Salzburg (OTS) – Die aus Österreich stammende Ordensfrau und
Theologin Martha
Zechmeister ist mit dem „Theologischen Preis“ der Salzburger
Hochschulwochen für ihr Lebenswerk ausgezeichnet worden. Zechmeister
erhielt den mit 5.000 Euro dotierten Preis am Mittwochabend in
Salzburg. Zechmeister sei eine „profunde Vermittlerin und
Fürsprecherin der lateinamerikanischen Befreiungstheologie“, die die
„Option für die Armen“ sowohl in der Theoriebildung als auch in der
Praxis vorantreibe, hieß es in der Begründung der Jury, aus der der
Obmann der Hochschulwochen, Prof. Martin Dürnberger, bei der
Verleihung zitierte. Als Vertreterin einer „Mystik der offenen Augen“
stehe sie für einen „hellwachen Blick auf die bedrängenden
Realitäten“ und für das „befreiende Potenzial der Botschaft Jesu“.
Auf die Besonderheit der Durchdringung von Theologie und
Lebenszeugnis bei Martha Zechmeister verwies der Salzburger Theologe
Franz Gmainer-Pranzl in seiner Laudatio. Zechmeister bringe durch
ihre wissenschaftliche Arbeit ebenso wie durch ihr
öffentlichkeitswirksames Auftreten und „das Zeugnis ihres Lebens und
Glaubens entscheidende Kriterien christlicher Gottesrede zur
Geltung“, so Gmainer-Pranzl: Denn sie erinnere daran, „dass die Armen
nicht bloß ein Fall für die kirchliche Caritas-Arbeit sind, sondern
Subjekt christlicher Gemeinde“ und Maßstab dessen, „ob wir vom
biblischen Gott oder von einem Götzen reden“, der als
„Rechtfertigungsfigur zur Verteidigung von Macht und Reichtum dient“.
In ihren Dankesworten nahm Zechmeister die von Gmainer-Pranzl
vorgenommene Verortung ihrer Theologie auf und unterstrich, dass
Theologie sich stets neu „der Wirklichkeit aussetzen und von ihr
unterbrechen lassen“ müsse – „besonders von der Wirklichkeit der
Verletzlichsten“. Eine Theologie, „die überall und zu jeder Zeit
dasselbe wiederholt“, bleibe „wirklichkeitsleer und vermag Gott nicht
zur Sprache zu bringen“, so Zechmeister in Anlehnung an ihren Lehrer
Johann Baptist Metz (1928-2019), der am heutigen Tag seinen 98.
Geburtstag gefeiert hätte – und der ebenfalls 2007 den Theologischen
Preis für sein Lebenswerk erhalten hatte.
Die Wirklichkeit ihrer Theologie sei mit El Salvador, wo sie seit
2009 als Professorin an der Universidad Centroamericana „José Simeón
Cañas“ lehrt, eine denkbar katastrophische Wirklichkeit – ein
„unheilbares Schlamassel“ – und zugleich ein „Mikrokosmos, an dem
etwas über den Makrokosmos unseres Planeten offenbar wird“.
Schließlich kämpfe dort eine „Zivilisation des Reichtums“ gegen eine
„Zivilisation der Armut“ mit erbarmungsloser Härte. Diesen Kampf
könne man heute allüberall beobachten – verschärft unter den Faktoren
der Inflation, der Klimakrise, grassierender Kriege und der „Seuche
des neuen Autoritarismus“.
Es sei angesichts dieser Entwicklungen nicht leicht, „Hoffnung
als eschatologische Tugend“ zu bewahren, räumte die Theologin ein –
speziell dann nicht, wenn es die Ausgegrenzten, Abgehängten und
Marginalisierten selber seien, die oft nach einem „starken Mann“ oder
einer „harten Hand“ rufen. Was angesichts dessen nottut, sei zunächst
„die eigene Umkehr“: „geduldig und demütig zuzuhören, ohne verborgene
Absicht wirkliche Freundschaft mit denen zu leben, die unten sind und
getreten werden“, appellierte die Ordensfrau. Und sich zu weigern, in
den Chor derer einzustimmen, die nach eben jener illiberalen Politik
der Stärke rufen, die letztlich dem Evangelium widerspreche.
Martha Zechmeister wurde 1956 in Kotting/Niederösterreich
geboren. Von 1974 bis 1979 studierte sie Theologie und
Religionspädagogik an der Katholisch-Theologischen Fakultät der
Universität Wien. 1979 trat sie in die „Congregatio Jesu“ (Maria-Ward
-Schwestern) ein. 1984 wurde sie an der Universität Wien mit einer
Arbeit über Ignatius von Loyola promoviert. 1987 legte sie die Ewige
Profess ab.
In der Folge lehrte sie u.a. an der Philosophisch-theologischen
Hochschule der Diözese St. Pölten, als Lehrbeauftragte für
Spirituelle Theologie an der Katholisch-Theologischen Fakultät der
Universität Innsbruck und als Gastprofessorin an der Universidad
Centroamericana „José Simeón Cañas“ in El Salvador. 1997 habilitierte
sie sich an der Universität Wien mit einer Arbeit über Erich
Przywara, für die sie den Kardinal-Innitzer-Förderungspreis für
Theologie erhielt.
Im selben Jahr wurde sie zur Außerordentlichen
Universitätsprofessorin ernannt. Von 1999 bis 2008 war sie
Professorin für Fundamentaltheologie an der Universität Passau. Seit
2009 ist sie Professorin an der Universidad Centroamericana „José
Simeón Cañas“ und dort seit 2012 Direktorin des Masterstudiengangs
Teología Latinoamericana.
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