Wien (OTS) – Seit Ende Juni ist bekannt, wie weit die Sparpläne bei
Volkswagen
tatsächlich reichen: Bis zu 100.000 der weltweit rund 657.000 Stellen
könnten wegfallen – eine Verdoppelung des bisherigen, ohnehin schon
beispiellosen Abbauziels von 50.000 Stellen bis 2030. Zur Debatte
stehen laut übereinstimmenden Medienberichten auch die Schließung der
VW-Werke Hannover, Zwickau und Emden sowie des Audi-Werks Neckarsulm.
Am 9. Juli berät der Aufsichtsrat erstmals offiziell über die Pläne
von Konzernchef Oliver Blume. Für die freiheitliche EU-Abgeordnete
Elisabeth Dieringer zeigt das vor allem eines: wie aussichtslos die
Lage ist, in die Brüssel Europas Autoindustrie manövriert hat.
„Selbst 100.000 gestrichene Stellen und vier geschlossene Werke
bringen dem Konzern rechnerisch nur rund 1.000 Euro Ersparnis pro
verkauftem Auto. Der Kostenvorteil chinesischer Hersteller bei
Elektroautos liegt laut McKinsey aber bei 20 bis 50 Prozent, auf ein
30.000-Euro-Fahrzeug gerechnet mindestens 6.000 Euro“, rechnet
Dieringer vor. „Das zeigt, wie groß der Rückstand tatsächlich ist,
den Brüssel unserer Autoindustrie eingebrockt hat. Selbst das
schmerzhafteste Sparprogramm, das ein Konzern seinen eigenen Leuten
zumuten kann, schließt diese Lücke nicht annähernd. Zehntausende
Familien verlieren ihre Existenzgrundlage für ein Problem, das nicht
in Wolfsburg entstanden ist, sondern in Brüssel.“ Und VW stehe damit
nicht allein: BMW kündigte zuletzt Restrukturierungskosten von bis zu
einer Milliarde Euro an, Mercedes verschob Bonuszahlungen für 90.000
Beschäftigte, und auch beim französisch-italienisch-amerikanischen
Stellantis-Konzern stehen europäische Werke unter Druck. „Das ist
kein Missmanagement einzelner Konzerne, das ist der Kollaps einer
ganzen europäischen Schlüsselindustrie zur gleichen Zeit. Wenn die
gesamte Branche gleichzeitig einbricht, liegt das Problem nicht bei
den Unternehmen, sondern in der Politik, die ihnen die
Rahmenbedingungen diktiert“, stellt Dieringer klar.
Die eigentliche Ursache benennt sie unmissverständlich: „Genau in
der Zeit, in der die EU mit dem Verbrenner-Verbot und immer
schärferen Flottengrenzwerten europäische Hersteller auf eine einzige
Technologie verpflichtet hat, ist China bei Batterie und Software an
uns vorbeigezogen. Brüssel hat unserer Industrie eine Zwangsjacke
angelegt und lässt jetzt die Arbeitnehmer für diese Entscheidung
bezahlen. Das trifft nicht nur Konzernzentralen in Wolfsburg oder
München – Österreichs Zulieferbetriebe hängen an denselben
europäischen Lieferketten und spüren jede Werksschließung
unmittelbar.“ Die Verantwortung dafür liege eindeutig bei der EU und
dort müsse auch die Lösung ansetzen: „Wir brauchen im aktuell im EU-
Parlament verhandelten Automotive Omnibus endlich
Lokalisierungsvorgaben für alle Fahrzeuge, nicht nur für E-Autos,
damit Mitgliedsstaaten in Europa gefertigte Autos gezielt
unterstützen können. Amerika macht das seit Jahren über den Inflation
Reduction Act, Brüssel traut sich bis heute nicht“, fordert
Dieringer. „Es ist zynisch, wenn dieselbe EU, die unsere Industrie
mit ideologischen Vorgaben in diese Lage gebracht hat, jetzt tatenlos
zusieht, wie hunderttausende Menschen dafür ihren Arbeitsplatz
verlieren.“