Wien (OTS) – Der von Peter Schneeberger am 20. Juli 2026 um 22.30 Uhr
in ORF 2
präsentierte „kulturMONTAG“ steht ganz in Zeichen der Bregenzer und
Salzburger Festspiele, die beide demnächst offiziell eröffnet werden.
So blickt die Sendung u. a. auf das Programm der Jubiläumssaison am
Bodensee, wo zugleich 80 Jahre bzw. die 80. Ausgabe des renommierten
Festivals gefeiert werden. Weiter geht es in die Mozartstadt, wo der
„Jedermann“ alias Philipp Hochmair u. a. mit seiner neuen Buhlschaft
Roxane Duran glänzt und Asmik Grigorians Rollendebüt als „Carmen“
vielfach erwartet wird.
Anschließend an das Magazin besucht Martin Traxl in einer neuen
Ausgabe der ORF-Kulturdokureihe „Zimmer frei – Übernachten in
besonderer Architektur“ (23.10 Uhr) das Triester Umland.
Das Beste zum Feste – Die Bregenzer Festspiele werden 80
Zum 80-Jahr-Jubiläum der Bregenzer Festspiele lässt es
Intendantin Lilli Paasikivi ordentlich krachen. Rund 6.800 Menschen –
Chöre, Gesangsgruppen oder einfach nur Singbegeisterte – machen beim
großen Singalong auf der Seebühne mit, um gemeinsam herausragende
Stücke der Operngeschichte darzubieten. Unter dem Motto „Alemania
cantat“ verwandelt der australische Dirigent Steven Moore die
beeindruckende Kulisse am Bodensee in einen ganz besonderen
Klangraum: mit einem Programm von „O sole mio“ über Verdis „Nabucco“
bis zu „Happy Birthday“. Apropos Giuseppe Verdi – zum ersten Mal in
der Geschichte des Festivals ist auf der Seebühne dessen Publikumshit
„La traviata“ zu erleben. Das Werk ist wohl eine der berühmtesten
Opern der Welt, zugleich einer der größten Skandale der
Musikgeschichte. Denn der Komponist stellte eine Prostituierte ins
Zentrum, was für Empörung sorgte. Mit ihrer spektakulären Kulisse
wird die Seebühne zum Spiegel einer Welt, in der eine Frau an der
Liebe zerbricht. Alle Vorstellungen sind bereits ausverkauft, der ORF
überträgt die Vorstellung am 24. Juli live um 21.20 Uhr in ORF 2 (und
auf ORF ON).
Insgesamt werden für die rund vierwöchigen Festspiele etwa
250.000 Besucher:innen erwartet. Und doch haben die Veranstalter ihre
liebe Not mit dem Geld. Im vergangenen Jahr wurde das renommierte
Festival von Subventionskürzungen überrascht, die über zwei Jahre ein
Minus von 4,2 Millionen Euro ausmachen. Vom Jahresbudget mit 25
Millionen Euro muss die Institution etwa 80 Prozent selbst
erwirtschaften.
Staffelübergabe in Salzburg – Roxane Duran als neue Buhlschaft
Hofmannsthals „Jedermann“ hat sie laut eigenen Angaben noch nie
gesehen und könne daher völlig unbefangen an die kleinste Rolle im
traditionellen Spiel ums Sterben des reichen Mannes herangehen.
Roxane Duran übernimmt heuer von Deleila Piasko die Traumpartie bei
den Salzburger Festspielen. Kaum ein Theaterstück hat ähnlich viel
Strahlkraft wie die alljährliche „Jedermann“-Produktion auf dem
Salzburger Domplatz, eine Rolle darin gilt nach wie vor als
künstlerisches Adelsprädikat. Für die 1993 in Paris geborene
französisch-österreichische Schauspielerin ist der Part der
Buhlschaft überhaupt ihr Debüt im deutschsprachigen Theater. Bisher
war Roxane Duran vor allem in Film- und TV-Produktionen zu sehen,
etwa schon als 15-Jährige 2009 in Michael Hanekes mehrfach
preisgekröntem Drama „Das weiße Band“ als die von ihrem Vater
missbrauchte Tochter, vier Jahre später in der Rolle der Prinzessin
an der Seite von Stars wie Mads Mikkelsen und Bruno Ganz in dem Film
„Michael Kohlhaas“ von Arnaud des Pallières, oder 2020 in Stefan
Ruzowitzkys Hesse-Adaption „Narziss und Goldmund“. In Frankreich
feierte sie als Anne Frank auf der Bühne Erfolge – sowohl im Théâtre
Rive Gauche in Paris als auch im Zuge von Tourneen in Frankreich,
Belgien und der Schweiz. In die Rolle der Buhlschaft will sich die
Schauspielerin mit Energie und voller Emotionen hineinstürzen. Für
sie ist sie weit mehr als eine Nebenrolle, sie ist Projektionsfläche,
Stilikone und mediales Ereignis. Der „kulturMONTAG“ hat Roxane Duran
bei den Proben in Salzburg zum Interview getroffen.
Faszination „Carmen“ – Asmik Grigorians Rollendebüt bei den
Salzburger Festspielen
Sie gilt als eine der faszinierendsten und gefragtesten
Opernsängerinnen der Gegenwart. Asmik Grigorians Terminkalender ist
mehr als voll, sie jettet zwischen Barcelona, New York, Wien,
Florenz, München und bald wieder Salzburg hin und her. Ebendort, bei
den Salzburger Festspielen, gelang der Litauerin mit „Salome“ 2018
der internationale Durchbruch. In diesem Sommer wagt die neugierige
Sopranistin mit George Bizets „Carmen“ ein neuerliches Debüt. Diese
Opernrolle gilt als Archetypus der Femme fatale, die sich über alle
Grenzen bürgerlicher Moral hinwegsetzt und auch dann noch souverän
ihren Gefühlen folgt. Dass Grigorian die Partie angenommen hat, war
eine eher spontane Entscheidung, wie sie im Interview erzählt. „Mich
faszinieren bekannte Werke, bei denen das Publikum glaubt, genau zu
wissen, was es erwartet. Bei ,Carmen‘ hatte ich sofort das Gefühl,
diese Figur anders zu empfinden. Je intensiver ich mich mit Text und
Musik beschäftige, desto mehr merke ich, wie schwierig diese Rolle
ist.“ Auch Gabriela Carrizo, Kopf des international gefeierten
Kollektivs „Peeping Tom“, wird ihr Regiedebüt in Salzburg geben. Die
argentinische Regisseurin und Choreografin macht sich in ihrer
Inszenierung, die der ORF am 8. August live-zeitversetzt um 20.15 Uhr
in ORF 2 (und auf ORF ON) überträgt, auf die Suche nach der Identität
jener zum Mythos gewordenen Frau.
Passend dazu zeigt ORF 2 am 2. August um 9.05 Uhr die
Dokumentation „Carmen – Geburt eines Mythos“.
Dokumentation „Zimmer frei – Übernachten in besonderer
Architektur: Das Triester Umland“ (23.10 Uhr)
Wie wichtig ist die Art der Unterkunft im Urlaub, wenn die
Landschaft perfekt ist? Die ORF-Kulturdokureihe „Zimmer frei“ widmet
sich der Geschichte und Entwicklung von Architektur im
Tourismusumfeld und präsentiert ausgewählte Projekte, die Tradition
und Moderne kombinieren und Architektur und Kunst in Dialog
miteinander stellen. Im Mittepunkt stehen Feriendomizile, die die
Baustile der Regionen aufgreifen, weiterentwickeln und prägen, das
jeweilige Landschaftsbild unterstreichen und einen Brückenschlag
zwischen historischer Baumaterie und zeitgenössischem Design wagen.
Martin Traxl ist in der mittlerweile neunten Ausgabe von „Zimmer
frei“ in Triest – der Hauptstadt der Region Friaul-Julisch Venetien
im Nordosten Italiens – und im Triester Umland unterwegs. Zu Wort
kommen neben Gastgeberinnen und Gastgebern sowie Architekten auch
Experten, die über die Wechselwirkung von Architektur und Tourismus
im Friaul, den Wandel in der baulichen Gestaltung sowie
gesellschaftliche Aspekte der Baukultur sprechen.
Triest atmet bis heute Geschichte: Unübersehbar sind die Spuren
der habsburgischen Vergangenheit in Architektur und Lebenskultur.
Architekt Erich Bernard ist der Hafenstadt seit Jahren eng verbunden
und hat hier auch einige Projekte umgesetzt, etwa das Innendesign des
Caffè Sacher Trieste. Situiert in einem denkmalgeschützten
Geschäftslokal, wurde die sorgfältig restaurierte Originaleinrichtung
aus 1912 behutsam in das Konzept integriert. Die Revitalisierung
historischer Bausubstanz und ein Verständnis dafür, dass das Alte und
das Neue eine Symbiose eingehen können, ist bei vielen Objekten der
Stadt spürbar – ob im ehemaligen Versicherungsgebäude, das zum Hotel
umgebaut wurde, oder im Palazzo aus dem 18. Jahrhundert, das in
luxuriösen Suiten, abgeschirmt durch dicke Gemäuer, Städtebummler
Ruhe finden lässt.
Entschleunigung bietet auch das Umland – sei es in der Lagune von
Grado, wo Naturnähe und Nachhaltigkeit auch in der Bauweise und
Materialität eines kleinen Boutiquehotels erlebt werden kann. Oder
aber in der atemberaubenden Hügellandschaft des Collio, wo es
jahrhundertealte Burgen und Schlösser gibt, wie das Castello
Formentini oder das Castello di Buttrio, deren Gemächer heutzutage
auch Urlaubenden offenstehen.
Doch auch die Architektur des 20. Jahrhunderts, allen voran der
1950er bis 1970er Jahre, prägt vielerorts das Erscheinungsbild des
Friaul. Ein Beispiel dafür ist der von Architekt Marcello D’Olivo
gestaltete brutalistische Mischkomplex des Condominio Zipser, der bis
heute das Erscheinungsbild von Grado prägt. Von ihm stammt auch ein
avantgardistisches Tankstellen-Gebäude in Buttrio, das vor einigen
Jahren von Architekt Marco Zito zu einem Café umgebaut wurde – nebst
einem Hotelkomplex, der die zeitgenössische Architektur und den
modernen Lebensstil zelebriert.
All diesen Objekten ist gemein, dass Traditionen sorgfältig
weitergeführt werden können, ohne der Moderne im Wege zu stehen.