Wien (OTS) – Energie-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner sieht den
Elektrifizierungsaktionsplan der Europäischen Kommission in einer
ersten Bewertung grundsätzlich als wichtigen Schritt. Die Kommission
will mit dem Plan die seit Jahren stagnierende Elektrifizierungsrate
in Europa erhöhen und nennt für 2040 ein indikatives Ziel von 46
Prozent des Endenergieverbrauchs. „Entscheidend ist am Ende aber, ob
Europa auch die richtigen Werkzeuge bereitstellt. Elektrifizierung
ist nicht nur Klimapolitik, sondern vor allem eine Frage von
Standort, Versorgungssicherheit und Unabhängigkeit. Mehr
Elektrifizierung gelingt nur mit wettbewerbsfähigen Strompreisen,
digitalen Netzen, Speichern, Flexibilität und einer klaren
industriellen Perspektive“, so Zehetner.
Zwtl.: Österreich bei Smart Metern deutlich weiter
Kritisch sieht Zehetner insbesondere die aus ihrer Sicht zu
geringe Ambition bei der Smart-Meter-Ausrollung. Der Plan sieht eine
Mindestabdeckung von 50 Prozent bis 2030 und 75 Prozent bis 2033 vor.
Österreich liegt bereits heute bei rund 98 Prozent. „Wenn Europa bis
2033 nur 75 Prozent Smart-Meter-Abdeckung anpeilt, ist das zu wenig
ambitioniert. Österreich liegt bereits heute bei rund 98 Prozent. Wer
rasch ein modernes, digitales Stromsystem aufbauen will, darf die
Messlatte nicht so niedrig legen. Smart Meter sind die Voraussetzung
für Flexibilisierung“ , so Zehetner.
Zwtl.: Österreich setzt zentrale Punkte bereits um
Viele der von der Kommission genannten Maßnahmen würden in
Österreich bereits umgesetzt oder weiterentwickelt. Zehetner verweist
dabei auf das Elektrizitätswirtschaftsgesetz sowie die
Reformpartnerschaft Energie. „Viele Punkte, die die Kommission jetzt
anspricht, setzen wir in Österreich bereits um. Mit dem ElWG haben
wir die Grundlage für schnellere und transparentere Netzanschlüsse,
flexible Entgelte, eine kostengerechte Behandlung von Speichern,
PPAs, langfristige Stromlieferverträge und bessere
Dateninteroperabilität geschaffen. Mit der Reformpartnerschaft
Energie gehen wir bei Netzkosten, Netzplanung und Flexibilität noch
einen Schritt weiter. Österreich wartet hier nicht auf Europa,
sondern liefert bereits“ , so Zehetner.
Zwtl.: Strompreise dürfen nicht zum Bremsklotz werden
Lücken sieht Zehetner vor allem bei der Frage der
Strompreisbildung. Wenn Europa mehr Elektrifizierung wolle, müsse der
Strompreis auch tatsächlich wettbewerbsfähig sein. Dabei müssen alle
Komponenten betrachtet werden: Energiekosten, Netzkosten und Steuern.
„Was im Plan zu kurz kommt, ist die Frage, warum Strom oft teurer
ist, als er sein müsste. Wenn Europa Elektrifizierung ernst meint,
muss es auch über das Zusammenspiel von Merit Order, ETS-Kosten und
der Preisbildung am Strommarkt sprechen. Es reicht nicht, mehr
Stromanwendungen zu wollen, wenn der Strompreis selbst ein Hemmschuh
bleibt. Österreich hat diese Debatte bereits angestoßen. Jetzt
braucht es auch auf europäischer Ebene konkrete Schritte“ , sagt
Zehetner.
Zwtl.: Elektrifizierung und Wasserstoff zusammendenken
Auch die Verknüpfung mit Wasserstoff und erneuerbaren Gasen müsse
noch stärker berücksichtigt werden, insbesondere mit Blick auf die
Industrie. „Elektrifizierung ist zentral, aber sie ist nicht die
einzige Antwort. Gerade in der Industrie brauchen wir zusätzlich
erneuerbare Gase und Wasserstoff dort, wo direkte Elektrifizierung
technisch oder wirtschaftlich an Grenzen stößt. Ein bloßes Update der
europäischen Wasserstoffstrategie greift hier zu kurz. Ein
europäischer Elektrifizierungsplan muss stärker mit einer
Industriestrategie zusammengedacht werden“, so Zehetner.
Zwtl.: Braucht österreichische Umsetzungskraft für ganz Europa
Abschließend betont Zehetner, Österreich werde sich konstruktiv
in die weiteren europäischen Beratungen einbringen. „Europa braucht
für Elektrifizierung günstigen Strom, digitale Netze, Speicher und
Flexibilität. Und dort, wo Strom nicht direkt reicht, braucht es
Wasserstoff und erneuerbare Gase. Österreich ist bei vielen dieser
Themen schon weiter als der europäische Mindestanspruch. Genau diese
Umsetzungskraft braucht es jetzt auch in Europa“ , so Zehetner.