
bezeichnet,
vertritt nicht die Mehrheit der Bevölkerung in Österreich“, erklärt
Marion Polaschek, Bundesvorsitzende der unabhängigen
Gewerkschaftsfraktion im ÖGB. „Erwerbsarbeit ist in diesem Land nur
zu den aktuellen Konditionen möglich, weil Frauen den überwiegenden
Teil der unbezahlten Sorgearbeit leisten – Tag für Tag, rund um die
Uhr. Wer diese Leistung abwertet, disqualifiziert sich politisch und
gesellschaftlich.“

Care-Arbeit trägt die Gesellschaft – und die Wirtschaft

– Unbezahlte Sorgearbeit in Familien, Haushalten und Communities
sichert die Funktionsfähigkeit unseres Alltags und gleicht
systematisch aus, wofür der Markt und der Staat zu wenig Ressourcen
bereitstellen. Diese Arbeit ist wertvoll, anstrengend und schafft
direkte gesellschaftliche und ökonomische Effekte.

– Gleichzeitig ist die bezahlte Care-Arbeit – insbesondere in
Bildung, Gesundheit und Pflege – strukturell unterbewertet und
chronisch unterbezahlt. Sie hält dem Großteil der Männer den Rücken
frei für schneller aufsteigende Karrieren, höhere Einkommen und am
Ende höhere Pensionen.

„Frauen bezahlen für dieses Ungleichgewicht mit einem EU-weit
überdurchschnittlichen Gender Pay Gap, einem massiven Pension Gap und
einem deutlich höheren Risiko von Altersarmut“, betont Polaschek. „Es
ist respektlos, diese Arbeit sprachlich oder politisch zu entwerten.
Wer Care-Arbeit kleinredet, verkennt die Lebensrealitäten der
Mehrheit und verschärft bestehende Ungleichheiten.“

Lehren aus Island: Sichtbarkeit durch Arbeitsstopp Österreich
braucht, so die unabhängige Gewerkschaftsfraktion, ein klares und
anschauliches Beispiel, wie in Island, um zu verdeutlichen, was
passiert, wenn die Arbeit, „die angeblich keine ist“, einmal fehlt.
In Island haben landesweite Frauenstreiks – historisch wie aktuell –
eindrucksvoll gezeigt, wie zentral Care-Arbeit für das Funktionieren
von Wirtschaft und Gesellschaft ist. „Auch hierzulande würde ein
kurzfristiger Ausfall deutlich machen, wie abhängig unser System von
unbezahlter und unterbezahlter Sorgearbeit ist“, so Polaschek.

Unsere Forderungen an Bundesregierung und Sozialpartner

– Respekt und Aufwertung: Klare politische Anerkennung von Care-
Arbeit als systemrelevant – sprachlich, gesetzlich und finanziell.

– Faire Bezahlung im Care-Sektor: Deutliche Lohnanhebungen in
Bildung, Gesundheit und Pflege; verbindliche Personalschlüssel;
bessere Arbeitsbedingungen und Gesundheitsprävention.

– Lohntransparenz und Entgeltgleichheit: Verbindliche
Transparenzregeln, wirksame Kontrollen und Sanktionen bei
Diskriminierung.

– Anrechnung von Care-Zeiten: Pensionsrechtliche Aufwertung von
Betreuungs- und Pflegezeiten; Ausbau von Anrechnungsmodellen im
Arbeits- und Sozialrecht.

– Ausbau der Kinderbetreuung und Pflegeinfrastruktur:
Flächendeckende, leistbare, qualitativ hochwertige Angebote mit
bedarfsgerechten Öffnungszeiten.

– Arbeitszeitverkürzung mit Lohnausgleich: Bessere Vereinbarkeit von
Beruf und Care-Verantwortung für alle Geschlechter.

– Gleichstellungspolitik mit Zielen: Verbindliche
Gleichstellungsziele im öffentlichen Dienst und bei öffentlichen
Aufträgen; Förderung von Väterkarenz und partnerschaftlicher
Aufteilung von Care.

– Kollektivvertragliche Offensive: Zeitnahe Abschlüsse, die die
strukturelle Unterbewertung von Care-Berufen korrigieren, inklusive
Zulagen und Einstufungen, die die tatsächliche Verantwortung
abbilden.

„Care-Arbeit ist Arbeit. Punkt. Wer das bestreitet, stellt sich
gegen Fakten, gegen Gerechtigkeit und gegen den gesellschaftlichen
Zusammenhalt“, so Polaschek abschließend. „Wir erwarten vom
Bundeskanzler und der gesamten Bundesregierung Respekt in der
Sprache, Klarheit in der Analyse und Mut in der Umsetzung – damit
Frauen nicht länger den Preis für ein System zahlen, das auf ihrer
unbezahlten und unterbezahlten Arbeit aufbaut.“