Sommerupdate am Liesingbach: Renaturierung schreitet voran!

Wien (OTS) – Mit dem Sommer zeigt sich auch der Liesingbach von
seiner schönsten
Seite: Kühles Wasser, schattige Uferbereiche und naturnahe Promenaden
machen ihn zu einem beliebten Ort der Erholung. Entlang der bereits
renaturierten Abschnitte hat sich die Liesing in den vergangenen 20
Jahren zu einem ökologisch intakten Gewässer und einem wahren
Naturjuwel entwickelt. Der zweiten Hälfte des Liesingbachs steht das
noch bevor: Im Rahmen des ökologischen Großprojekts „Integrativer
Hochwasserschutz Liesingbach“ werden seit 2020 die verbleibenden 9,2
Kilometer des bislang hart verbauten Gewässers Schritt für Schritt
naturnäher, grüner und sauberer gemacht; und auf gesamter Strecke
wird ein Regenwasserkanal errichtet. Aktuell laufen die
Umgestaltungsarbeiten des sogenannten „Bauteils 2“ zwischen
Atzgersdorfer Platz und Gutheil-Schoder-Gasse.

Das ökologische Mega-Projekt am Liesingbach wird von der Stadt
Wien und dem Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima-
und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft gefördert, die
Maßnahmen selbst werden von den Fachabteilungen Wien Kanal und Wiener
Gewässer durchgeführt. Ab 2027 geht das Renaturierungsvorhaben in die
letzte Runde, um die „Lücke“ an der Liesing zu schließen.

Umweltminister Norbert Totschnig betont: „Wasser ist unsere
kostbarste Ressource und die Grundlage für Leben, Gesundheit,
Sicherheit und Wohlstand. Investitionen in eine moderne und
leistungsfähige Wasserinfrastruktur und einen wirksamen
Hochwasserschutz sind daher essentiell für die Lebensqualität aller
Menschen und intakte Ökosysteme, wie hier in Wien am Liesingbach. Ein
besonderes Anliegen ist mir, das Bewusstsein für den Wert unseres
Wassers und der gesamten Wasserinfrastruktur zu stärken. Mit unseren
Wasserplattformen „Wasseraktiv“ und „gen blue“ kommunizieren wir
deshalb laufend, wie wichtig ein sorgsamer Umgang mit unserem Wasser
ist und wo besonders vorbildliche Maßnahmen an Flüssen umgesetzt
werden. Das gemeinsame Engagement des Umweltministeriums und der
Stadt Wien hier am Liesingbach zeigt, wie wir unsere Wasserressourcen
und die Bevölkerung nachhaltig schützen können. Besonders erfreulich
ist daher der rasche Baufortschritt. Der Großteil des neuen
Regenwasserkanals ist bereits fertiggestellt, gleichzeitig entstehen
entlang des Baches naturnahe Lebens- und Erholungsräume für die
Wiener Bevölkerung. Für den Wasserbau im Bauteil 2 des Liesingbachs
werden insgesamt rund 3 Mio. Euro investiert, davon stellt das
Umweltministerium über 1 Mio. Euro bereit. Jeder Euro, der hier
investiert wird, ist gut investiert – für die Sicherheit der
Anrainerinnen und Anrainer, für sauberes Wasser und für wertvolle
Grün- und Naherholungsräume am Liesingbach“.

Die Kanal- und Renaturierungsarbeiten schreiten zügig voran. Seit
Beginn der Bauarbeiten im „Bauteil 2“ wurde die Kanalinfrastruktur
entlang des Gewässers umfassend modernisiert und erweitert.
Gleichzeitig konnten bereits zahlreiche wasserbauliche Maßnahmen
umgesetzt werden, die den Liesingbach ökologisch aufwerten und den
Hochwasserschutz verbessern.

„Mit dem neuen Kanal schützen wir den Liesingbach vor
verunreinigtem Regenwasser. Die Regenwasserkanäle, die bisher in die
Liesing mündeten, werden an den neuen Kanal angeschlossen. Bei Regen
kann so der erste Schwall mit verunreinigtem Regenwasser von den
umliegenden Verkehrsflächen im neuen Kanal aufgefangen und zur
Reinigung in die Kläranlage nach Simmering geleitet werden. Auch bei
Störfällen, bei denen gefährliche Stoffe über die
Regenwasserkanalisation in den Bach gelangen könnten, sorgt der neue
Kanal künftig für zusätzlichen Schutz. Dadurch wird die
Wasserqualität nachhaltig verbessert und die Grundlage für die
Renaturierung gelegt“, erklärt Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky die
Funktion des Projekts.

Gewässer-Stadträtin Ulli Sima erläutert den Mehrwert für Mensch
und Natur: „Die Liesing entwickelt sich Schritt für Schritt zu einem
naturnahen Erholungsraum mit hoher Aufenthaltsqualität, gleichzeitig
verbessern wir durch die Renaturierung den Hochwasserschutz. Gerade
an heißen Sommertagen bieten die neuen Grünräume entlang des Bachs
wertvolle Abkühlung und machen den Liesingbach zu einer attraktiven
Freizeitoase. Es freut mich zu sehen, dass die Renaturierung bereits
Früchte trägt und man live beobachten kann, wie sich der Liesingbach
auf voller Länge zu einem einzigartigen Naturjuwel entwickelt, der
vielen Tier- und Pflanzenarten einen Lebensraum bietet. Die 1. Hälfte
des Liesingbachs auf Wiener Stadtgebiet hat sich bereits wieder zu
einem intakten Gewässer entwickelt, seit 2020 geht es nun Schritt für
Schritt weiter mit der Renaturierung der zweiten Hälfte.“

Zwtl.: Neuer Regenwasserkanal

Mit insgesamt 30 Kilometern ist der Liesingbach der längste
Wienerwaldbach. Bis 2027 wird er auf einer Länge von 9,2 Kilometern
naturnahe rückgebaut. Im Zuge der Renaturierung errichtet Wien Kanal
einen rund neun Kilometer langen Regenwasserkanal. Rund 5,5 Kilometer
davon werden dabei direkt im Bachbett verlegt. Zusätzlich entstehen
entlang der Strecke 50 Trennbauwerke, 10 Abfallschächte und 100
Putzschächte für den späteren Betrieb und die Wartung.

Im aktuellen Abschnitt zwischen Atzgersdorfer Platz und Gutheil-
Schoder-Gasse werden insgesamt 2,8 Kilometer Regenwasserkanal
errichtet. Davon werden zwei Kilometer in offener Bauweise im
Bachbett verlegt. Von November 2025 bis Mai 2026 wurden 800 Meter von
der Gutheil-Schoder-Gasse bis zur Wohnparkstraße in Alterlaa im
Microtunneling, einer unterirdischen Vortriebstechnik, hergestellt.
Das verkürzte die Bauzeit und reduzierte Lärm- und Schmutzbelastungen
für die Anrainer*innen. Dabei wurden mehrere Brückenbauwerke sowie
die U6-Hochstrecke unterquert. 2,3 Kilometer des 2,8 Kilometer langen
Bauabschnittes sind bereits fertiggestellt.

In den bereits renaturierten Abschnitten 4 und 1 wurden über 250
Bäume und hunderte Sträucher gepflanzt. Auch unzählige
Weidenstecklinge und Wildaufgeher werden die Renaturierung
beschleunigen.

Zwtl.: Mehr Platz für den Liesingbach

Im Zuge der geplanten Umgestaltungsarbeiten im Bauteil 2 werden
sogenannte „Pendelstrecken“ im Gewässerlauf des Liesingbaches
angelegt. Aktuell befindet sich der Bautrupp flussaufwärts der
Osrambrücke. Erste, besonders abwechslungsreiche Gewässerzonen wurden
bereits auf Höhe von Alterlaa geschaffen. Hier sind Flussareale mit
variabler Strömungsintensität und sanften Sand- und Schotterbänken
entstanden, die eine vielseitige Flusslandschaft bilden. Auf Höhe der
Riegermühle starten in Kürze die Arbeiten für eine einmalige
Erholungsinsel. Die kleine, naturnahe Insel soll künftig als
Rückzugsraum für Tiere und Pflanzen dienen, wird aber auch für
Besucher*innen zugänglich gemacht. Zusätzlich werden knapp 400 neue
hitzetolerante Bäume wie Ahorn, Holzapfel oder Silberlinde entlang
der Liesing gesetzt. Neue Ufergehölze, darunter Weiden und Erlen,
spenden Schatten und schützen den Bach vor Überhitzung im Sommer.
Über 600 heimische Sträucher finden entlang der Liesingbachufer ein
neues Zuhause.

Die bereits neu gesetzten Bäume, Sträucher und Uferpflanzen
benötigen etwas Zeit, um anzuwachsen und ihre volle Wirkung zu
entfalten. Mit jedem Jahr werden die Grünräume dichter, schattiger
und ökologisch wertvoller. Erfahrungen aus bereits abgeschlossenen
Renaturierungsabschnitten zeigen, dass sich die neu geschaffenen
Lebensräume rasch entwickeln und von zahlreichen Tier- und
Pflanzenarten angenommen werden. Libellenlarven etwa brauchen
ruhigere Gewässerbereiche, ausgewachsene Fische wie Elritzen oder
Schmerlen halten sich dagegen durchaus gerne inmitten der Strömung
auf.

Zwtl.: „Schwebendes Grün“ bereits fertiggestellt

Ein besonderes Highlight entlang des renaturierten Liesingbachs
ist das sogenannte „Schwebende Grün“ beim Steinsee. Die
Renaturierungsmaßnahmen des Liesingbaches benötigten hier besonders
innovative Mittel, zumal die Ufer des Gewässers an dieser Stelle sehr
dicht von Gebäuden umgeben sind. Die Begrünungsmaßnahme wurde bereits
erfolgreich umgesetzt. Schon bald werden Kletterpflanzen, die per
Rankseil über das Gewässer wachsen, das Mikroklima des Baches
verbessern.

Zwtl.: Großprojekt Liesingbach – Die Maßnahmen im Überblick:

– Das hartverbaute Flussbett wird abgetragen. Nach Entfernung der
alten Steinpflasterung werden Schotter und natürliches Sohlsubstrat
in das Flussbett eingebracht.

– Besonders umweltschonend: Die alten Pflastersteine werden vor Ort
zerkleinert und in die Sohle des Liesingbaches eingebracht. Dieses
Recycling ersetzt den aufwändigen Abtransport der Steine und die
damit verbundenen LKW-Fahrten.

– Ein Regenwasserkanal schützt den Bach vor Verunreinigungen und ist
die Voraussetzung für die ökologische Sanierung des Baches. Bei Regen
wird der erste Schwall Regenwasser von den umliegenden
Verkehrsflächen aufgefangen und zur Kläranlage nach Simmering
transportiert.

– Grünräume entlang der Uferbereiche werden vergrößert bzw. neue
geschaffen. Parallel zu den Bauarbeiten werden an jedem Abschnitt
Bäume und Sträucher gesetzt.

– Der Hochwasserschutz am Liesingbach wird verbessert. Mittels
wasserbaulicher Umbauten wird im Projektgebiet der Hochwasserschutz
auf den neuesten Stand der Technik gebracht (durchgängig auf HW 100).

Zwtl.: Investition in den Hochwasser-, Gewässer- und Klimaschutz

Die Renaturierung des Liesingbachs wird gemeinsam von der MA 45,
Wien Kanal und dem Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft,
Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft (BMLUK)
umgesetzt. Die Gesamtkosten des Großprojekts inklusive des Baus des
Speicherbeckens Gelbe Haide belaufen sich auf circa 85 Millionen
Euro. Der Anteil der Stadt Wien für das Gesamtprojekt beträgt circa
67 Millionen Euro. Das gesamte Projekt wird durch das
Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und
Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft mit rund 18 Mio. Euro
mitfinanziert.

Pressebilder zu dieser Aussendung sind in Kürze unter
www.wien.gv.at/pressebilder/ abrufbar.