Wien/Kampala (OTS) – Vor zwei Jahren, am 9. August 2024, stürzte ein
Teil der Mülldeponie
Kiteezi am Stadtrand von Kampala ein und zerstörte mehrere
angrenzende Häuser. 35 Menschen kamen ums Leben, über 1.000 haben ihr
Zuhause verloren. Zu diesem Anlass gedenkt Südwind den Opfern und
fordert von Unternehmen und Abfallwirtschaft mehr Verantwortung für
die Entsorgung von Altkleidung.
“Kiteezi muss ein Weckruf sein. Diese Katastrophe wurde durch die
europäische Wegwerfgesellschaft mitermöglicht”, sagt Lena Gruber,
Südwind-Expertin für Textillieferketten . Jahr für Jahr landen bis zu
100.000 Tonnen Altkleider aus Europa und den USA in Uganda. 40
Prozent davon sind unbrauchbarer Müll, der schließlich auf Deponien
wie Kiteezi gekippt wird. Die Folgen sind instabile Halden, auf denen
Methan und Giftstoffe freigesetzt werden. “Es liegt auch an uns,
Verantwortung für unseren Konsum bis hin zur Entsorgung zu
übernehmen. Es kann nicht sein, dass wir unseren Altkleider-Müll in
den Globalen Süden exportieren, wo er zur Gefahr für Menschen wird”,
so Lena Gruber.
Zwtl.: Kiteezi-Katastrophe war absehbar
Die Deponie Kiteezi war längst überlastet. Anwohner:innen in der
Nähe der Deponie, die seit Jahrzehnten als größte Mülldeponie von
Ugandas Hauptstadt Kampala dient, klagten seit Langem über
gefährlichen Abfall, der die Umwelt verschmutzt und eine Bedrohung
darstellt. Die Schutzmaßnahmen für die Menschen, die in der Nähe
leben oder auf der Deponie arbeiten, sind in der Regel völlig
unzureichend. Nach heftigen Regenfällen Anfang August 2024 geriet ein
Teil der Deponie ins Rutschen und begrub Menschen und Häuser unter
sich.
Zwtl.: Forderungen: Vom Müll- zum Kreislaufsystem
Um zu vermeiden, dass gemeinsam mit brauchbarer Altkleidung auch
tonnenweise Müll aus Österreich exportiert wird, fordert Südwind den
Ausbau von Kapazitäten für die Sortierung von Altkleidung sowie
strenge Kontrollen und Sanktionen gegen Falsch-Deklaration und die
illegale Ausfuhr von Müll.
Darüber hinaus müsse auch die Überproduktion gebremst werden.
Südwind fordert daher einen umfassenden Kurswechsel und konkrete
Maßnahmen gegen das Fast Fashion-System. Ein Kernproblem besteht in
der fragmentierten Gesetzeslage, die Schlupflöcher, Intransparenz und
fehlende Haftung zur Folge hat – auch in Österreich. Südwind fordert
daher von der Bundesregierung eine Just Fashion Task Force. Diese
sollte Ministerien, Behörden, zivilgesellschaftliche Organisationen
vernetzen, um die Wirksamkeit bestehender Gesetze sicherzustellen,
Kontrollen zu stärken, bestehende Lücken zu schließen und Transparenz
und öffentlichen Informationszugang sicherzustellen. Zusätzlich
müssen EU-Richtlinien, die für die Regulierung von Fast Fashion-
Anbietern relevant sind – wie etwa Empowering Consumers for the Green
Transition oder der Digital Service Act – in Österreich konsequent
umgesetzt werden.
Die Südwind-Forderungen für eine gerechte Modeindustrie finden
sich online unter: suedwind.at/justfashion
Fotos der Kiteezi-Deponie und des Owino Markt in Kampala finden Sie
hier .