WKÖ-Experte Gleißner: „Leistungen des Insolvenzentgeltfonds sind im Ländervergleich übermäßig hoch“

Wien (OTS) – „Um Insolvenzen überhaupt zu verhindern, braucht es
Entlastungen von
Unternehmen und keine weiteren Belastungen. Die
Lohnnebenkostensenkung beim Familienlastenausgleichsfonds ist hier
ein wichtiger Schritt. Es darf aber nicht an anderer Stelle wieder zu
einer Erhöhung der Lohnnebenkosten kommen, wie das etwa durch eine
Erhöhung des Arbeitgeberbeitrags beim Insolvenzentgeltfonds der Fall
wäre“, so Rolf Gleißner, Leiter der Abteilung für Sozial- und
Gesundheitspolitik in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ). „In
erster Linie ist die Leistungsseite des Insolvenzentgeltfonds auf den
Prüfstand zu stellen. In Österreich sind die Leistungen wesentlich
höher und weniger zielgerichtet als in fast allen Ländern. Zuerst
muss eine Effizienzsteigerung in der Fondsverwaltung erfolgen und
nicht immer gleich nach einer Erhöhung der Unternehmerbeiträge
gerufen werden“, sagt Gleißner.

So sind etwa in Deutschland Einkommen drei Monate vor
Insolvenzeröffnung durch einen Fonds abgesichert, in Österreich
bereits sechs Monate davor. Außerdem sind die Bruttoansprüche in
Deutschland mit 8.450 Euro pro Monat gedeckelt, in Österreich zahlt
der Fonds bis zu 13.860 Euro monatlich, zum Teil ohne Anrechnung auf
sonstige Erwerbseinkommen.

Eine Verdopplung des Arbeitgeberbeitrags von 0,1 % auf 0,2 %, wie
sie die Arbeitsministerin fordert, würde die Unternehmerinnen und
Unternehmen unverhältnismäßig belasten, ohne jeglichen Willen, die
Leistungen zu überprüfen oder in der Verwaltung einzusparen. „Bevor
man reflexartig nach einer Erhöhung ruft, sollte man sämtliche
Alternativen zur nachhaltigen Finanzierung des Fonds prüfen.
Jedenfalls müssen wir in erster Linie Insolvenzen verhindern und alle
einen Beitrag leisten, nicht nur die Arbeitgeber“, so Gleißner. (
PWK362/DFS)