Wien. (OTS) – Fast jeder fünfte Arbeitsunfall in Österreich passiert
am Bau. Hohe
Temperaturen verschärfen dieses Risiko zusätzlich. Konzentration und
Reaktionsfähigkeit lassen nach, die Erschöpfung steigt, die
Unfallgefahr nimmt zu. Die Gewerkschaft BAU-HOLZ (GBH) zieht daraus
eine klare Konsequenz: Schwere Arbeiten müssen aus den heißesten
Stunden des Tages herausgehalten werden.
Das gefährlichste Zeitfenster
Die höchsten Temperaturen werden an Sommertagen meist erst am
frühen Nachmittag erreicht. Am frühen Nachmittag steigt die Belastung
für Menschen, die im Freien arbeiten, besonders stark an.
Gleichzeitig haben Bauarbeiter:innen dann oft bereits sieben und mehr
Stunden körperlich schwere Arbeit hinter sich. Genau in diesem
Zeitfenster steigt das Risiko für Kreislaufprobleme, Erschöpfung und
Unfälle.
Die GBH fordert daher: Bei Hitzewellen soll der Arbeitsbeginn auf
Baustellen konsequent in die frühen Morgenstunden vorverlegt werden.
Wer früher beginnt, kann früher aufhören. Und wer früher aufhört,
muss nicht in der größten Hitze arbeiten.
Hitzefrei betrifft wenige Stunden – nicht ganze Tage
Wird der Arbeitsbeginn vorverlegt und werden am frühen Nachmittag
32,5 Grad Celsius erreicht, besteht die Möglichkeit, die Hitzefrei-
Regelung nach dem Bauarbeiter-Schlechtwetterentschädigungsgesetz (
BSchEG) zu nutzen. Dabei geht es um wenige Stunden – nicht um ganze
Arbeitstage. Genau dafür wurde diese Möglichkeit geschaffen: um die
gefährlichsten Stunden des Tages zu vermeiden.
„Je länger jemand bei extremer Hitze schwer arbeitet, desto
größer wird das Gesundheits- und Unfallrisiko. Die Lösung liegt auf
der Hand: früher beginnen, die heißesten Stunden vermeiden und, wenn
die Schwelle von 32,5 Grad erreicht wird, die Möglichkeit auf
Hitzefrei nutzen. Wir reden von wenigen Stunden. Nicht von ganzen
Tagen. Das ist machbar – wenn alle Verantwortung übernehmen“, so Abg.
z. NR Josef Muchitsch, GBH-Bundesvorsitzender.
Ein Appell an die Bevölkerung: Verständnis ist Verantwortung
Wenn in den Sommermonaten auf Baustellen früher gearbeitet wird,
wenn der Bagger schon um sechs Uhr früh zu hören ist dann hat das
einen Grund: Gesundheitsschutz. Die GBH appelliert an die
Bevölkerung, diesem früheren Arbeitsbeginn mit Verständnis und
Respekt zu begegnen. Denn die Alternative ist, dass Menschen in der
größten Nachmittagshitze schwere körperliche Arbeit verrichten
müssen.
„Unsere Heldinnen und Helden der Hitze bauen die Infrastruktur,
auf der unser Alltag beruht. Wenn sie in Hitzewellen früher mit der
Arbeit beginnen, dann tun sie das, um gesund nach Hause zu kommen.
Dafür verdienen sie nicht Ärger, sondern Verständnis und Respekt“, so
Muchitsch.
Hitze.App: Sofort wissen, wann es so weit ist
Die kostenlose Hitze.App der GBH zeigt per Postleitzahl in
Echtzeit an, ob die für Hitzefrei relevante Temperatur von 32,5 Grad
Celsius erreicht wurde – abgestimmt mit den Wetterdaten der GeoSphere
Austria. Download: gbh-news.at/hitze-app
GBH-Hitzetage – die bisherigen Themen
Tag 1: Verantwortung übernehmen – Gesundheit schützen
Tag 2: Es geht um wenige Stunden – nicht um ganze Tage
Tag 3: Die coolsten Baustellen Österreichs gesucht
Tag 4: Hitzeschutz beginnt vor dem ersten Spatenstich
Tag 5: Eine heiße Woche. Tausende, die sie durchgearbeitet haben.
Tag 6: Über 500 Gespräche zeigen – Hitzeschutz-Verordnung noch
nicht überall angekommen
Tag 7: Die Ironie der Hitzewelle – wer kühlt die, die uns kühlen?
Tag 8: Je länger bei Hitze gearbeitet wird, desto gefährlicher