Wien (OTS) – Die Industriellenvereinigung (IV) sieht angesichts der
heutigen ORF-
Pressestunde mit Bundesministerin Korinna Schumann weiterhin
deutlichen Reformbedarf im Gesundheitssystem. Den von Schumann
angesprochenen Gesamtplan sieht die Industriellenvereinigung in der
Reformpartnerschaft im Gesundheitsbereich nicht ausreichend
abgebildet.
„Es fehlt an den notwendigen Kompetenzbereinigungen sowie an der
Reduktion der Schnittstellen. Die im Regierungsprogramm vorgesehenen
bundesweit einheitlichen und verbindlichen Versorgungspfade harren
ebenso der Umsetzung“, kritisiert IV-Generalsekretär Christoph
Neumayer.
Für die Industriellenvereinigung liegt der Schlüssel zu einem
effizienten Gesundheitssystem in einer bundesweiten Steuerung aus
einer Hand. „Ohne eine Bündelung der Kompetenzen auf Bundesebene wird
es nicht gehen. Die weiterhin zersplitterten Zuständigkeiten führen
zu Doppelstrukturen, Versorgungsunterschieden und ineffizientem
Mitteleinsatz“, so Neumayer. Nur wenn endlich klare Zuständigkeiten
und bundesweit einheitliche Versorgungspfade etabliert werden,
schaffen wir ein Gesundheitssystem, das im Sinne von Effizienz,
Versorgungsqualität und Finanzierbarkeit funktioniert.
Die Aussage, eine Lenkung sei erst mit einer entsprechenden
Versorgungsstruktur möglich, greift aus Sicht der
Industriellenvereinigung zu kurz. „Genau diese Versorgungsstruktur
wird ohne eine klare bundesweite Steuerungsverantwortung aus einer
Hand und Kompetenzbündelung nicht entstehen. Der Bund muss den Rahmen
vorgeben und die Versorgung aktiv gestalten – nicht auf bestehende
Strukturen warten“, so Neumayer.
Bürokratie schließt keine strukturell bedingte Gehaltsschere
Die Industriellenvereinigung teilt auch Schumanns Einschätzung
nicht, wonach die EU-Entgelttransparenzrichtlinie einen wesentlichen
Beitrag zur Verringerung des Gender Pay Gap leisten werde. „Ein
Bürokratiemonster, das die Politik auf die Unternehmen loslässt, wird
in keinem Fall die strukturellen Gehaltsunterschiede zwischen Männern
und Frauen auflösen. Diese liegen nämlich in unterschiedlichen
Erwerbsbiografien, Berufswahlen sowie unterschiedlichen Arbeitszeiten
begründet“, so Neumayer. Bei einer seriösen Betrachtung zeigt sich
zudem, dass der bereinigte Gender Pay Gap in Österreich laut Eurostat
gemeinsam mit Deutschland, Dänemark, Schweden, den Niederlanden oder
Finnland unter dem EU-Durchschnitt liegt.
Im Übrigen ist die Industriellenvereinigung der Meinung, dass
Vermögens- und Erbschaftssteuern dem Standort schaden und ein Zeichen
gegen Wachstum und Arbeitsplätze sind.