Wien (OTS) – Mit » Mauthausen überleben und erinnern« erscheint der
vierte und
abschließende Band der wissenschaftlichen Reihe Europa in Mauthausen.
Geschichte der Überlebenden eines nationalsozialistischen
Konzentrationslagers im Böhlau Verlag. Damit liegt nun erstmals eine
umfassende Geschichte der Überlebenden des
Konzentrationslagerkomplexes Mauthausen vor. Die »monumentale
Publikation« (Carlo Moos, Neue Zürcher Zeitung ) verbindet
internationale KZ-Forschung, Oral History und innovative sozial- und
kulturhistorische Ansätze.
Die Reihe Europa in Mauthausen entstand aus einem langjährigen
internationalen Forschungsprojekt unter der Leitung von Gerhard Botz,
aufbauend auf dem Mauthausen Survivors Documentation Project sowie
dem Mauthausen Survivors Research Project. Als Basis diente eine der
weltweit umfangreichsten Sammlungen lebensgeschichtlicher Interviews
mit Überlebenden eines nationalsozialistischen Konzentrationslagers.
Über 850 Audio- und Videointerviews , geführt in 18 Sprachen mit
ehemaligen Häftlingen aus Europa, Israel sowie Nord- und Südamerika,
bilden die Grundlage der analytischen und empirisch reichen Beiträge.
Mehr als 60 Forscherinnen und Forscher aus zahlreichen Ländern haben
an der wissenschaftlichen Aufarbeitung der Interviews und ihrer
historischen Einordnung mitgewirkt.
Während die ersten drei Bände die nationalsozialistische
Verfolgungspolitik, die Deportationen nach Mauthausen sowie den
Alltag und das Überleben im Lager untersuchten, richtet der
Abschlussband den Blick auf die Zeit nach 1945. Gefragt wird hier,
wie die Überlebenden nach Jahren der Verfolgung in ein ziviles Leben
zurückfanden oder scheiterten, welche Folgen Haft, Gewalt und Verlust
für ihre weiteren Lebenswege hatten und unter welchen
gesellschaftlichen und politischen Bedingungen sie über ihre
Erfahrungen sprechen konnten – oder schwiegen. Ebenso werden die
Rolle ehemaliger Häftlinge und ihrer Organisationen bei der
Entstehung der europäischen Erinnerungskulturen sowie die
Veränderungen des Gedenkens über mehrere Generationen hinweg
untersucht.
Die Beiträge zeigen eindrucksvoll, dass die Geschichte des
Konzentrationslagers nicht mit der Befreiung endete. Die Erfahrungen
der Überlebenden wirkten über Jahrzehnte nach und prägten Familien,
Gesellschaften und nationale Erinnerungskulturen. Erinnern erscheint
dabei nicht als abgeschlossener Akt, sondern als fortdauernder
Prozess, der sich im Spannungsfeld zwischen persönlicher Erfahrung,
öffentlichem Gedenken und gesellschaftlichem Wandel immer wieder neu
formiert.