Wien (OTS) – Der heute präsentierte Heilmittelreport des
Dachverbandes der
Sozialversicherungen bestätigt den hohen Standard der
Arzneimittelversorgung in Österreich. Der rasche Zugang zu
innovativen Therapien zählt europaweit zur Spitze und ermöglicht den
Versicherten eine Versorgung auf höchstem Niveau. „Österreich bietet
Patientinnen und Patienten einen der schnellsten Zugänge zu
innovativen Therapien in Europa. Das ist ein großer Erfolg unseres
solidarischen Gesundheitssystems“, betont Andreas Huss, Obmann der
Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK).
Medizinischer Fortschritt treibt Kostenentwicklung
Diese hohe Qualität ist jedoch untrennbar mit steigenden
finanziellen Anforderungen verbunden. Die Heilmittelausgaben der
Österreichischen Gesundheitskasse beliefen sich 2025 auf rund 3,86
Milliarden Euro. Im ersten Quartal 2026 erhöhten sie sich gegenüber
dem Vorjahr um 7,5 Prozent, während die Zahl der Verordnungen nahezu
unverändert blieb. Die Kostenentwicklung wird damit vor allem durch
innovative und hochpreisige Therapien bestimmt. „Der medizinische
Fortschritt bringt enorme Chancen für Patientinnen und Patienten –
gleichzeitig steigen aber auch die Kosten deutlich. Spitzenmedizin
braucht daher eine stabile und solidarische Finanzierung“, so Huss.
Hochpreisige Therapien verändern das System
Besonders deutlich zeigt sich diese Entwicklung bei Arzneimitteln
mit einem Kassenpreis von mehr als 2.000 Euro pro Packung. Sie
verursachen bereits rund 28 Prozent der Heilmittelkosten der ÖGK,
machen aber lediglich 0,3 Prozent der Verordnungen aus. Gleichzeitig
eröffnen sie vielen Menschen mit schweren oder seltenen Erkrankungen
neue Behandlungsmöglichkeiten.
Allein für Medikamente zur Behandlung von Krebserkrankungen und
schweren Autoimmunerkrankungen stiegen die Aufwendungen von 2024 auf
2025 um 84,5 Millionen Euro. Einzelne Arzneimittel kosten
mittlerweile bis zu 91.000 Euro pro Packung. „Diese neuen Therapien
geben vielen Menschen Hoffnung, wo es früher kaum
Behandlungsmöglichkeiten gab. Unser Anspruch ist klar: Diese Chancen
müssen allen zugutekommen – unabhängig vom Einkommen“, sagt Huss.
Generika schaffen finanziellen Spielraum
Mit dieser Entwicklung steigen auch die Anforderungen an eine
verantwortungsvolle Mittelverwendung. Die Österreichische
Gesundheitskasse setzt konsequent auf Wirtschaftlichkeit, wo
medizinisch gleichwertige Alternativen verfügbar sind. Bereits 66,8
Prozent des generikafähigen Marktes werden mit Generika versorgt und
leisten damit einen wichtigen Beitrag, finanzielle Spielräume für
innovative Therapien zu schaffen. „Wo es gleichwertige und günstigere
Alternativen gibt, setzen wir konsequent auf Generika. So schaffen
wir den notwendigen Spielraum, um teure Innovationen weiterhin
finanzieren zu können“, erklärt Huss.
Österreich als Hochpreisland
Der Heilmittelreport zeigt zwei Seiten der österreichischen
Arzneimittelversorgung: Neue Medikamente stehen rasch zur Verfügung,
gleichzeitig weist Österreich im internationalen Vergleich ein
gehobenes Preisniveau auf. Laut den präsentierten Daten liegen die
Preise patentgeschützter Arzneimittel um 19 Prozent und jene im
generikafähigen Markt sogar um 134 Prozent über dem schwedischen
Niveau. „Nicht der Zugang zu Innovationen steht zur Debatte, sondern
der Preis, den wir dafür bezahlen. Eine Versorgung auf Spitzenniveau
braucht faire Preise – nicht höhere Hürden für Patientinnen und
Patienten“, stellt Huss klar.
Gemeinsame Verantwortung für die Versorgung
Österreich hat sich bewusst für eine Arzneimittelversorgung auf
europäischem Spitzenniveau entschieden. Ein Gesundheitssystem dieser
Qualität ist keine Selbstverständlichkeit. Wer Spitzenversorgung
dauerhaft sichern will, muss auch bereit sein, sie nachhaltig zu
finanzieren. „Versorgungssicherheit ist keine Einbahnstraße. Neben
der öffentlichen Hand und den Sozialversicherungen ist auch die
Pharmaindustrie gefordert, durch faire Preisgestaltung ihren Beitrag
zu leisten“, so Huss abschließend.