Wien (OTS) – Die Bundesjugendvertretung (BJV) sieht das Vorhaben der
Regierung,
Social-Media-Plattformen mit manipulativen und suchtfördernden
Mechanismen zu verbieten, als sinnvollen Schritt, wenn die dadurch
gewonnene Zeit genutzt wird, um junge Menschen besser auf den Umgang
mit Social Media vorzubereiten. „Social Media gehört zum Leben junger
Menschen dazu. Sie informieren sich, kommunizieren und vernetzen sich
dort. Der manipulative Aufbau der Plattformen hat Social Media jedoch
zu einem problematischen Ort gemacht. Diesen Funktionen einen Riegel
vorzuschieben, ist deshalb ein wichtiger Schritt zum Schutz junger
Menschen und ihrer psychischen Gesundheit”, so BJV-Vorsitzender
Moritz Mittermann.
Der geplante Ausbau der Medienbildung durch das neue
Unterrichtsfach „Medien und Demokratie“ greift jedoch viel zu kurz,
um junge Menschen auf die digitale Welt gut vorzubereiten, kritisiert
BJV-Vorsitzende Lejla Visnjic: „Ein Verbot allein schützt junge
Menschen nicht vor den Risiken auf Social Media. Entscheidend ist,
dass sie lernen, diese Risiken zu erkennen und digitale Plattformen
verantwortungsvoll zu nutzen. Deshalb fordern wir Medien- und
Demokratiebildung ab der 5. Schulstufe in allen Schulformen. Nur so
kann sichergestellt werden, dass Jugendliche Social Media
selbstbestimmt, kritisch und sicher nutzen können.“
Betroffene Plattformen und Datenschutz müssen klar geregelt sein
Weiters muss für Jugendliche, aber auch für Eltern, in der Praxis
klar ersichtlich sein, welche Apps vom Verbot umfasst sind – auch
ohne eine Liste aller betroffenen Plattformen. „Nahezu alle gängigen
Social-Media-Plattformen, die von jungen Menschen genutzt werden,
arbeiten mit manipulativen Algorithmen und problematischen
Funktionen. Wir erwarten uns daher, dass der Gesetzesentwurf keine
Fragen offenlässt, wie das Social-Media-Verbot im Alltag
funktionieren wird“, sagt Mittermann. Dasselbe gilt für die
Altersverifikation: „Dass die Plattformen ausschließlich erfahren, ob
eine registrierte Person über 14 Jahre alt ist oder nicht, begrüßen
wir. Es muss aber auch garantiert sein, dass die zur
Altersverifikation genutzten Drittanbieter die Daten der jungen
Menschen besonders sensibel behandeln“, so Mittermann weiter.
Strengere Regulierung und weitere Schutzmaßnahmen gefordert
Abschließend verweist die BJV erneut darauf, dass nicht die
Nutzung von Social Media durch junge Menschen das Hauptproblem ist,
sondern die mangelnde Regulierung der Plattformen. Bestehende Gesetze
wie der Digital Services Act müssen konsequenter umgesetzt werden,
betont Visnjic: „Solange Plattformen ihrer Verantwortung nicht
nachkommen, ist die Politik gefordert, klare Grenzen zu setzen,
Verstöße zu sanktionieren und Plattformen zu Maßnahmen wie der
raschen Entfernung problematischer Inhalte zu verpflichten.“
Die BJV schlägt außerdem vor, niederschwellige und
standardisierte Meldebuttons auf den Plattformen zu schaffen und die
finanzielle Stärkung von Trusted Flaggern voranzutreiben. „Neben
einem Social-Media-Verbot und mehr Medienbildung braucht es weitere
Schutzmaßnahmen, die junge Menschen im Umgang mit Social Media
unterstützen. Das Ziel ist, dass der digitale Raum für Jugendliche
ein sicherer Ort für Beteiligung, Austausch und Information wird“, so
Visnjic abschließend.