Persönliche Assistenz bleibt für viele unleistbar – Menschenrechte endlich umsetzen!

Wien/St.Pölten (OTS) – Ein Leben mit Persönlicher Assistenz in
Österreich wird zunehmend
immer schwieriger, stellt die WAG Assistenzgenossenschaft in ihrer
Halbjahresbilanz fest. Grund sind die Sparpläne der Bundesländer.
Trotz der Erhöhung der Förderung in Niederösterreich auf 24 EUR pro
Assistenzstunde müssen Menschen mit Behinderungen in NÖ immer noch
hohe Selbstbehalte leisten. Die Förderungen in NÖ wurden Jahrzehnte
nicht an die Inflation angepasst, was die Lebenssituation von
Menschen mit Behinderungen deutlich verschlechtert.

Praxisbeispiel: Eine Kundin braucht monatlich 200 Stunden. Im
Angestelltenmodell entsteht dadurch ein Selbstkostenbeitrag von bis
zu 13,80 EUR pro Assistenzstunde – also in Summe 2760 EUR. Das
Pflegegeld der Stufe 5, beträgt derzeit 1206,90 EUR. Die Kundin muss
somit Monat für Monat rund 1550 EUR aus eigener Tasche bezahlen,
damit die notwendige Unterstützung da ist. Für viele Betroffene ist
das schlicht unfinanzierbar!

„ Persönliche Assistenz ist ein Menschenrecht und ist die
Voraussetzung für ein selbstbestimmtes Leben. Niemand sollte dafür
bezahlen müssen, die Toilette aufzusuchen, sich eine Mahlzeit
zuzubereiten oder abends ins Bett gehen zu können. Was für die
meisten Menschen selbstverständlich ist, wird für Menschen mit
Behinderungen zur finanziellen Belastung .“, betont Jasna Puskaric,
geschäftsführende Vorständin der WAG Assistenzgenossenschaft.

Die Folge: Betroffene verzichten auf notwendige Unterstützung
oder geraten in finanzielle Schieflage. Die jüngste Erhöhung der
Förderung um zwei Euro pro Stunde ist zwar ein Schritt in die
richtige Richtung, reicht aber bei weitem nicht aus. Die
tatsächlichen Kosten einer Assistenzstunde im Anstellungsverhältnis
liegen deutlich darüber. Faire Arbeitsbedingungen für Persönliche
Assistent:innen und eine bestmögliche Assistenz sind mit den
derzeitigen Fördersätzen nicht finanzierbar.

Zwtl.: Wetter verändert den Bedarf!

Die aktuelle Hitzewelle verdeutlicht, wie unverzichtbar
Persönliche Assistenz ist. Genügend trinken, Wohnräume kühlen,
Einkäufe erledigen oder medizinische Empfehlungen umsetzen – all das
ist für viele Menschen mit Behinderungen nur mit Persönlicher
Assistenz möglich. Wer sich diese Unterstützung nicht leisten kann,
verliert nicht nur Selbstbestimmung, sondern setzt auch die eigene
Gesundheit aufs Spiel.

Österreich hat sich mit der Ratifizierung der UN-
Behindertenrechtskonvention im Jahr 2008 verpflichtet, Menschen mit
Behinderungen ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. Dieses Recht
darf nicht vom Einkommen oder Wohnort abhängen. Nur so kann das Recht
auf Selbstbestimmung Realität werden.

Selbstbestimmung ist ein Menschenrecht. Nach einem halben Jahr
steht fest, die letzte Reform des niederösterreichischen
Fördersettings war ein wichtiger Schritt. „ Bis zu einem
bedarfsgerechten Assistenzsystem ist es aber noch ein weiter Weg. “,
resümiert WAG-Vorstand Christoph Dirnbacher und verweist auf die seit
Jahren bestehende Finanzierungslücke.